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Forstämter erwarten einen Boom beim Brennholz

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Wärmt mehrfach: Brennholz ist auch preislich eine Alternative zu fossilen Brennstoffen, macht jedoch, wenn es selbst aufgearbeitet wird, auch jede Menge Arbeit.
Wärmt mehrfach: Brennholz ist auch preislich eine Alternative zu fossilen Brennstoffen, macht jedoch, wenn es selbst aufgearbeitet wird, auch jede Menge Arbeit. © Rolf Haid/dpa

Die Forstämter im Landkreis Hersfeld-Rotenburg rechnen durch den starken Anstieg der Gas- und Heizölpreise mit einer größeren Nachfrage nach Brennholz.

Hersfeld-Rotenburg - „Wir merken, dass sich die Bevölkerung verstärkt Gedanken um die Energieversorgung macht“, sagt der Leiter des Forstamts Rotenburg, Dr. Hans-Werner Führer. In den vergangenen Tagen seien mehrere Brennholz-Nachfragen eingegangen, wenngleich noch auf niedrigen Niveau. Allerdings habe das Forstamt das über den Winter eingeschlagene Kontingent bereits komplett vermarktet und zugeteilt. Neues Brennholz könne damit erst wieder ab November angeboten werden. Sofern das aktuelle Preisniveau der fossilen Energieträger bis dahin anhält, erwartet der Forstamtsleiter für die kommende Saison entsprechend größere Bestellmengen. Gefragt sei in der Region überwiegend Laubholz, vor allem Buche. Ein Raummeter davon entspricht dem Heizwert von etwa 200 Litern Heizöl.

Bislang habe das Forstamt Rotenburg die Brennholznachfrage weitgehend decken können. Allerdings lasse sich die jährlich eingeschlagene Laubholzmenge mit Blick auf Nachhaltigkeitsaspekte kaum steigern. „Wenn die Nachfrage größer wird, könnte es eng werden“, merkt der Forstamtsleiter an und schließt nicht aus, dass dann auch die Preise steigen. Aktuell gibt Hessen Forst an den Weg gerücktes Buchenholz für 62 Euro pro Festmeter ab.

„Meine Kollegen melden eine erhöhte Nachfrage“, berichtet auch Kersten Eidam, Bereichsleiter für Dienstleistung und Hoheit beim Forstamt Bad Hersfeld. In den zurückliegenden Tagen seien verstärkt Anrufe eingegangen, ob kurzfristig noch kleinere aber auch größere Brennholzmengen von bis zu 20 Festmetern verfügbar seien. Inzwischen sei jedoch auch das Kontingent des Bad Hersfelder Forstamts ausgeschöpft, sodass Selbstwerber sich bis zum kommenden Herbst gedulden müssten. „Buche ist allerdings auch dann nicht unbegrenzt verfügbar“, merkt Eidam an und rät deshalb zu anderen Baumarten, die ebenfalls gut zum Heizen geeignet seien

Holz kann auch online bestellt werden

Brennholz-Bestellungen werden in beiden Forstämtern über ein Online-Formular im Internet abgewickelt. Kunden wählen dort das jeweilige Forstrevier sowie die verfügbaren Holzarten und -mengen aus und erhalten nach der Bestellung mit der Rechnung einen Lageplan. Wer sein Brennholz vor dem Abtransport im Wald zersägen will, muss über die vorgeschriebenen Schutzausrüstung verfügen und dem Forstamt einen Motorsägenschein vorlegen. 

Nicht nur Buchenholz wärmt die gute Stube

Ihren Ofen oder Kamin heizen viele Waldhessen am liebsten mit Buchenholz. Das ist allerdings nicht immer und überall verfügbar.
Denn auch einige Buchenbestände hätten durch die Trockenheit der vergangenen Jahre Schäden aufgewiesen – wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß als bei den Fichten, erklärt der Rotenburger Forstamtsleiter Dr. Hans-Werner Führer. Einschränkungen gebe es aber auch durch Naturschutzvorgaben: Da über 100 Jahre alte Buchen vielerorts als Lebensraum erhalten werden sollen, stehe deren Holz nicht mehr zum Möbelbau oder als Brennstoff zur Verfügung.

