So soll die fast 1200-jährige Tradition gewahrt werden

Symbolische Flamme und Videoshow: Lollsfeuer auf dem Kirchturm

Das Bild zeigt den Kirchturm, auf den Flammen und die Aufschrift „Lolls im Herzen“ projiziert sind.
+
So könnte es aussehen: Der Kirchturm soll zur Leinwand werden. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Das Lollsfeuer soll in diesem Jahr auf dem Turm der Bad Hersfelder Stadtkirche brennen und so trotz Corona weithin sichtbar an die fast 1200-jährige Tradition erinnern.

Bad Hersfeld - Außerdem soll eine Art Video-Show mit Lollsmotiven bei Dunkelheit auf die vier Kirchturmwände projiziert werden. Das Lullusfest gilt als ältestes Volksfest Deutschlands.

Wegen der Corona-Auflagen ist ein großes Volksfest in der Innenstadt derzeit nicht genehmigungsfähig. „Was wir allerdings wollen, ist ein sichtbares, besonderes Zeichen, um das Lullusfest im Herzen zu behalten – das Feuer hoch oben auf dem Kirchturm, der zugleich ein Wahrzeichen der Stadt ist“, erklärt Matthias Glotz vom Fachbereich Stadtmarketing das „alternative Lolls-Konzept“, an dem er zusammen mit Julia Scholz (Stadtmarketing), der Lullusfestkommission und anderen Lolls-Freunden seit Wochen gefeilt hat. „Die Kirche war für diese Idee sofort offen“, so Glotz.

Die Firma TNL aus Bielefeld entwickele seit vielen Jahren sogenannte 3-D-Videomappings, die sich „wie eine lebendige Hülle über eine bestehende Oberflächenstruktur legen und dem Betrachter das Gefühl einer neu erschaffenen Wirklichkeit vermitteln“. So sollen dort Filmsequenzen, der Feuermeister, der Hersfeld-Spruch und viele andere Lolls-Symbole gezeigt werden. „Es geht uns um eine Synthese der Stadtgeschichte und das Wir-Gefühl mit der zentralen Botschaft von Mut und Gottvertrauen“, erläutert Glotz. Allerdings müsse man sich etwas weiter in der Stadt verteilen, um die Video-Show richtig zu sehen. So hofft man, Menschenansammlungen zu vermeiden.

Bis zuletzt habe man geprüft, ob das Lullusfest vielleicht doch, etwa in Form eines temporären Freizeitparks hätte stattfinden können. „Aber unsere Innenstadt ist dafür einfach zu eng“, sagt Julia Scholz. Zudem wäre es schwierig gewesen, die Abstands- und Hygieneregeln zu kontrollieren. „Es ging ja nicht um das Feuer, sondern um die Menschen drumherum“, sagt Stadtsprecher Meik Ebert. „Deshalb bleibt uns nur die Symbolik und die Entscheidung für das Lullusfeuer auf dem Turm.“

Die Gasflamme wird durchgehend vom Lolls-Montag ab 18 Uhr bis zum Todestag von Lullus, am Freitag, 16. Oktober, um 1 Uhr brennen. Unterstützt wird die Umsetzung des technischen Feuers durch die TROX X-Fans GmbH.

Noch keine Angaben konnte Ebert dazu machen, ob, wo und in welcher Form Bürgermeister Thomas Fehling und Feuermeister Klaus Otto diesmal ihre Lollsreden halten werden.

Bürgermeister Fehling: „Keinen Lockdown für die Region provozieren“

Fahrgeschäfte, Budenzauber, Bierzelte und das Gedränge am Feuer sind nur die eine Seite des Lullusfests. Lolls lebt auch von dem, was „Drumherum“ passiert. Es kann daher gar nicht vermieden werden, dass sich viele Menschen auch außerhalb des Festplatzes treffen.

Selbst wenn das eigentliche Areal eingezäunt würde und nur mit Eintrittskarten betreten werden könnte, hätten sich wahrscheinlich trotzdem Menschen auf dem Linggplatz oder in der Innenstadt getroffen, um zu feiern, erläutern Matthias Glotz und Julia Scholz vom Fachbereich Stadtmarketing, die Überlegungen bei der Planung eines Alternativen Lullusfests. „Feiern zu können, darf ja nicht heißen, verantwortungslos zu werden“, sagt Glotz. Die Stadt Bad Hersfeld sei als Veranstalter des Lullusfestes aber eben nicht nur für einen eingezäunten Fest-Bereich verantwortlich, sondern auch für das, was um diesen Platz herum passiert. „Es ist nicht zu verantworten, eine Veranstaltung durchzuführen, und dann gegebenenfalls einen Lockdown für die gesamte Region zu provozieren“, verteidigt auch Bürgermeister Thomas Fehling die Entscheidung, dass das Lullusfest nicht in gewohnter Form stattfinden kann.

Vergleiche mit temporären Freizeitparks wie zum Beispiel in Kassel könnten mit dem Lullusfest nicht gezogen werden. Natürlich habe man derartige Freizeitparks in Dortmund und Düsseldorf besucht, um sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen. Die zur Verfügung stehenden Flächen seien in der Regel außerhalb der Stadt und bedeutend größer als in Bad Hersfeld. Außerdem werden diese Freizeitparks nicht annähernd so stark besucht, wie dies bei dem Lullusfest der Fall ist. „Auch rein rechtlich lässt sich das Lullusfest nicht einfach in einen Freizeitpark umwandeln. Es gab bestehende Verträge“, berichten Julia Scholz und Markus Heide vom Stadtmarketing.

Außerdem sei für die Genehmigung von Veranstaltungen mit mehr als 250 Personen das Gesundheitsamt des Landkreises verantwortlich. Diesem wurde das Konzept vorgelegt und mit Bezug auf das Verbot von Großveranstaltungen bis 31. Oktober wurde eine klare Absage erteilt. Trotzdem sollen die Bürger aus der Region Lolls feiern. Am besten allerdings in kleiner Runde daheim.

Damit das Lullusfest auch zuhause ein Hit wird, bietet der Lullusfest-Verein in der Woche vor Lolls die Möglichkeit an, sich an der Feuerstelle Leckereien, wie gebrannte Mandeln, zu kaufen. Weiterhin kann das Lollsfeuer in Form einer Kerze erworben werden. Es wird außerdem verschiedene Lolls-Pakete geben, die man für die Lollsfeier zuhause kaufen kann.

Auch die Kastanien haben eine Verwendung. Noch bis Ende Oktober läuft der Kastanien-Bastelwettbewerb für Kindergarten- und Grundschulkinder. (Kai A. Struthoff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.