Die Enttäuschung ist groß - Gesundheitsamt befürchtet Lockdown

Nach endgültiger Absage des Traditionsfests: Lolls-Fans blutet das Herz

Lullusfest 2019: Das Bild zeigt dicht gedrängte Besucher zwischen den bunten Fahrgeschäften und Buden. 
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Dicht gedrängt schieben sich die Besucher des Lullusfests mitunter über den Rummel - wie hier beim Auftakt 2019.

Mit Enttäuschung haben der Feuermeister, Vertreter des Lullusfestvereins und andere Lolls-Unterstützer auf die definitive Absage des traditionsreichen Volksfests reagiert.

Am späten Montagabend war nach der Sitzung der Lullusfest-Kommission bekanntgeworden, dass wegen der bis zum 31. Oktober verlängerten Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungen das Lullusfest nicht stattfinden kann.

„Unser gemeinsames Ziel war es immer, unser Stadtfest nicht verfrüht abzusagen, sondern Alternativen ernsthaft zu prüfen, solange dazu die Chance bestand. Dies ist nun mit der aktuellen Verlängerung der Maßnahmen des Landes Hessen nicht mehr möglich“, erklärte Bürgermeister Thomas Fehling. Das Gesundheitsamt habe das Lullusfest als nicht genehmigungsfähiges Volksfest eingestuft, weil die vorgeschriebenen Mindestabstände von 1,5 Metern und die notwendige Kontaktnachverfolgung nicht für den gesamten Innenstadtbereich gewährleistet werden könne.

„Mir blutet das Herz“, sagte Feuermeister Klaus Otto. Allerdings müsse man die Entscheidung des Gesundheitsamts akzeptieren. „Die vorgelegten Alternativkonzepte waren gut“, meint Otto und verweist auf andere Städte, in denen trotz Corona gefeiert werde. „Wir werden alles dafür tun, dass das Lullusfest nicht in Vergessenheit gerät“, so Otto. Auch Stefan Kopetschek, der Vorsitzende des Lullusfestvereins, akzeptiert nur langsam die Entscheidung. „Ich bin sehr enttäuscht und habe in der Nacht nicht viel geschlafen“, sagte er. „Wir müssen jetzt dranbleiben und versuchen, Alternativen – vor allem für das Fierche – zu finden.“

Als „Stoß mit dem Dolch mitten ins Herz“ bezeichnete Lolls-Urgestein Reinhard Rauche die Absage. Er meint, es sie nicht in ausreichendem Maß versucht worden, alternative Möglichkeiten zu prüfen. Rauche meint mit strengen Kontrollen und im Vertrauen auf die Vernunft der Bürger hätte das Fest mit einem strengen Hygienekonzept stattfinden können.

Die Stadtverantwortlichen indes verweisen darauf, dass man sich an Recht und Gesetz halten müsse.

Gesundheitsamt befürchtet Lockdown

Durch den unvermeidbaren Charakter eines Volksfestes kann laut Gesundheitsamt nicht zu 100 Prozent gewährleistet werden, dass unter anderem die Mindestabstände von 1,5 Metern eingehalten werden sowie eine umfassende Kontaktnachverfolgung von einheimischen Besuchern und externen Gästen möglich ist. Um eine hohe Zahl an Neuinfektionen und das Risiko eines Lockdowns im Landkreis zu verringern, sei eine Genehmigung aus Hygieneschutz-Aspekten nicht möglich.

Lullusfest-Kommission tagte zwei Stunden

Leicht gemacht hat sich diese Entscheidung wohl keiner: Zwei Stunden lang tagte am Montagnachmittag die Lullusfest-Kommission und prüfte etwaige Alternativkonzepte. Doch an der Absage des Lullusfests 2020 führte am Ende kein Weg vorbei.

„Ein Volksfest ist nach den geltenden Regeln nicht genehmigungsfähig“, erklärt der neue Stadtmarketingchef Mattias Glotz, der mit seinem Team bis zuletzt versucht hatte, irgendeine Form von Fest zu ermöglichen. Das Heft des Handelns sei der Stadt aber aus der Hand genommen worden, verweist Glotz auf die klaren Vorgaben des Gesundheitsamts. Ohnehin sei für die politisch Verantwortlichen wie Bürgermeister und Magistrat die Situation eine andere, als für die Leute, die einfach nur feiern wollen, sagt Glotz und verweist auf geltende Gesetze.

In Bad Hersfeld wird im Oktober das Lullusfest gefeiert.

Das unterstreicht auch Bürgermeister Fehling: „Neben der übergeordneten Genehmigungspflicht durch das Gesundheitsamt muss insbesondere gewährleistet sein, dass die Mindestabstände von 1,5 Metern sicher eingehalten werden können und die Kontaktnachverfolgung gewährleistet ist. Dies kann bei der Bedeutung, dem Einzugsgebiet und dem Charakter des Festes im Innenstadtbereich aber nicht garantiert werden, hier ist die Veranstaltung als Ganzes zu betrachten und liegt eben in der Verantwortung der Kommune“, heißt es in der Pressemitteilung des Bürgermeisters.

Trotz der Absage prüft der Fachbereich Stadtmarketing, das „Fierche“ auch in diesem Jahr mit einigen neuen Ideen am Leben zu erhalten. „Natürlich gelten auch hier die Corona-Abstandsregeln – deswegen werden wir hier ganz neue Wege gehen müssen. Aber diese sind spannend und sollen die Tradition aufrechthalten“, so Matthias Glotz und das Team vom Stadtmarketing. Er kündigte Gespräche mit dem Lullusfestverein in der kommenden Woche an. „Diesmal müssen wir das Lullusfest anders begehen“, sagt Glotz.

Offenbar wird hinter den Kulissen überlegt, mit Lichtprojektionen und Wettbewerben für Kinder, die Lullusstimmung aufrechtzuerhalten. Auch Stefan Kopetschek vom Lullusfestverein hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben und kündigt an mit Hochdruck in die Gespräche über die Gestaltung der diesjährigen Lolls-Woche gehen zu wollen.

Schaustellerpfarrer Volker Drewes plädiert ebenfalls dafür, trotz Absage über den Inhalt des Festes nachdenken und Gedenkfeiern zu organisieren. Die Reaktionen der Schausteller reichten laut Drewes von tiefer Trauer bis zu Aussagen wie „die Hoffnung stirbt zuletzt und jetzt ist sie gestorben“, berichtet Drewes.

Es gebe aber auch Realisten, die inzwischen zu Schwarzsehern werden. Die Reisesaison hätten die meisten Schaustellerbetriebe schon abgehakt. Wenn jetzt auch noch die Weihnachtsmärkte wegbrechen, würden das vermutlich viele Unternehmen nicht überleben.

Der Schaustellerpfarrer sagt: „Ich habe es in der Tat mit einer todkranken Branche zu tun. Da hilft wirklich nur noch beten.“ (kai)

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