Stimmen und Stimmungen rund um die Premiere gesammelt von Kai A. Struthoff

Am Rande der Festspiele: In der Hitze der Nacht

Sammelte Stimmen bei der Premieren-Party: HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, hier im Gespräch mit TV-Tierärztin Elisabeth Lanz.

Bad Hersfeld. Ein „heller Stern“ am Himmel der Kultur waren unsere Festspiele schon immer, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier in seiner Begrüßungsrede. Doch in diesem Jahr leuchtete er noch sehr viel strahlender als sonst. Ein neuer Abschnitt des Festspiel-Zaubers hat unter Intendant Dieter Wedel begonnen.

Der rote Teppich war die augenfälligste Neuerung des Premierentages. Gewiss, bei den Promis ist künftig sicher noch Luft nach oben, aber die Hersfelder Zaungäste vorm Ruinentor kamen bei Ottfried Fischer, Emanuela von Frankenberg, Elisabeth Lanz, Jan Hofer, Cherno Jobatey, Markus Schächter, Peter Weck und Co. durchaus auf ihre Kosten – auch wenn einige „Prominente“ erst per Spickzettel identifiziert werden mussten. Dazu ein wenig Lästern über die Garderoben, ein wenig Staunen über himmelhohe Absätze und jede Menge Selfies mit Stars – ein Hauch von Hollywood in Waldhessen. Das hat gefehlt. Mehr davon!

Gänzlich hüllenlos ohne Dach präsentierte sich unsere Ruine – der Wettergott ist ein Festspielfan! Für die Paparazzi eine tolle Kulisse. Ihre Fotos von Stars und Sternchen schmücken hoffentlich bald möglichst viele bunte Blätter und künden von neuem Glanz der Bad Hersfelder Festspiele. Das tut uns gut!

Ungewohnt war die Pause. Dank luftiger Stuhlreihen funktionierte der Auszug der Premierengäste auch reibungslos. Aber eine halbe Stunde war dann doch etwas kurz. Obwohl sich die fleißigen Zapfer redlich mühten, ging die meiste Pausenzeit beim Schlangestehen drauf. Hier kann sicher noch optimiert werden. Aber der Ansatz stimmt!

Ungewohnt, und für Theater-Puristen eigentlich ein No-Go ist der flächendeckende Einsatz der Mikroports. Die Zuschauer in den hinteren Reihen werden trotzdem dankbar sein, dass sie nun alles hören, wenngleich die Modulation mancher Stimme dabei elektronisch abgeschliffen wird. Unschön das Knarzen und Knirschen im System – hier muss noch nachgesteuert werden! Dafür funktionierte der neue (Tri-)Bühnenbau. Zum Greifen nah die Schauspieler, viel Beinfreiheit für die Zuschauer und eine fast intime Atmosphäre. Das Mehr an Komfort tut gut!

Einfach berauschend war dann die Premierenfeier im Park. Schöner geht’s nicht. Das fantastische Buffet und das umsichtige Catering der Firma Bücking fand bei allen Gästen großen Anklang und wurde viel gelobt. Wein und Bier flossen in dieser heißen Nacht in Strömen. Fast schon methaphorisch war die Stiftsruine aus Eis, die das Buffet verschönerte. Vergessen ist der Streit vom Vorjahr. Das Ruinen-Eis schmolz dahin und symbolisierte: Die Eiszeit von einst ist endgültig vorbei!

Den Hersfelder Premierengästen schien die neue Form der Festspiel-Eröffnung zu gefallen. Den früheren, manchmal arg steifen Festakt schien niemand zu vermissen. Die lockere und kompakte Begrüßung durch den gut aufgelegten Bürgermeister Thomas Fehling, den nach eigenem Bekunden sehr aufgeregten Intendanten Dieter Wedel und dem landesväterlichen Volker Bouffier kam allseit gut an. Nachts mischten sich die Hersfelder Festspielveteranen mit all den neuen Gesichtern. Die Sparkassenvorstände Reinhard Faulstich und Gerhard Hess, Regionalmanager Holger Schach. Polizeichef Klaus Wittich, Juwelier Matthias Laufer-Klitsch, GSO-Schulleiterin Kerstin Schmidt, Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt mit Gattin Elke – und viele, viele mehr genossen die warme Sommernacht. Zauberhaft!

Und der Intendant? Bei der Premierenparty war Dieter Wedel die Erleichterung anzumerken – obwohl nicht alles so geklappt hat wie er es sich gewünscht hat. Er selbst würde seiner Inzenierung ein 7 bis 8 auf der Zehnerskala des Wedelschen Perfektionismus geben, die Premierenfeier erhält sogar eine 8,5. Der neue Abschnitt in der Geschichte der Bad Hersfelder Festspiel hat also gut begonnen, aber Steigerungen sind noch drin. Wir freuen uns darauf!

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