Mehr Zeit für Neuordnung

Holzverkauf: Hessen Forst darf bis Ende 2020 für Kommunen weiterarbeiten

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Zwischengeparkt: Rund 12.000 Festmeter Holz liegen auf dem Nasslagerplatz in Friedlos. Wegen Friederike, Borkenkäfern und der Trockenheit ist das Nasslager voll. Unser Bild zeigt Revierleiter Joachim Schum (links) und Forstwirtschaftsmeister Gerd Koch beim Begutachten des Holzes.

Hersfeld-Rotenburg. Kurze Verschnaufpause für Kommunen und private Waldbesitzer: Bis Ende 2020 bekommen sie nun Zeit, den Holzverkauf neu zu organisieren. 

Das teilte Martin Küthe vom Hessischen Forstministerium in der Sitzung des Rotenburger Haupt- und Finanzausschusses mit. Ursprünglich sollte die Frist bereits Ende 2018 enden, dann sollte Hessen Forst als Vermarkter aussteigen.

Referatsleiter Küthe war auf Einladung von Bürgermeister Christian Grunwald nach Rotenburg gekommen. Der Stadt gehören 1300 Hektar Wald – mehr als die Hälfte des gesamten Kommunalwaldes in der Region Osthessen. Betroffen von der Neustrukturierung der Holzvermarktung aus kartellrechtlichen Gründen sind Kommunen und private Eigentümer, denen mehr als 100 Hektar Wald gehören. Ihnen, so hat Ministerin Priska Hinz laut Küthe entschieden, wird die Übergangszeit bis Ende 2020 gewährt. So lange kann die Vermarktung weiter über die zuständigen Forstämter von Hessen Forst laufen.

Zurücklehen können sich die Kommunen und Waldbesitzer jedoch nicht. Sie müssen sich zu Holzverkaufsorganisationen zusammenschließen und dazu die Forstbetriebsgemeinschaften stärken. Im Landkreis gibt es zwei solcher Gemeinschaften, denen auch Kommunen angeschlossen sind. Damit alle gemeinsam ihr Holz verkaufen dürfen, müsste jedoch die Hessische Gemeindeordnung geändert (HGO) werden, die die Kommunen an das europäische Vergaberecht koppelt.

Klingt kompliziert, ist es auch. Erst nach der HGO-Änderung können Strukturen geschaffen werden, die schlagkräftig das Rundholz vermarkten können. Auch der Hessische Waldbesitzerverband hat inzwischen die brandaktuelle Fristverlängerung begrüßt.

Jetzt müssen Profis ran

Der Sturm Friederike, anhaltende Dürre und der Borkenkäfer – diese Kalamitäten haben dem Wald zugesetzt – und durch einen enormen Preisverfall beim Holz auch jenen, denen ihr Wald jährlich ein erkleckliches Sümmchen in die Kasse gebracht hat. In diesen Zeiten auch noch neue Vermarktungsstrukturen zu schaffen, gilt unter Fachleuten als schwierig bis unmöglich. Betroffen sind besonders Nord- und Osthessen, wo es einen relativ geringen Anteil an Kommunal- und Privatwald gibt. 

In Süd- und Westhessen dagegen ist man nach Einschätzung des zuständigen Ministeriums bereits auf einem guten Weg, sich neu zu organisieren. Der osthessische Kreis Hersfeld-Rotenburg wird deshalb vom neuen Erlass der Umweltministerin profitieren, der betroffenen Kommunen und privaten Waldbesitzern zwei Jahre Zeit verschafft, die Holzvermarktung neu aufzustellen. 

Der Hessische Waldbesitzerverband begrüßt die Übergangsregelung: „Die Kommunen und privaten Waldeigentümer haben erst im Juli erfahren, dass Hessen Forst ab dem 1. Januar 2019 keine Holzverkaufsverträge mehr für nicht staatliche Forstbetriebe mit mehr als 100 Hektar verhandeln wird“, sagt Christian Raupach, geschäftsführender Direktor des Hessischen Waldbesitzerverbandes. Es sei unrealistisch, die Gründung neuer leistungsfähiger Holzverkaufsorganisationen aus dem Privat- und Kommunalwald in so kurzer Zeit zu erwarten, die dann auch noch den Verkauf des Holzes in einem durch massives Überangebot an Schadholz gestörten Markt übernehmen, meint er. 

Allerdings: Dass der Rückzug von Hessen Forst aus dem Holzverkauf kommen wird, hatte sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet. Damals galt offenbar noch das Prinzip Hoffnung für die Betroffenen. 

Raupach spricht sich für eine Professionalisierung der 50 Forstbetriebsgemeinschaften in Hessen aus. Im Landkreis gibt es zwei Forstbetriebsgemeinschaften. Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald hatte erst vor kurzem kritisiert, dass es schon jetzt bei der Vermarktung durch Hessen Forst zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft gekommen sei: Während das Holz aus dem Staatswald zentral über den Landesbetrieb Hessen Forst in Kassel verkauft werde, müssten die Forstämter vor Ort den Verkauf von Holz aus Kommunalwald dezentral regeln. 

Die großen Holzeinkäufer wendeten sich jedoch weiterhin zentral an den Landesbetrieb. So blieben die Stämme aus dem Kommunalwald länger liegen. Zuvor sei alles Holz gleichrangig abgesetzt worden. Martin Küthe vom Umweltministerium versicherte im Rotenburger Haupt- und Finanzausschuss, dass man diesen Eindruck Grunwalds überprüfen wolle. Es gebe die Anweisung, dass das Holz nicht schlechter gestellt werden dürfe als Holz aus dem Staatswald. 

Im Gegenteil habe das Ministerium angeordnet, Staatswaldhölzer vom Markt zu nehmen, um anderen eine bessere Vermarktung zu sichern. Das Holz wird auf Beregnungsplätzen „zwischengeparkt“. Um schon jetzt Wettbewerb zu sichern, seien die Mitarbeiter von Landesbetrieb und Forstämtern zur gegenseitigen Verschwiegenheit verpflichtet worden, was zum Beispiel Preise für das Holz angehe. Küthe bat in diesem Zusammenhang um Vertrauen in Hessen Forst.

Mehr Wettbewerb ermöglichen

Seit den 1970er-Jahren gibt es Einheitsforstämter, die neben der Bewirtschaftung des Staatswaldes auch die Forstaufsicht, Beratung und die Betreuung samt Vermarktung von Privat- und Kommunalwäldern übernehmen. 2006 war in Baden-Württemberg erstmals dagegen geklagt worden. Das Bundeskartellamt hat ein Beschwerdeverfahren eingeleitet, weil es die gemeinsame Vermarktung von Privat- und Staatsholz für wettbewerbswidrig hält. Seither gab es mehrere Verfahren, im Kern bleibt jedoch, dass es auf dem Holzmarkt mehr Wettbewerb geben soll. Betroffen von der Regelung sind Waldeigentümer mit mehr als 100 Hektar Wald. Übergangsweise wird das Holz des Staatsforstes vom Landesbetrieb Hessen Forst vermarktet, das private und kommunale von den örtlichen Forstämtern. 

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