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Studieren in der Pandemie: Corona sorgt für Veränderungen in Hochschulen

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Von: Laura Hellwig

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Studieren im Home-Office: Johanna Hüttner ist Justizsekretäranwärterin am Studienzentrum in Rotenburg.
Studieren im Home-Office: Johanna Hüttner ist Justizsekretäranwärterin am Studienzentrum in Rotenburg. © Laura Hellwig

Corona hat dafür gesorgt, dass viele Studenten einen Hörsaal noch nie von innen gesehen haben. Wir haben uns im Landkreis umgehört, wie die Pandemie-Lage an den heimischen Hochschulen ist.

Hersfeld-Rotenburg – Die Corona-Pandemie sorgt an den Hochschulen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg für grundlegende Veränderungen, sowohl im Alltag der Studierenden als auch bei der Organisation des Hochschulbetriebs.

Die Pandemie hat bei Studierenden und Mitarbeitern neue Fragen und Belange aufgeworfen, mit denen sie sich an die jeweiligen Beratungsstellen der Hochschulen wenden können.

Im Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz in Rotenburg gibt es einen Pandemiebeauftragten, der Anwärtern und Mitarbeitern bei Fragen zur Verfügung steht. „Der Pandemiebeauftragte berichtet, dass insbesondere seit Anfang des Jahres die Nachfrage nach Beratung und Auskunft enorm angestiegen ist“, sagt Maike Brathge, Sprecherin des Studienzentrums.

Die THM hat technisch aufgerüstet für die hybride Lehre: Prof. Dr. Fabian Tjon, Leiter des Campus Studium Plus in Bad Hersfeld, bereitet sich auf eine Video-Konferenz vor.
Die THM hat technisch aufgerüstet für die hybride Lehre: Prof. Dr. Fabian Tjon, Leiter des Campus Studium Plus in Bad Hersfeld, bereitet sich auf eine Video-Konferenz vor. © Laura Hellwig

In Rotenburg werden die Studierenden unter der Woche in Wohnheimen untergebracht. Pandemiebedingt haben sich die Abläufe bei An- und Abreise sowie bei den Mahlzeiten geändert, um Kontakte unter den Anwärtern zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Das Hybridmodell sieht vor, dass ein Teil der Studierenden vor Ort untergebracht wird. Mit ihnen steht der Pandemiebeauftragte in engem Kontakt, so Sprecherin Brathge.

Bedarf nach Beratung steigt an

Dass die Corona-Lage auch zu Unsicherheiten, Ängsten und Depressionen führen kann, darüber ist man sich im Studienzenturm im Klaren. Mitarbeiter und Anwärter haben deshalb die Möglichkeit, sich bei privaten und beruflichen Problemen an eine externe Mitarbeiterberatung zu wenden.

An der zentralen Studienberatung der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) habe die Anzahl an Beratungen nicht wesentlich zugenommen. „Gleichwohl hat sich der Inhalt vieler Beratungen geändert: Häufiger als zuvor bitten Studierende wegen allgemeineren Fragen um Beratungen, in deren Verlauf erst die eigentlichen Anliegen, oft psychische Belastungen, zutage treten“, informiert die Studienberatungsstelle.

Häufiger gehe es aber um Fragen rund um die Online-Lehre. Vor allem Studierende im Beruf würden auch von Vorteilen sprechen, etwa der Wegfall von Wegstrecken, wenn man von Zuhause aus arbeitet.

Aufgrund der Dualität an der Bad Hersfelder Hochschule der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), ähnlich zur THM, gibt es auch den Arbeitgeber als direkten Ansprechpartner.

Saskia Köpsell, Sprecherin der DGUV-Hochschule, sagt aber, dass dennoch ein gestiegener Bedarf an Beratungsangeboten zu beobachten sei, sowohl zu Fragen rund um die Pandemie, als auch zu allen sonstigen Themen. „Wir kümmern uns gemeinsam mit dem Arbeitgeber um die Bedürfnisse aller Studierenden“, so Köpsell.

So erleben die Studierenden den neuen Hochschulalltag unter Corona-Bedingungen

Tim Rudolph studiert im ersten Semester Bauingenieurswesen an der THM in Bad Hersfeld. In das duale Studium ist er während der hybriden Lehre eingestiegen, das heißt im wöchentlichen Wechsel von Distanz- und Präsenz. „Ich hatte kein Problem mit der Online-Uni“, sagt der 24-Jährige.

Dadurch, dass die Klasse geteilt ist und man immer dieselben Kommilitonen im Hörsaal trifft, lerne man die anderen nicht so gut kennen, beschreibt Rudolph die Situation. Auch die gemeinsame Vorbereitung für die Klausuren falle pandemiebedingt aus. „Mit meinem Kumpel habe ich mich aber online zum Lernen verabredet“, erzählt der Ludwigsauer.

