„Geschichten aus der Gruft“

Gruseliges aus der Stiftsruine Bad Hersfeld

Grusel-Ambiente in der Krypta: Für die Geschichten aus der Gruft hatten die Festspiele für die passende Deko und Lichtstimmung gesorgt.
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Grusel-Ambiente in der Krypta: Für die Geschichten aus der Gruft hatten die Festspiele für die passende Deko und Lichtstimmung gesorgt.

„Geschichten aus der Gruft“: Beim alternativen Kulturprogramm „Ein anderer Sommer“ in Bad Hersfeld lud Festspielintendant Joern Hinkel zur Gruselstunde.

Bad Hersfeld – Geisterstunde in der Stiftsruine: Es ist kurz vor Mitternacht, Nebelschwaden wabern aus der mit Kerzen und Fackeln in ein geheimnisvolles Licht getauchten Krypta. Bei genauem Hinsehen kann man auf den verbliebenen Stützpfeilern Teile von menschlichen Skelettknochen sowie einige sorgfältig drapierte Totenschädel entdecken. Schaurig-schräge Melodien, die an Edgar Wallace Filme aus den 60er-Jahren erinnern, sorgen für leichte Gänsehaut. Ab und an ist der unheimliche Ruf einer Eule zu vernehmen.

„Bösen Engeln will ich gleichen, fahlen Blicks mich zu dir schleichen, gleiten an dein Lager sacht, wie ein Schattenspuk der Nacht“. Mit Charles Baudelaires „Das Gespenst“, vorgetragen von Intendant Joern Hinkel, beginnen die „Geschichten aus der Gruft“.

Hinkel, ein begnadeter Vorleser, ist – wenn man das so sagen darf – in dieser Nacht das Epizentrum des gepflegten Gruselns. Wenn er mit dumpfer Grabesstimme die Zeilen Baudelaires rezitiert, eiskalt, akzentuiert und fesselnd eine Kurzgeschichte Edgar Allan Poes vorträgt, in der ein Mann seinen Freund wegen einer vermeintlichen Kränkung bei lebendigem Leib einmauert, oder den zunehmenden charakterlichen Zerfall einer weiteren Figur Poes allein durch Betonung, Stimmlage und wohlgesetzte Pausen spürbar macht, hängt das Publikum förmlich an seinen Lippen und vergisst dabei beinahe das Atmen.

Bettina Wilts, Dramaturgin der Bad Hersfelder Festspiele, steuerte im Vergleich dazu mit Christian Morgensterns „Mitternachtsmaus“ oder Hauffs „Gespensterschiff“ etwas leichtere Kost bei, bevor sie das Publikum nach Ablauf der Geisterstunde mit einem Kapitel aus „Hui Buh, das Schlossgespenst“ etwas entspannter auf den Heimweg geleitete.

Für die passende musikalische Untermalung und die schaurig-schönen Soundeffekte hatte Matthias Trippner präzise und unaufgeregt gesorgt. Unterm Strich ein neues, spannendes Format, welches förmlich nach Wiederholung schreit.

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