Bad Hersfelder Familienvater trickst Online-Händler aus

Freiheitsstrafe für Betrug mit Luxus-Kleidung

Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).
+
Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).

Als Richterin Christina Dern am Amtsgericht Bad Hersfeld das Urteil verkündete, verzog der Angeklagte keine Miene, dabei drohen ihm ein Jahr und acht Monate Haft ohne Bewährung – wegen Computerbetrugs mit einem Gesamtschaden von 13 741 Euro.

Bad Hersfeld - In mindestens 30 Fällen hatte der Angeklagte hochpreisige Paketsendungen nicht zurückgeschickt und die Online-Händler geprellt.

Gewerbsmäßigen Betrug konnte das Gericht für die Taten, die zwischen 2016 und 2019 verübt wurden, nicht feststellen.

„Eine Bewährung kam aber nicht in Frage, weil dafür ein Bemühen um Wiedergutmachung nötig ist, eine positive Sozialprognose reicht da nicht“, erläuterte die Richterin. Mit dem Urteil wich das Gericht von dem Antrag der Staatsanwaltschaft ab, die eine Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Der 55-jährige Angeklagte aus Bad Hersfeld äußerte sich weder zu dem Urteil, noch zu seinem Vorgehen in den angeklagten Betrugsfällen.

So gab es auch nach der Urteilsverkündung keine Gewissheit, wie der 55-Jährige dutzende Online-Händler um den Kaufpreis der Luxus-Kleidungsstücke gebracht hatte. Nach den Zeugenaussagen einer Onlineshop-Mitarbeiterin und vorausgegangenen Nachforschungen der internen DHL-Sicherheitsabteilung hatte der Angeklagte stets dasselbe Betrugsvorgehen angewandt. Dabei hatte der 55-Jährige teure Kleidungsstücke im Internet bestellt, als dann die Zahlungsaufforderung folgte, manipulierte der Angeklagte die Retourenscheine.

Dafür bestellte der Hersfelder mehrere Artikel, verpackte dann lediglich einen davon für den Rücktransport und ließ sich das bei Abgabe quittieren. Dann verlangte er das Paket kurzfristig zurück.

In einem unbeobachteten Moment überklebte oder tauschte er das Retourenschild mit dem einer anderen Bestellung und gab das neu etikettierte Paket an den ahnungslosen Zusteller zurück. Bei dem geprellten Online-Händler kam demzufolge nur einer der zwei ausgelieferten Artikel zurück.

Als der Händler den Sendungsbeleg des fehlenden Artikels verlangte, konnte der Angeklagte diesen vorzeigen. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens fiel der Verdacht auch auf die ehemaligen Betreiber einer Postfiliale aus dem Kreis, denen eine mögliche Mitwisserschaft jedoch nicht nachgewiesen werden konnte.

Die Betrugsmasche des 55-Jährigen fiel erst auf, als der Beschuldigte eine neue List anwandte und leere Pakete aufschlitzte, um so einen Diebstahl auf dem Postweg vorzutäuschen. Dabei kam ihm eine misstrauische Onlineshop-Mitarbeiterin auf die Schliche.

Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei eines der angeblich auf dem Postweg verschollenen Designerstücke. Wo die restlichen Kleidungsstücke geblieben sind, konnte abschließend nicht geklärt werden.

Den durch den Betrug entstandenen Schaden in Höhe von 13 741 Euro muss der Angeklagte jetzt zurückzahlen. (Kim Hornickel)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.