Digitales Lernen kann Präsenzunterricht nicht ersetzen

Homeschooling wie Sommerferien? Das sagen Schüler- und Elternvertreter aus Hersfeld-Rotenburg

Das Bild zeigt ein Mädchen am Tablet
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Symbolbild Lernen auf Distanz

Eine provokante Aussage zum Homeschooling hat für Verwunderung und Frust gesorgt. Schüler- und Elternvertretern aus Hersfeld-Rotenburg und das Staatliche Schulamt relativieren.

Hersfeld-Rotenburg – Mit der provokanten Aussage, das Lernen im Homeschooling sei so effektiv wie Sommerferien, hat eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität in dieser Woche für Verwunderung und Frust in den Schulen gesorgt. Bestätigt wird sie durch die Aussagen von Schüler- und Elternvertretern und des Staatlichen Schulamtes in Bebra allerdings nicht.

Schulamtsleiterin Anita Hofmann räumt ein, dass es im Frühjahr vor einem Jahr – das ist der Zeitraum, auf den sich die Untersuchung bezieht – Anlaufschwierigkeiten gegeben habe. Weder habe es Konzepte für den Distanzunterricht gegeben, noch die notwendige technische Ausstattung. Inzwischen habe aber eine „Professionalisierung im digitalen Bereich“ in den Lehrerkollegien stattgefunden, gerade in der Mittelstufe habe es einen deutlichen Schub gegeben, hat Hofmann festgestellt.

Es gebe allerdings in allen Klassen Kinder, um die Lehrkräfte sich Sorgen machten. Für diese Kinder seien Lerncamps in den Sommerferien und andere Unterstützungs- und Kompensationsangebote in Planung.

„Homeschooling oder Distanzunterricht ersetzt keinen Präsenzunterricht“, sagt Mario Knoch, der Vorsitzende des Kreiselternbeirats. Kreisschülersprecherin Wiebke Maibaum bestätigt das. Allerdings habe der flächendeckende Distanzunterricht im zweiten Lockdown wesentlich besser funktioniert, als das Homeschooling im Frühjahr 2020. Knoch ist sich mit Hofmann und Maibaum einig, dass es letztlich immer auf die Personen und deren Engagement ankomme.

An den Kreiselternbeirat seien keine massiven Klagen der Eltern herangetragen worden. „Das war für alle Neuland und eine schwierige Zeit“, sagt Knoch.

Auch Wiebke Maibaum würde das Fazit der Studie so nicht unterschreiben und fordert eine differenziertere Betrachtung. Von den Schülern sei im Homeschooling eine hohe Selbstdisziplin gefordert worden, die die meisten so vorher nicht gelernt hätten. Probleme hätten fast alle Schüler, doch die Schulen seien aktuell bemüht, sie aufzuarbeiten. Maibaum wünscht sich, dass Lehrkräfte mehr auf Schüler zugehen. (Christine Zacharias)

Studie zum Fernunterricht im Lockdown

Für eine Studie zum Fernunterricht während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 haben sich Forscher der Frankfurter Goethe-Universität Daten aus aller Welt angesehen. Das Ergebnis: „Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen und liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien“, erklärte Prof. Andeas Frey.

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