„Zielkonflikt“ bei der Planung

Hochwasserschutz treibt Bürger, Politiker und Verwaltung auch in Bad Hersfeld um

Der Geisbach wurde im Schildepark in Bad Hersfeld bereits vor einigen Jahren freigelegt und aufgeweitet.  Im Hintergrund die Schildehalle.
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Hochwasserschutz: Mit der Umgestaltung des Schilde-Areals und der Freilegung der Geis wurden dort schon vor Jahren einige Maßnahmen umgesetzt. Schwierig gestaltet sich indes die Planung von Rückhaltebecken in Bad Hersfeld und Neuenstein.

Das Thema Hochwasserschutz ist in Bad Hersfeld kein neues, treibt viele nach der verheerenden Flutkatastrophe in Teilen Deutschlands aber besonders um. Jetzt befasst sich die Stadtpolitik damit.

Bad Hersfeld - Um die Situation speziell im Geistal ging es nun auch im Ausschuss für Stadtplanung, Umwelt und Klima. Für die Mitglieder fasste Fachbereichsleiter Martin Bode (Technische Dienste) die bereits umgesetzten Maßnahmen und die aktuellen Planungen kurz zusammen, wobei deutlich wurde: Die Stadt und auch die Gemeinde Neuenstein sind dran, einfache und schnelle Lösungen scheint es gerade beim Bau von Rückhaltebecken jedoch nicht zu geben.

Mit der Umgestaltung des Schilde-Areals und der Freilegung der Geis wurden dort zwischen 2009 und 2013 diverse Maßnahmen umgesetzt: Dazu zählen laut Bode, den das Thema nicht erst seit den jüngste Ereignissen beschäftigt, etwa die Hochwasserschutzmauer bei der Schildehalle und eine neue Deckenplatte am Durchgang beim „wortreich“. Bis 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bliebe die Innenstadt schadfrei, darüber seien Überflutungen durchaus möglich, so Bode.

Wesentlich schwieriger in der Umsetzung sei indes der Bau von Hochwasserrückhaltebecken. Diese könnten natürlich nur an bestimmten Stellen überhaupt gebaut werden, dort drohen dann aber mitunter „langwierige Diskussionen und Zielkonflikte“, wie Bode erläuterte.

Martin Bode

Grundsätzlich geeignete Standorte befänden sich in Bad Hersfeld gegenüber der Zufahrt Heenes bei der Glimmesmühle sowie im Bereich Gittersdorf/Untergeis (Neuenstein). Beide liegen jedoch im Trinkwasserschutzgebiet, und im Falle von Hochwasser würden Verunreinigungen befürchtet. Für Kathus war kürzlich bereits der Bau eines solchen Beckens wegen hydrogeologischer Bedenken des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zurückgestellt worden.

Alternativ kleinere Becken an anderen Stellen anzulegen wäre nicht nur teurer, sondern auch weniger effektiv. Besser ist laut Bode eine „große Lösung“. Ende September soll es nun ein Treffen mit Vertretern des Regierungspräsidiums, des HLNUG, aus Neuenstein und Bad Hersfeld geben, um das Thema noch mal „abzuklopfen“. Angedacht ist laut Bode zudem die Installation von digitalen Regenmessern an sensiblen Stellen zum Beispiel in Aua, die Voralarm auslösen, wenn das Wasser bedrohlich steigt. So könnten die Bürger, aber auch Feuerwehr und Technisches Hilfswerk vorgewarnt werden.

Denn: „Wenn erst in der Situation gehandelt wird, ist es zu spät.“ In diesem Sinne sollen auch Bürger und Unternehmen aus möglichen Überflutungsgebieten stärker sensibilisiert werden, die zum Beispiel mit Schutzeinrichtungen für Kellerfenster Vorkehrungen treffen könnten. Auch bei Neubauten sollten entsprechende Maßnahmen möglichst von vornherein bedacht werden. Vieles laufe öffentlich unbemerkt, aber „wir sind dran“, so Bode.

Was gilt für den Katastrophenfall?

Um das Thema Hochwasserschutz drehte sich im Stadtplanungsausschuss auch ein Antrag der SPD-Fraktion unter dem Titel „Katastrophenfall und Netzausfallplanung“, für den alle Mitglieder die Hand hoben. Mit dem Antrag wird der Magistrat gebeten, diverse Fragen zum Thema zu beantworten und die Antworten der Stadtverordnetenversammlung vorzulegen. Unter anderem interessiert sich die SPD für mögliche Katastropheneinsatzpläne und die Zuständigkeit im Ernstfall, wenn keine Verbindung zur Behörde beim Landkreis bestünde. Grundsätzlich ist der Katastrophenschutz beim Kreises angesiedelt.

Weiterhin soll geklärt werden, welche Vorkehrungen und Möglichkeiten es bei längerfristigen Netzausfällen beziehungsweise Ausfällen bei der Energie-, Wasser-, Gesundheits- oder Lebensmittelversorgung gibt, wie die Koordination von Hilfsorganisationen, Stadtwerken, Abwasserbetrieb und Stadtverwaltung geregelt ist und welches Kommunikationskonzept mit Blick auf die Bürger für den Notfall besteht. „Wir sind an dem Thema dran und tragen Informationen zusammen. Es gibt Überlegungen, auch gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut“, so Bürgermeister Thomas Fehling in einer ersten Stellungnahme. Er gestand aber auch offen, dass man aktuell im Katastrophenfall wohl nicht souverän handeln könne. (Nadine Meier-Maaz)

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