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Hart umkämpfter Traum vom Fliegen: Aus Bad Hersfeld in den Helikopter

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Von: Laura Hellwig

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Sie hat sich ihren großen Traum erfüllt: Corinna Willhardt, 28 Jahre alt, ist Berufspilotin. Das Hubschraubermodell, das sie fliegen darf, eine Robinson R44, ist etwa 128 Mal größer als dieses Miniaturmodell einer EC 135.
Sie hat sich ihren großen Traum erfüllt: Corinna Willhardt, 28 Jahre alt, ist Berufspilotin. Das Hubschraubermodell, das sie fliegen darf, eine Robinson R44, ist etwa 128 Mal größer als dieses Miniaturmodell einer EC 135. © Laura Hellwig

Die 28-jährige Corinna Willhardt aus dem Bad Hersfelder Stadtteil Kathus ist Hubschrauberpilotin. Ihren Traum vom Fliegen hat sie sich mit viel harter Arbeit erfüllt.

Kathus – Vor etwa eineinhalb Jahren hat sich Corinna Willhardts größter Traum verwirklicht – im November 2020 hat die heute 28-Jährige ihren Schein zur Berufspilotin gemacht. Neun Meter lang und etwa 660 Kilogramm schwer ist die Robinson R44, der Hubschrauber, der in ihrem Schein eingetragen ist und mit dem Corinna Willhardt in die Luft gehen darf.

Für die Fliegerei und insbesondere für Hubschrauber interessiert sich die gebürtige Kathuserin seit ihrer Jugend. Nahe des Urlaubsortes war damals ein Rettungshubschrauber stationiert. Start und Landung der Maschine haben die Jugendliche fasziniert, „vor allem der unfassbare Sound in den Bergen“. Sie hat sich Bücher besorgt, Fachwissen gesammelt, Modelle und Stationen von Rettungshubschraubern auswendig gelernt und gesagt: „Irgendwann fliege ich so einen Hubschrauber“.

„Ich war verrückt danach“, sagt Willhardt rückblickend mit einem Lachen. Zu ihrem 18. Geburtstag hat sie dann einen Schnupperflug geschenkt bekommen und später mit Bedauern festgestellt: „Das muss ich mir ausreden, das kann ich mir finanziell nie leisten“.

Nach ihrem Schulabschluss zog Willhardt nach Würzburg, um dort eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester zu machen. In der Nähe des Schwesternwohnheims befand sich der Landeplatz für den Rettungshubschrauber. Die Faszination blieb bestehen. Willhardt suchte Kontakte zu Piloten und Bodenpersonal.

In 2016 hat Willhardt endgültig wieder Feuer gefangen, als sie am Flugplatz in Lauterbach erneut in einen Hubschrauber einsteigen durfte. Und mit ihrem Besuch in Lauterbach wurde Willhardt Teil einer neuen, zweiten Familie. Der dortige Chef, Udo Ziegler, unterstützte Willhardt bei der Organisation ihres Flugscheins.

Im Juni 2017 wurde sie Privatpilotin. Es folgten über 100 Flugstunden, die sie für die Zulassung zur Berufspilotin benötigte. Danach noch mal ein Jahr Ausbildung, und das alles neben dem Schichtdienst im Krankenhaus. „Da musst du wirklich wissen, was du willst und was dein Traum ist. Andere haben es nicht geschafft“, erzählt Willhardt.

Beide Scheine haben die Kathuserin, die mittlerweile in Reichelsheim lebt, jeweils über 30 000 Euro gekostet. Willhardt hat früh angefangen, Geld zurückzulegen, sie hat einen Kredit aufgenommen und sich „das Geld vom Mund abgespart“, erzählt sie.

Seitdem sie Berufspilotin ist, fliegt Willhardt regelmäßig am Flugplatz in Lauterbach Rundflüge, ebenso bei verschiedenen Festen. Ein Heimspiel hatte sie kürzlich beim Mai-Fest in Kathus. Hier ist sie 31 Mal zu Rundflügen abgehoben.

Entspannen und mal den Blick schweifen lassen ist für die Pilotin nicht drin. „Man ist mit allen Händen und Füßen damit beschäftigt, den Hubschrauber ruhig zu halten“, so Willhardt. Neben der Koordination der drei Steuerelemente, bei denen es um Millimeterarbeit geht, muss navigiert werden, die Umgebung beobachtet, der Funk im Blick behalten werden und vieles mehr.

Einen Versuch, die Fliegerei zum Hauptberuf zu machen, hat die Kinderkrankenschwester bereits gewagt. Allerdings konnte sie hier noch nicht endgültig Fuß fassen. „In dieser Firma habe ich als Frau einfach keine Chance bekommen“, bedauert sie. Man dürfe den Spaß am Fliegen nicht verlieren und genau das Gegenteil sei in dieser Zeit passiert.

Generell sei es als Hubschrauberpilotin – aber auch als Pilot – schwierig, nach dem Schein eine Berufsperspektive zu haben. „Ich finde das unfair, wenn man beachtet, was man dafür alles investiert“, so Willhardt. Sie selbst ist aktuell glücklich, wie es ist.

Demnächst möchte Willhardt Fluglehrerin werden, ansonsten „lasse ich es erst mal laufen, manches ergibt sich dann von selbst“, sagt sie.

Ein großes Highlight im Hubschrauber steht der 28-Jährigen aber noch kurz bevor. Die standesamtliche Trauung im Himmel über Niederaula. (Laura Hellwig)

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