Zahl der Straftaten rückläufig

Hersfelder Polizeichef: Video-Überwachung einzig am Bahnhof sinnvoll 

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Nicht schön, aber sicher: In der Fußgängerunterführung der Hochbrücke in Bad Hersfeld wurde 2017 und 2018 nur jeweils eine Straftat begangen. Eine Videoüberwachung kommt schon deshalb nicht in Frage. 

Zahlen und Fakten statt Bauchgefühl: Martin Nickl, Leiter der Polizeidirektion Bad Hersfeld, hat Hintergrundwissen für die Diskussion um Video-Überwachung in Hersfeld geliefert.

Mit einem Vortrag vor dem Haupt- und Finanzausschuss der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung entkräftete Martin Nickl, Leiter der örtlichen Polizeidirektion, die weitverbreitete Annahme, in der Stadt gebe es im öffentlichen Raum Kriminalitätsschwerpunkte, die die Sicherheit der Bevölkerung in Frage stellen.

Nickl lieferte damit den Hintergrund zu einem Antrag der CDU-Fraktion, die bestimmte Bereiche durch Videoüberwachung entschärfen wollte. Doch selbst die vermeintlich kritische Unterführung unter der Hochbrücke taugt nicht als Negativbeispiel: In den beiden vergangenen Jahren wurde hier nur jeweils eine einzige Straftat registriert. Untersucht hat die Polizei die von der CDU benannten Bereiche am Bahnhof mit Dudenstraße, am Stadthaus und eben am Peterstor.

Martin Nickl, Leiter der Polizeidirektion Bad Hersfeld

Das Ergebnis: rückläufige Zahlen (66 Straftaten 2017, 57 im vergangenen Jahr), Häufungen am Bahnhof und in der „Trinker-Szene“ gegenüber der City Galerie, aber nur zwei beziehungsweise eine Raubtat, lediglich einmal sexuelle Gewalt und in diesen Bereichen kein einziger Taschendiebstahl.

Schon aus Datenschutzgründen würde angesichts dieser Zahlen eine Videoüberwachung in der Hochbrücken-Unterführung niemals genehmigt, machte Nickl deutlich, der auch kurz auf die gesetzlichen Grundlagen und die Verhältnismäßigkeit eingegangen war. So wäre eine Überwachung des Stadthausbereichs nur durch eine Vielzahl vom Kameras möglich.

Nickl wies auch darauf hin, dass einfache bauliche Maßnahmen mitunter schon ausreichend seien: Bessere Beleuchtung wie am Kirchplatz, die Demontage einer missbrauchten Sitzgelegenheit oder eine veränderte Pflasterung könnten zwielichtigen Gestalten den Aufenthalt vermiesen.

Eine Videoüberwachung hielt er alleine im Bahnhofsbereich für möglicherweise sinnvoll. Hier hat die Stadt in der Unterführung zu den Gleisen bereits Kameras installiert.

Obwohl die Fakten ein gestörtes Sicherheitsempfinden nicht stützen, wollte Erster Stadtrat Gunter Grimm die Problematik auch mit dem Blick auf Polemik vom rechten Rand ernst nehmen. Auch CDU-Fraktionschef Andreas Rey sah als Antragsteller die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit, wollte das Thema jedoch nicht einfach fallen lassen. Bernd Wennemuth (SPD) sah in großflächiger Überwachung einen massiven Eingriff in die Bürgerrechte.

Gleichwohl verständigte sich der Ausschuss darauf, dass sich die Fraktionen vor einem Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag noch einmal beraten. Im Ältestenrat, der am Vorabend der Sitzung tagt, soll dann möglichst ein gemeinsames Vorgehen vereinbart werden.

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