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Herr Krähe trägt Büffelhaar im Festspielstück „Volpone“

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Ein echter Hingucker: In der Maske der Bad Hersfelder Festspiele arbeiten Leiterin Ute Mai und ihr Team – hier  Marina als Model mit einem leuchtend roten Kopfputz –  auch an Perücken für die Darsteller.
Ein echter Hingucker: In der Maske der Bad Hersfelder Festspiele arbeiten Leiterin Ute Mai und ihr Team – hier Marina als Model – nicht nur am Make-up für die Darsteller, sondern zum Beispiel auch an Perücken. Dieses Exemplar aus Büffelhaar wird im Eichhof-Stück „Volpone“ Marius Marx als Herr Krähe tragen. © Nadine Meier-Maaz

In der Maske der Bad Hersfelder Festspiele arbeiten Leiterin Ute Mai und ihr Team auch an Perücken für die Darsteller. Alleine für das Eichhof-Stück Volpone müssen acht Kreationen geschaffen werden.

Bad Hersfeld – Den langen Zopf aus roten Haaren ziert eine große Schleife, in die eingedrehten Seiten und die an eine Eiswaffel erinnernde Spitze ist glitzernder Stoff eingearbeitet: Die rote Perücke, die Marius Marx als Herr Krähe im Eichhof-Stück „Volpone“ tragen wird, ist ein echter Hingucker.

Gestaltet wurde sie in der Maskenabteilung der Bad Hersfelder Festspiele, wo wie üblich lange vor der ersten Premiere fleißig gearbeitet wird. Für alle, die nicht direkt involviert sind, gilt jedoch: anfassen verboten! Da ist Ute Mai streng, schließlich soll niemand die Haarteile, Bärte und Co. verunreinigen. Seit 2017 ist Mai Chefmaskenbildnerin in Bad Hersfeld. Zwölf Mitstreiter gehören aktuell zum Team – eigentlich zu wenig, wie Mai sagt, doch wie viele andere Gewerke habe auch die Maske Probleme, Personal zu finden. Wenn die Vorarbeiten erledigt sind, hat das Team über die gesamte Saison über 400 Einsätze.

„Volpone“ ist ein Stück aus dem 17. Jahrhundert und in der Renaissance angesiedelt, Maske und Kostüm sind laut Regisseurin Christine Bossert aber ganz bewusst frei und an diverse Epochen angelehnt. Denn: „Die zentralen Themen Macht und Gier sind nach wie vor aktuell“, sagt Bossert, weshalb eben auch bei der Ausstattung auf einen klaren Zeitbezug verzichtet werde. Historische und moderne Elemente vermischen sich, sind aber nicht beliebig, wie die Regisseurin betont. Am Konzept und an der Umsetzung wird seit Wochen gemeinsam gearbeitet. Für Bühne und Kostüm ist Ulrike Reinhard verantwortlich.

Acht Perücken für acht Darsteller werden für „Volpone“ benötigt, und auch wenn nicht jedes Jahr alle Festspiel-Perücken neu angeschafft werden, fertig aus dem Schrank gezogen werden sie nicht. Exemplare aus dem Bestand werden passend zum Stück neu aufgearbeitet.

In der leuchtend roten Perücke für Herrn Krähe sind Draht, Stoff und Hanfseil verarbeitet. Etwa vier Tage lang wurde allein an ihr gearbeitet. Zwischen den Vorstellungen müssen die Perücken dann je nach Wetter und Beanspruchung getrocknet oder neu eingedreht werden.

Die Bauchhaare des Yaks sind besonders lang und weich

Manche Perücken bestehen aus Kunsthaar, andere aus Echthaar. Herr Krähes Haar stammt vom Yak. Das Büffelhaar ist etwas fester und robuster als menschliches, erklärt Ute Mai, wobei die Bauchhaare des Rinds besonders lang und weich seien. Bei guter Pflege haben die Haarteile eine sehr lange Lebensdauer, „denn Haare verwesen ja nicht“, so Mai. Mit geübten Handgriffen „schneckelt“ sie die Haare von Model Marina, die die rote Perücke gleich Probe tragen wird, damit sie später nicht darunter hevorschauen. Darüber kommt noch eine „Unterziehhaube“, die an eine Feinstrumpfhose erinnert. Dann geht es ans Make-up, wobei die letzten Details erst nach dem Aufsetzen der Perücke folgen, schließlich soll beides zusammen wirken.

Jeder Handgriff sitzt: Chefmaskenbildnerin Ute Mai bei der Arbeit.
Jeder Handgriff sitzt: Chefmaskenbildnerin Ute Mai bei der Arbeit. © Nadine Meier-Maaz

Die Perücke je nach Kopfgröße des Trägers später noch enger oder größer zu machen, sei kein Problem. „Einfach einschneiden oder eine Falte abnähen“, sagt Mai, die früher selbst im Schul- und Laientheater aktiv war, aber lieber einen Beruf hinter der Bühne gewählt hat. Vor der Maskenbildnerausbildung am Theater hat sie eine klassische Friseurausbildung absolviert, was ihr heute immer wieder zugutekomme, egal ob sie für Oper, Ballett oder das Theater arbeitet, mit Männern oder Frauen.

Fürs Make-up wird in der Maske fast ausschließlich Theaterschminke verwendet, denn es muss nicht nur drei bis vier Stunden halten, schweiß- und wasserfest sein. Es muss zudem bis in die letzte Reihe wirken, weshalb sich Mai das Ergebnis immer auch gleich schon aus der Ferne anschaut. „Das Bühnenlicht schluckt viel Farbe und Theaterschminke hat mehr Pigmente als Produkte aus Drogerie“, weiß der Profi. Make-up und Frisur für jede Rolle werden, sobald sie feststehen, fotografiert und in einer Arbeitsmappe dokumentiert. So ist gewährleistet, dass beides bei jeder Aufführung gleich aussieht, auch wenn es in der Maske mal zu kurzfristigen Personalwechseln kommt.

Von „Volpone“ wird es neben den bereits bekannten Vorstellungen noch eine Zusatzvorstellung am Nachmittag geben: Sonntag, 24. Juli, 15 Uhr, Schloss Eichhof. (Nadine Meier-Maaz)

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