Die Vorteile, die das Homeoffice bietet, hat zunächst auch Rama Arifani genossen. Der 21-jährige Obersuhler studiert Bauingenieurswesen im dritten Semester an der THM. Die Umstellung zur Hybridlehre war für ihn dann doch eine Erleichterung: „Es ist direkt ein anderes Gefühl, wenn man an der Hochschule vor Ort an den Vorlesungen teilnimmt. Dort war ich meist aufmerksamer als in den digitalen Veranstaltungen.“

Das bestätigt auch Simon Glöckner, ebenfalls im dritten Semester: „Das hybride Semester war wesentlich besser, weil man die Kommilitonen kennenlernen konnte. Das hat die Laune auf jeden Fall gehoben.“ Arifani und Glöckner berichten, dass die Organisation der digitalen Lehre reibungslos verlaufen sei. Aber dennoch: „Zum Ende hin hat die reine Online-Lehre schon an uns gezehrt“, sagt Glöckner.

Johanna Hüttner, Justizsekretäranwärterin am Studienzentrum in Rotenburg, fällt das Lernen im Homeoffice nicht schwer, sagt sie. „Von Januar bis Juni 2021 fand der Unterricht komplett online statt“, erzählt die 23-Jährige. „Am Anfang war es zwar etwas anstrengend, man musste sich erstmal umgewöhnen und sich zwingen, besser aufzupassen und sich zuhause nicht ablenken zu lassen. Das hat sich dann aber irgendwann eingependelt.“

Hüttner lobt die Unterrichtsgestaltung: Arbeiten in Gruppen, Unterrichtsgespräche, Hausaufgaben und eine digitale Lernplattform erleichtern das Arbeiten von Zuhause.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es rund 2000 Studierende

m Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es aktuell rund 2000 Studierende. Am Studium-Plus-Campus des THM-Außenstandortes in Bad Hersfeld absolvieren aktuell 170 Männer und Frauen ein Duales Studium.

Das Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz bildet derzeit an den fünf Campusstandorten in Rotenburg und Frankfurt am Main insgesamt 1800 Anwärter (Auszubildende und Studierende) aus. An der DGUV-Hochschule in Bad Hersfeld sind etwa 450 Studierende im Bachelor und 40 im Master eingeschrieben. Die Hochschulen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind mittlerweile pandemieerprobt.

Seit dem Start ins neue Ausbildungs- beziehungsweise Studienjahr 2022 werden alle Lehrgänge im Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz in Rotenburg in Form von Hybridunterricht angeboten. Das bedeutet, dass die Studierenden im wöchentlichen Wechsel vor Ort oder im Livestream online unterrichtet werden.

Seit Pandemiebeginn fand die Lehre nur digital statt. Das Hybridmodell gelte vorerst bis Ende Februar, so Maike Brathge, Sprecherin des Studienzentrums. Wie sich die Lehre in der Zukunft gestalte, werde in Abhängigkeit vom jeweils aktuellen Pandemiegeschehen entschieden, so Brathge.

Am Studium-Plus-Campus am Außenstandort der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Bad Hersfeld gibt es das Hybridmodell bereits seit dem vergangenen Semester.

Hochschulen im Landkreis mussten technisch aufrüsten

Nach der vorlesungsfreien Zeit – aktuell befinden sich die dualen Studierenden zur Praxisphase in ihren Betrieben – hofft Prof. Dr. Harald Danne, leitender Direktor des wissenschaftlichen Zentrums Duales Hochschulstudium, auf reine Präsenzveranstaltungen. „Sollten dies die Umstände nicht erlauben, hätten wir wieder unser bewehrtes hybrides Modell in der Hinterhand“, so Danne.

Auch die DGUV in Bad Hersfeld, die Hochschule der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, musste sich dem Pandemiegeschehen beugen und ihre Lehre digitalisieren. „Wir hatten nur kleine Fenster, in denen Präsenz möglich war“, sagt Saskia Köpsell, Sprecherin der Hochschule.

Nun passe man das Lehrformat an die jeweils aktuelle Pandemiesituation an. Für die Hybridlehre war an den Hochschulen im Kreis eine technische Aufrüstung notwendig. So sind beispielsweise im Fachbereich Steuer im Rotenburger Studienzentrum 35 Hörsäle mit neuer Technik ausgestattet worden: Kameras, Lautsprecher, Mikrofone, und Bildschirme wurden installiert.

Die Pandemie hat auch bei der THM und der DGUV für einen Schub in Sachen Digitalisierung gesorgt. „Die Nutzung virtueller Vorlesungs- und Seminarräume ist mittlerweile Standard. Diese Entwicklung wird sich nicht komplett zurücknehmen lassen“, so Köpsell von der DGUV. (Laura Hellwig)

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