Die Obersberg-Chöre und das Blechbläser-Ensemble unter Leitung von Ulli Meiß rockten die Ruine

Abschluss-Konzert: An drei Tagen wie diesen

Einfach toll: Marisa Linß bei „Skyfall“.

Bad Hersfeld. Was haben Kettensägen mit der Liebe zu tun? Nun, auf den ersten Blick recht wenig, außer dass beide zuweilen auch wehtun können. Dass diese höchst gegensätzlichen Dinge sehr vergnüglich kombiniert werden können, das bewiesen der Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg sowie das Blechbläser-Ensemble von MSO, GSO und Konrad Duden-Schule in der Stiftsruine.

„Sie werden hier viel Neues von der Liebe erfahren“, versprach daher auch Chorleiter Ulli Meiß den Besuchern der drei Festspiel-Abschlusskonzerte, nachdem sich ihre erste Gänsehaut von der ergreifenden Eröffnung gelegt hatte. Dabei hatten zu dem Lied „The Hanging Tree“ aus den Tributen von Panem die 115 jungen Sängerinnen und Sänger in der ganzen Ruine verteilt eine Art stimmlichen Dolby-Surround-Effekt erzielt.

115 Sänger und 40 Bläser begeisterten beim Festspiel-Abschluss-Konzert in der Stiftsruine. Das Bild zeigt vorn Tatjana Beyer und Matheus Drzewiecki beim „Liebesduett mit Allergie“.

Auch für die weiteren Stücke, die von deutschen Klassiker wie der „Rosmarinheide“ und der „Schönen blauen Donau“ über russische Melodien oder feurige spanische Klänge reichten, mussten die Musiker nicht nur ihre Stimmbänder, sondern oft auch die Beine bewegen. Immer wieder wurde die ganze Ruine in die Arrangements mit einbezogen. Besonders beeindruckend waren dabei das achtstimmig vorgetragene „Zum Tanze geht da ein Mädel“ und „Als wir jüngst in Regensburg waren“, das sogar zehnstimmig gesungen wurde.

Um derartige musikalische Höchstleistungen zu vollbringen, hatten die Schüler und ihre Lehrer einen Gutteil der Ferien im Probenraum verbracht – ein Aufwand, der sich gelohnt hatte.

Damit aber nicht genug: Denn auch vergnügliche Schauspiel-Einlagen bereicherten das Konzert. So etwa im Liebesduett von Tatjana Beyer und Matheus Drzewiecki auf der Parkbank unterm Birkenbaum, bei dem sie ihm ihre Liebe gesteht, während er mit seiner Pollenallergie kämpft.

Originell auch die im Barber-Shop-Stil vorgetragene Geschichte „Ich fahr mit meiner Klara in die Sahara“ bei der Jan Braun, Matheus Drzewiecki, Martin Gellert und Sven Heidler überlegen, wie sie ihre Frau loswerden können.

Er hatte wie immer alle bestens unter Kontrolle: Chorleiter Ulli Meiß.

Im zweiten Teil wurde die Musikauswahl dann jünger und rockiger mit den Toten Hosen und ihren „Tagen wie diesen“, Aviciis „Wake me up“ oder „Applaus“ von den Sportfreunden Stiller. Dabei begeisterten dabei Solistinnen wie Jaqueline Hartwig, Karen Eidam, Judith Eisel und „Teufelsgeigerin“ Anastasia Boksgorn. Besonders gefiel immer wieder auch Marisa Linß, die zuletzt Adeles James-Bond-Song „Skyfall“ zu stimmlich ungeahnten Höhen führte.

Tja, und was war nun mit den Kettensägen? Sie kamen in einem furiosen Finale bei Björn Diehls und Kai Stiebelings äußerst eigenwilliger und saukomischer Interpretation von „Mackie Messer“ zum Einsatz und bewiesen, dass Motorsägen nicht nur Krach, sondern auch Musik machen können. Stehende Ovationen und langanhaltender Beifall waren der verdiente Dank an die jungen Musiker, die in den kommenden Wochen auf eine Konzertreise durch Kanada gehen.

Ein wenig neidisch freuen wir Zurückbleibenden uns wie die Toten Hosen über drei Konzert-Tage wie diese!

Abschlusskonzert in der Stiftsruine

Von Kai A. Struthoff

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