Klassenfahrten sollen nun kostenfrei stornierbar sein

Jugendherbergen sind weiter in Not

Jugendherberge Bad Hersfeld
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Jugendherberge Bad Hersfeld

Existenzsorgen plagen seit Beginn der Corona-Pandemie auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg die Jugendherbergen und Schullandheime. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Nach zahlreichen abgesagten Klassenfahrten hatte das Hessische Kultusministerium vor den Ferien die Anweisung herausgegeben, dass Klassenfahrten für das kommende Schuljahr nur dann neu gebucht werden dürfen, wenn sie jederzeit kostenfrei stornierbar sind. Inzwischen wurde nachgebessert und es heißt: Klassenfahrten müssen kostenfrei stornierbar sein, wenn sie „durch infektionsschutzrechtliche Verbote undurchführbar“ werden oder das Ministerium die Absage anordnet.

„Dies haben wir in unsere Verträge eingearbeitet, es bringt aber nach wie vor eine riesengroße Unsicherheit mit sich“, sagt dazu Knut Stolle vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) Hessen. Denn selbst so könne das Ministerium noch Fahrten ohne Angabe von Gründen untersagen. Selbst bei Ausbleiben einer zweiten Welle könne die Absage angeordnet werden, wenn eventuell festgestellt wurde, dass der Lernstoff noch nicht aufgeholt werden konnte. Stolle weist neben dem finanziellen Schaden für die 30 Jugendherbergen in Hessen aber auch auf die Schüler hin: „Das Soziallernen bringt einiges mit sich, was im Schulalltag hinten über fällt.“ Bei einer Klassenfahrt vertrauten Schüler ihrem Lehrer auch private Sorgen an und eventuell bestehende familiäre Missstände fielen auf.

Jugendherberge Rotenburg

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es zwei dem DJH angeschlossene Häuser: die Jugendherberge in Bad Hersfeld und die Jugendherberge in Rotenburg. Sascha Forderung, Leiter der Hersfelder Herberge, kann seinem Kollegen vom Landesverband nur beipflichten. „Schön ist was anderes. Am Ende tragen wir das Risiko unserer Gäste“, so Forderung, der aber natürlich auch die Probleme der Eltern und Schule nachvollziehen könne. Zwar werde die Bad Hersfelder Herberge auch von Familien, Radtouristen oder Gruppen aus anderen Bereichen genutzt, die Klassenfahrten machten jedoch nach wie vor das Kerngeschäft aus. 25 000 Übernachtungen seien ursprünglich für 2020 gebucht gewesen. „Nun können wir froh sein, wenn wir 8000 schaffen.“

Bisher seien kostenfreie Stornierungen bis 100 Tage vor Anreise möglich gewesen, da gerade Klassenfahrten aber oft sehr, sehr lange im Voraus geplant würden, seien auch Absagen nur sehr selten vorgekommen. Ein Problem bei kurzfristigen Stornierungen sei neben der Personalplanung etwa die Verderblichkeit von bereits georderten Speisen. Um zu zeigen „wie cool Jugendherbergen heute sind“, lädt die Bad Hersfelder Einrichtung aktuell und alternativ etwa zu kulturellen Veranstaltungen ein.

Die Leiterin der Rotenburger Jugendherberge ist derzeit im Urlaub und konnte auf die Anfrage unserer Zeitung nicht reagieren. Dort kämpfe man allerdings mit den gleichen Problemen wie wohl überall.

Rainer und Sabine Reul sitzen auf einer Bank vor ihrem Schullandheim Villa Phantasia in Oberstoppel

„Einzelkämpfer“, weil nicht dem DJH angeschlossen, sind Rainer und Sabine Reul, die das Schullandheim Villa Phantasia in Haunetal-Oberstoppel betreiben. Auch oder gerade ihnen steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Kurz vor dem geplanten Ruhestand schließen die Reuls nun sogar eine drohende Insolvenz nicht aus. Rainer Reul betont aber auch: „Wir sind Kämpfer.“ Was ihn indes besonders ärgert, sind das „Hin und Her“ und die seiner Meinung nach schlechte Kommunikation in den vergangenen Wochen. „Die Unsicherheit macht einen kaputt, manches scheint nicht richtig durchdacht.“ gsk/nm Fotos: Zapf/Maaz/Archiv (Nadine Maaz)

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