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Haut vom Kabeljau heilt Wunden: Neues Transplantationsverfahren in Bad Hersfeld angewandt

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Von: Laura Hellwig

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Arbeiten zusammen an einer neuen Art der Wundheilung: (von links) Apotheker Daniel Hildwein, Dr. Oliver Götte und Kerecis-Mitarbeiter Daniel Segrefe. In der Mitte ein Kabeljau-Transplantat von Kerecis.
Arbeiten zusammen an einer neuen Art der Wundheilung: (von links) Apotheker Daniel Hildwein, Dr. Oliver Götte und Kerecis-Mitarbeiter Daniel Segrefe. In der Mitte ein Kabeljau-Transplantat von Kerecis. © Laura Hellwig

Als einer der ersten Ärzte in Deutschland hat Dr. Oliver Götte einem Hautkrebs-Patienten Fischhaut transplantiert.

Bad Hersfeld – Als einer der ersten Ärzte in Deutschland hat Dr. Oliver Götte in seiner Praxis für Allgemeinmedizin ambulante Chirurgie in Bad Hersfeld einem Hautkrebs-Patienten Fischhaut transplantiert. Dieses neuartige Verfahren wird seit wenigen Jahren in Deutschland angewandt, um schwer heilende, post-chirurgische oder chronische Wunden zu behandeln. Bisher wurde dies aber nur in Kliniken umgesetzt, noch nicht in Arztpraxen. Zum Einsatz kommen die Fischhaut-Transplantate etwa bei Diabetes-Erkrankungen, Verbrennungen oder Hautkrebs.

Über Apotheker Daniel Hildwein hat Götte Kontakt zur Firma Kerecis aufgenommen, die seit drei Jahren in Deutschland vertreten ist. Für ihre Transplantate verwendet sie nordatlantischen Kabeljau, der in Island gefangen wird. Dort wird die Haut, die bei der Herstellung der Fischfilets ohnehin nicht genutzt wird, zum Medizinprodukt weiterverarbeitet, erklärt Kerecis-Mitarbeiter Daniel Segrefe.

Fühlt sich an wie Tapete: Ein Fischhaut-Transplantat der Firma Kerecis, wie es Dr. Oliver Götte in seiner Praxis verwendet hat.
Fühlt sich an wie Tapete: Ein Fischhaut-Transplantat der Firma Kerecis, wie es Dr. Oliver Götte in seiner Praxis verwendet hat. © Helwig, Laura

Die Häute von Fischen seien zur Behandlung von Wunden aus vielerlei Gründen geeignet. Zum einen verfüge die Haut des Kabeljaus über ähnliche Eigenschaften wie die menschliche. Das sorge dafür, dass die Transplantate ein geeignetes Gerüst bieten, in die die eigene, intakte Haut einwachsen kann. Außerdem sei das Infektionsrisiko geringer als bei anderen Hautersatzprodukten, die von Säugetieren stammen, etwa von Schweinen. Von solchen Häuten können Viren übertragen werden, weshalb die Transplantate chemisch aufwenig hergestellt werden müssen. Dies sei bei Fischhaut nicht der Fall, erklären die Spezialisten Götte und Segrefe.

In den meisten Fällen, in denen eine Hauttransplantation nötig ist, werde auf eigene Haut zurückgegriffen, die an anderer Stelle entnommen wird. Dadurch entstehe dann aber natürlich eine zweite Wunde, was einige Patienten gerne vermeiden wollten.

Die Kabeljau-Transplantate können auf die gewünschte Größe zugeschnitten werden. Sie fühlen sich an wie Tapete und werden vor der Transplantation in Kochsalzlösung eingeweicht. „Die Handhabung ist einfacher und schneller“, sagt Götte, ebenso die Wundnachsorge, was seinen Patienten betrifft. Die Heilung sei deutlich beschleunigt.

Der Patient sagt nach seinem Termin zum Verbandswechsel: „Ich habe nie Schmerzen gehabt.“ Nach anfänglichen Zweifeln vor der Behandlung sagt er nun: „Ich bereue es nicht.“ Durch die unkomplizierte Fischhaut-Transplantation werde am Ende auch weniger Narbengewebe seine Spuren hinterlassen, so der Arzt.

Für die Behandlung gebe es derzeit noch keine Kassenzulassung, erklärt Segrefe.

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