Andere Baumarten seien jedoch eine gute und zudem günstigere Alternative, betont der Forstbeamte. So liefere auch die Eiche ein hochwertiges Brennholz, das sich allerdings etwas schlechter spalten und sägen lasse. Häufig unterschätzt werde die Birke, deren Heizwert aber durchaus mit der Buche vergleichbar sei und die sich problemlos ofengerecht weiterverarbeiten lasse. In Skandinavien werde das Holz mit der hellen Rinde deshalb als Brennstoff sehr geschätzt. Es falle auch in der Region regelmäßig bei Durchforstungen an und werde an Brennholzkunden abgegeben.

Nadelhölzer wie Fichte und Kiefer eignen sich laut Führer ebenfalls gut zum Heizen. Es sei in Gegenden mit geringerem Laubbaumanteil als Brennstoff durchaus verbreitet. Um das durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall angefallene Schadholz zu vermarkten, sei im Forstamt Rotenburg in den vergangenen Jahren zwischenzeitlich bei Brennholzbestellungen eine Mindestquote von zehn Prozent Fichtenholz festgesetzt worden, berichtet Dr. Hans-Werner Führer.

„Nadelholz wie Fichte und Kiefer ist nicht nur in größeren Mengen verfügbar, sondern auch günstiger zu bekommen“, bestätigt auch Kersten Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld. Während Hessen Forst den Festmeter Buchenholz für 62 Euro anbietet, kostet der Festmeter Birke nur 55 Euro, Fichte oder Kiefer hingegen nur 30 Euro. Durch seine geringere Dichte brenne Fichten- oder Kiefernholz bei gleicher Größe jedoch schneller ab und müsse häufiger nachgelegt werden. Es habe bei gleichem Gewicht durch sein höheres Volumen etwas mehr Energie gespeichert als Buche oder Eiche. Das im Nadelholz enthaltene Harz verursacht beim Verbrennen aber Funkenflug, weshalb Hessen Forst es nicht für offene Kaminen empfiehlt. In geschlossenen Öfen sei es jedoch problemlos verwendbar.

Als Brennholz vermarkten beide Forstämter nur noch an den Weg gerücktes Stammholz. Dabei handelt es sich meist um kleinere Bäume, die bei der Bestandspflege anfallen, oder Stämme, die sich nicht für eine hochwertige Nutzung eignen. Sie werden von Rückeunternehmen zum nächsten Waldweg transportiert und zu Poltern aufgeschichtet. Brennholzkäufer können sie dort aufarbeiten und abtransportieren. Nicht mehr angeboten wird seit einigen Jahren der sogenannte Schlagabraum, also das Aufarbeiten von Baumkronen abseits der Wege im Bestand durch Privatleute. Grund dafür sind nach Auskunft des Rotenburger Forstamtsleiters Dr. Hans-Werner Führer vor allem Sicherheitsaspekte und Vorgaben zur forstwirtschaftlichen Zertifizierung, nach denen die Waldflächen abseits der sogenannten Rückegassen nicht mit Fahrzeugen befahren werden dürfen. (Jan-Christoph Eisenberg)

Hintergrund: Beim Brennholzkauf kommt es auf die Maßeinheit an

Wer Brennholzpreise vergleichen will, sollte darauf achten, für welche Maßeinheit diese angegeben sind.

Stammholz wird in der Regel in Festmetern (Fm) berechnet. Anhand von Länge und Durchmesser des Stammes wird dabei dessen Volumen ermittelt. Ein Festmeter entspricht damit einem Kubikmeter – also einem Würfel mit einem Meter Kantenlänge – massivem Holz ohne Zwischenräume.

Als Raummeter (Rm) wird hingegen ein Kubikmeter gestapeltes Holz inklusive Zwischenräumen bezeichnet. Es ist die gängigste Maßeinheit für gespaltenes und ungespaltenes Brennholz. Durch die Zwischenräume entspricht ein Raummeter etwa 0,7 Festmetern Holz.

Bei der Lieferung von ofenfertigem Scheitholz verwenden Brennholzhändler häufig die Einheit Schüttraummeter (Srm). Dabei handelt es sich einem Kubikmeter lose aufeinandergeschütteter Holzscheite. Da diese nicht platzsparend gestapelt wurden, sind die Zwischenräume zwischen den Scheiten im Vergleich zum Raummeter deutlich größer. Ein Schüttraummeter entspricht damit etwa 0,6 bis 0,7 Raummetern sowie 0,4 bis 0,5 Festmetern Brennholz. (jce)

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