1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Entscheidung über Kunstwerk erneut verschoben – Archivarin verlässt Bad Hersfeld

Erstellt:

Kommentare

Seit über 40 Jahren steht das Kunstwerk des Bad Hersfelder Bildhauers Dieter Oehm auf dem Bad Hersfelder Marktplatz
Das Schiff des Anstoßes: Seit über 40 Jahren steht das Kunstwerk des Bad Hersfelder Bildhauers Dieter Oehm auf dem Bad Hersfelder Marktplatz nahe der Feuergrube. Es soll versetzt werden. Nur wohin? Und wer zahlt? © Kai A. Struthoff

In Ermanglung anderer Themen hat sich der Ausschuss für Bildung und Kultur erneut mit der möglichen Versetzung des „Gestrandeten Schiffs“ auf dem Marktplatz beschäftigt.

Bad Hersfeld - Das Denkmal des Bad Hersfelder Bildhauses Dieter Oehm von 1979 soll von seinem angestammten Platz vor zwei Restaurants verschwinden, um mehr Platz für die Außengastronomie an diesem zentralen Platz zu schaffen. Auch Fragen der Sicherungsplicht, des als „Kletterobjekts“ beliebten Kunstwerks spielen offenbar eine Rolle, auch wenn Bürgermeister Thomas Fehling „keine Unfälle“ bekannt sind.

Der inzwischen in Bad Vilbel lebende Künstler Oehm habe keine Einwände gegen die Versetzung an einen anderen Ort. Allerdings würde der Umzug mindestens 20 000 Euro kosten. Auch ein neuer Standort ist noch nicht auserkoren. „Wenn jemand das Schiff weghaben will, dann soll er es auch bezahlen“, sagte der FDP-Stadtverordnete Rolf Malachowski mit Blick auf eine Beteiligung der örtlichen Gastronomen. Dafür plädierte auch Andreas Rey von der CDU und schlug Gespräche vor.

Die Grüne Andreas Zietz sagte hingegen, „Kunst im öffentlichen Raum sollte nicht einfach versetzt werden, nur weil sie die Gastronomen stört. Auch die CDU-Stadtverordnete Silvia Schönemann erinnerte daran, dass es sich um ein Kunstwerk handele. Die wellenförmige Pflasterung erinnere an ein bewegtes Meer. „Platt gemacht, ist so etwas schnell“, warnte sie. Die SPD-Abgeordnete Barbara Eckhardt regte indes einen Alternativstandort „am Wasser“, etwa an den Nordschulteichen oder der neuen Fulda-Brücke an. Einstimmig beschloss der Ausschuss dann, die Versetzung zu vertagen, bis die offenen Fragen geklärt sind.

In der routinemäßigen Berichterstattung über das Stadtarchiv platzte dann noch eine kleine Bombe. Die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Tanja Roth, wird Bad Hersfeld verlassen. Dem Vernehmen nach wechselt sie ans Stadtarchiv in Kassel. Die Kündigung Roths hänge auch mit dem Stillstand beim Bau des neuen Bad Hersfelder Stadtarchivs zusammen, sagt Bürgermeister Fehling. Auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Dr. Thomas Handke (SPD) nannte Fehling die ganze Situation „sehr unerfreulich“. Das Projekt sei seit 2021 „angehalten“, weil die Kostenentwicklung zu unübersichtlich geworden sei.

Inzwischen seien zwar andere Möglichkeiten geprüft worden, aber eine Entscheidungsvorlage an den Magistrat sei „fehlerbehaftet“ gewesen und musste daher zurückgezogen werden. Fehling sieht die Schuld dafür bei den zuständigen Fachabteilungen und drohte „Konsequenzen“ an. Fordermittel seien aber nicht in Gefahr. „Das Projekt ist nicht zeitkritisch, aber billiger wird es unterdessen auch nicht“, so Fehling.

Von Kai A. Struthoff

Auch interessant

Kommentare