Was macht eigentlich...?

Hersfelds Ex-Sportmanager Kaufmann: Handball braucht derzeit keine Wettkämpfe

Philipp Kaufmann, Ex-Handballer und Manager des TV Hersfeld, bei einem Handballspiel.
+
Da war er noch am Ball: Philipp Kaufmann, Ex-Handballer und Manager des TV Hersfeld in jüngeren Jahren. Heute leitet der 42-Jährige ein City Center in der Oberpfalz.

Philipp Kaufmann war Regionalliga-Handballer, Manager und kurzzeitig auch Spielertrainer des TV Hersfeld. Seit 2013 lebt er in der Oberpfalz. Ein Interview - nicht nur über Sport.

Bad Hersfeld/Weiden – Wir haben mit dem 42-Jährigen, der im oberpfälzischen Weiden Manager eines City Centers ist, über die anstehende Handball-WM, die katastrophale Finanzlage im Amateursport und Kontakte in die alte Heimat Bad Hersfeld gesprochen.

...und so sieht Philipp Kaufmann heute aus.
Herr Kaufmann, die wichtigste Frage zu Beginn: Wie geht es Ihnen in dieser schwer zu greifenden, schwierigen Zeit?
Mir geht es gut, ich bin gesund, meinem Umfeld geht es auch gut, somit kann ich mich nicht beklagen. Wie es wirtschaftlich, gerade im Einzelhandel weitergeht, werden wir Mitte 2021 sehen, ich befürchte, dass wir einige Unternehmer, Gastronomen und Händler leider verlieren werden und das durch teilweise unverhältnismäßige und fragwürdige Maßnahmen. Man wusste, dass eine zweite Welle kommen wird - gerade im Herbst und Winter ist das sicher keine Überraschung gewesen - ich möchte nicht die Verantwortung der Politiker haben, aber es war genug Zeit, um sich besser und anders auf die jetzige Situation vorzubereiten.
Sie leben seit einigen Jahren in Weiden in der Oberpfalz. Besteht noch Kontakt zur Heimat?
Natürlich. Meine Eltern leben da, meine „griechische Naxos-Familie“ und natürlich zu Robert Nolte, Achim Kniese und Udo Jung habe ich regelmäßig und engen Kontakt. Mit einigen anderen stehe ich auch regelmäßig im Austausch.
Philipp Kaufmann verbindet man seit jeher mit dem Handball. Wieso haben Sie sich in Weiden im Fußball als Sportvorstand in der Bayernliga engagiert?
Tja, die Frage stellt man sich dann später auch. Ich hatte Kontakte ins Vereinsumfeld und dann hat man mich gefragt, ob ich Lust hätte. Es war eine sehr spannende Zeit mit negativen sowohl auch positiven Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.
Mitte 2018 sind Sie dann ausgeschieden - warum?
Wir sind mit 40 Punkten aus der Bayernliga abgestiegen, die zweite Mannschaft, die wir zu 90 Prozent aus A-Jugendlichen aus dem Nachwuchsleistungszentrum aufgestellt hatten, hat im dritten Relegationsspiel im Elfmeterschießen den Aufstieg in die Bezirksliga verpasst - das Vereinsumfeld war unzufrieden und somit bin ich dann bei der nächsten Wahl - entlastet - nicht mehr angetreten.
Haben Sie nach wie vor Kontakte in die sportliche Szene - und gibt es vielleicht sogar schon Pläne für ein neues Projekt?
Ich bin da völlig raus, schaue mir auch keine Spiele mehr an. Wenn ich Spieler treffe, ist das ein herzliches Wiedersehen, aber ansonsten gibt es da nichts, was mich reizen würde.
Schwenken wir nach Bad Hersfeld: Werner Hampe und Karl-Heinz Hüter vom TV Hersfeld beklagten in einem Interview unserer Zeitung kürzlich die (finanziell) katastrophale Lage für den Amateursport beziehungsweise den Handball im Speziellen. Wie sehen Sie als Insider der Sportszene die Zukunft?
Ich kann die beiden absolut verstehen, das ist eine Katastrophe. Das trifft aber alle Amateurbereiche in jeder Sportart, deutschlandweit. Du stehst als Verantwortlicher immer mit einem Fuß im Gefängnis, hast schlaflose Nächte, wenn du am anderen Tag Löhne/Gehälter zahlen sollst und das Konto leer ist. Hier hat die Politik seit Jahren keine vernünftigen Ansätze gebracht, wie man das steuerlich einfach und sauber hinbekommen kann. Eine „Freigrenze“ bis zu 600 oder 800 Euro für Sportler z.B. bei den meisten geht das Geld für Fahrerei drauf, Studenten die zwei- bis dreimal die Woche ins Training fahren und dann noch zum Spiel, da bleibt nicht viel hängen. Auf der anderen Seite hast du dann Dorfvereine bei denen ein Mäzen das Sagen hat und da werden dann Briefumschläge in die Hand gedrückt - das passt alles nicht!
Am 14. Januar soll die Handball-WM in Ägypten beginnen. Wie stehen Sie dazu?
Absoluter Wahnsinn und Schwachsinn - das ist unverantwortlich gegenüber der gesamten Welt. Ich hoffe, dass die Spieler sich organisieren und sich gemeinsam dagegen positionieren, so wie die Kieler Spieler das schon gemacht haben.
Braucht der Handball in dieser Zeit diese WM?
Weder der Handball, noch der Fußball, noch irgendeine andere Mannschaftssportart braucht irgendwelche Wettkämpfe! Was sind denn Wettkämpfe ohne Zuschauer und Fans wert? Wo kann ich die Emotionen ausleben, die den Sport so attraktiv machen? Also NEIN!
Noch eine persönliche Frage, Herr Kaufmann: Haben Sie ein Motto, das Sie und Ihre Lieben in der Zeit der Pandemie beherzigen?
Jede Krise ist auch eine Chance, du selber bist für dich verantwortlich. Natürlich halten wir uns an die Regeln, auch wenn durch Maske tragen so viel positive Interaktion verloren geht.
Und zum Abschluss: Wann sehen wir Sie wieder einmal in der Heimat?
Ich hätte gerne ein paar Kastanien ins Lollsfeuer geworfen, auch hier kann ich die Entscheider nicht wirklich verstehen, es gab eine Menge gute Ideen, vor allem vom Lollsverein - man hätte hier sicherlich was Tolles und Sicheres gestalten können, aber wir kennen ja seit Jahren nichts anderes, und Hersfeld hat leider an Attraktivität und Vitalität verloren. Ich hoffe, dass wir uns spätestens Lolls 2021 dann am Feuer auf einen Schoppen wieder sehen.

(Sascha Herrmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.