Wahlkampf und Wachwechsel

Zwischen den Zeilen: Herbsttage, Tastentelefone und neue Töne

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

Mit Wahlkampf und Wachwechsel befasst sich Kai A. Struthoff in seiner Kolumne Zwischen den Zeilen.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, der Herbst steht vor der Tür. „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“, heißt es im Gedicht „Herbsttag“ von Rainer Maria Rilke. Ich muss dabei an die Menschen in Afghanistan denken, diesem wunderschönen, geschundenen Land, die auf der Flucht vor den Taliban sind.

Und an die Menschen auf Haiti, dieser bitterarmen Insel in der Karibik, die – fast unbeachtet von der Weltöffentlichkeit – schon wieder von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurden. So viele haben nun kein Haus mehr und werden wohl lange allein bleiben ...

Nicht nur der Sommer geht dem Ende zu: Die Tage der Großen Koalition in Berlin sind gezählt, der Wahlkampf hat überall begonnen und viele Polit-Größen wie Kanzlerkandidat Olaf Scholz oder Kanzleramtsminister Helge Braun beehren uns mit ihrem Besuch. In der Kreisverwaltung endet unterdessen am 31. August die Amtszeit von Landrat Dr. Michael Koch. Im Abschiedsinterview mit unserer Zeitung, das am Montag erscheint, zeigte er sich zufrieden mit seiner Amtszeit und doch auch wehmütig. Kein Wunder, er hatte ja noch viel vor.

Auf seinen Nachfolger Torsten Warnecke warten große Herausforderungen. Neben der Corona-Pandemie, die unser Kreis bislang recht glimpflich überstanden hat, steht vor allem der Radikalumbau des Klinikums auf seiner Agenda. Journalistische Nachfragen nach seinen Plänen wehrte er bislang ab. „Ich bin ja noch Landtagsabgeordneter“, sagte er nur. Aber jetzt muss er liefern.

Immerhin hat sich der bislang – offenbar gut und gern – ohne Handy lebende Warnecke jetzt ein Mobiltelefon bestellt. Ein Modell mit Tasten, wie man hört. Hauptsache, er drückt die richtigen Knöpfe für den Kreis.

In Bad Hersfeld laufen unterdessen hinter den Kulissen die Planungen für den „anderen Herbst“. Am 6. September sollen die Vorschläge des Stadtmarketings dem Magistrat vorgestellt werden. Ob sich danach tatsächlich ein Riesenrad im Schilde-Park drehen wird, hängt momentan wohl noch davon ab, ob sich ein solches Vorhaben für den Betreiber auch finanziell lohnt. Grundsätzlich wird aber auch daran gearbeitet, ebenso wie an einem „Kastanienfeuer“ für die Kinder. Aber auch hier gilt es Auflagen zu erfüllen. Allein für das Weinfest soll das vorgeschriebene Hygienekonzept so dick sein wie ein Taschenbuch.

Im Kulturausschuss hat der Vorsitzende des Arbeitskreises für Musik (AfM), Dr. Ardawan Rastan, auf Einladung des Ausschussvorsitzenden Dr. Thomas Handke den AfM und seine Arbeit vorgestellt. Während es jahrelang zwischen Theater und Oper mit Pauken und Trompeten zur Sache ging, schlug Rastan völlig neue Töne an: piano statt forte. Sehr sachlich und reflektiert dankte er den Theaterfestspielen und Intendant Joern Hinkel für die diesjährige Unterstützung bei der Operngala und warb zugleich für eine weitere Zusammenarbeit. Vielleicht gelingt ja in dieser Tonlage ein ganz neues konzertantes Zusammenspiel dieser beiden Kulturinstanzen unserer Region. Opern- und Theaterfreunde würde das sicher gleichermaßen freuen! (Kai A. Struthoff)

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