SMOG-Elternschule gibt es seit zehn Jahren

Hilfe für Eltern im Kreis: Erziehung kann man lernen

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SMOG-Elternschule in der Dippelmühle mit Claudia Fink (vorne, mitte), einigen Eltern und dem SMOG-Vorsitzenden Erwin Maisch (rechts).

Bad Hersfeld. Die Elternschule des Vereins SMOG gibt es seit zehn Jahren. Sie soll dazu beitragen, den Familienalltag harmonischer zu gestalten. Eine Bilanz in Bad Hersfeld.

Kinder zu erziehen ist gar nicht so einfach. Selbst bei besten Absichten geraten Eltern oft an ihre Grenzen. Die Methoden der eigenen Eltern und Großeltern sind nur bedingt tauglich für eine zeitgemäße Erziehung, die Kinder liebevoll unterstützen, fördern und fordern und hilfreiche Grenzen setzen soll.

„Für alles gibt es eine Ausbildung, nur fürs Elternsein nicht“, stellte schon vor Jahren Erwin Maisch, der Vorsitzende des Vereins SMOG (Schule machen ohne Gewalt) fest. Deshalb rief der Verein vor zehn Jahren eine Elternschule ins Leben.

33 Referenten haben seitdem pro Jahr etwa 600 Mütter und Väter mit Informationen und Erfahrungen versorgt, mit deren Hilfe der Familienalltag friedlicher und harmonischer verlaufen soll.

„Eltern können neue Wege entdecken, mit ihren Kindern umzugehen“, erläutert Claudia Fink, die gerade ihre 15. Elternschule in Bad Hersfeld beendet hat.

Zunächst einmal beschreiben die Eltern ihre Situation, benennen Probleme und ihre Reaktionen darauf. Sie setzen sich mit ihrer Rolle als Eltern auseinander, versetzen sich aber auch in die Position des Kindes, erinnern sich an ihre eigene Kindheit. So können sie auch die Gefühle des Kindes besser nachvollziehen. „Eltern sollen spüren, wie sie auf Kinder wirken“, sagt Claudia Fink.

An sechs Abenden geht es jeweils drei Stunden lang um die grundlegenden Themen des Familienlebens: Um die Art, wie in der Familie miteinander gesprochen wird und welche Botschaften auch unausgesprochen vermittelt werden, um die Beziehungen von Kindern untereinander, um den Umgang mit Konflikten, um Rollen, die Kinder spielen und schließlich auch um Medienkompetenz, also einen sinnvollen Umgang mit Handy, Fernseher, Playstation und Co.

In den Kursen, die in ganz Osthessen angeboten werden und für Eltern kostenfrei sind, entwickelt sich meist schnell ein vertrauensvolles Verhältnis. „Hier geht nichts raus, wir reden miteinander, aber nicht übereinander“, ist eine der Grundregeln.

„Es ist schön zu hören, dass es anderen Eltern auch so geht“, sagt eine Mutter. Denn die wenigsten Eltern reden offen darüber, wenn sie Probleme haben, obwohl es diese Probleme in fast allen Familien gibt.

„Der Druck in der Familie wird durch die Elternschule enorm rausgenommen“, erzählt eine andere Mutter. „Wir gehen jetzt viel ruhiger und gelassener miteinander um.“ Sie besucht die Elternschule schon zum zweiten Mal, diesmal mit ihrem Mann.

Und eine andere Mutter sagt erleichtert: „Endlich haben wir keinen Krieg mehr mit unserem Kind!“

Nächster Termin im Herbst.

Die nächste Elternschule findet im Herbst in der Dippelmühle statt. Die ersten Teilnehmer haben sich bereits angemeldet (Telefon 06621/4096615). SMOG bietet Elternschulen aber auf Wunsch an Schulen und Kindergärten an, wenn sich mindestens zwölf Teilnehmer zusammenfinden (Kontakt:c.fink68@gmx.net). Unterstützt wird die Elternschule von Jollydent, einem Förderverein von Zahnärzten.

Grundlage ist das MonteBaRo-System

Das Programm für die SMOG-Elternschule wurde von der Diplom-Pädagogin Andrea Stephan entwickelt. Sie nutzt dafür als Grundlage das MonteBaRo-Erziehungsprogramm, das auf den Lehren der Montessori-Pädagogik, der Lerntheorie von Albert Bandura und den Kommunikationsprinzipien von Carl Rogers beruht. Maria Montessori entwickelte ein reformpädagogisches Bildungskonzept, das sich unmittelbar am Kind orientiert und dessen Bedürfnisse berücksichtigt. Das Kind wird als Persönlichkeit geachtet und dabei gefördert, eigene Entscheidungen zu treffen und selbstständig zu denken. Die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura geht davon aus, dass Kinder über Vorbilder und Nachahmung lernen. Der Mensch wird als aktiver Lerner gesehen, der sich bewusst mit seiner Umwelt auseinandersetzt. Achtung, Wärme und Rücksichtnahme sind wesentliche Bestandteile der humanistischen Erziehungspsychologie von Carl Rogers. Er setzt auf Aufrichtigkeit, einfühlendes Verstehen und wertschätzende Kommunikation, die die Bedürfnisse des anderen achtet.

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