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René Petzold: „Ich habe weiterhin Lust auf Politik“

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Bei der Bezirkskonferenz der Jusos von Nordhessen, wurde René Petzold nach vier Jahren als Vorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation verabschiedet.

René Petzold ist als als Vorsitzender der Jusos von Nordhessen verabschiedet worden
als Vorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation verabschiedet: René Petzold. © René Petzold

Herr Petzold, SPD-Vorsitzender ist ja angeblich das schönste Amt neben Papst. Gilt das so ähnlich auch für den Juso-Vorsitz in Nordhessen?

(lacht) Wenn es hier einen Papst gebe, dann ja! Die Jusos in Nordhessen haben schon einen ganz guten Einfluss auf die Gestaltung der sozialdemokratischen Politik und konnten diesen sogar noch erhöhen. Das zeigt sich ja auch an den jüngsten Wahlergebnissen in der Region. Ich habe dieses Amt jedenfalls sehr gern gemacht.

Trotzdem haben Sie schon im Oktober, also kurz nach dem Wahlsieg der SPD im Bund, angekündigt, dass sie Ihr Amt aufgeben wollen. Warum?

Ein politischer Jugendverband lebt vom Wechsel. Bei den Jusos ist es sogar sehr ungewöhnlich, dass jemand mehr als zwei Jahre im Amt ist – das lag jetzt auch etwas an der Corona-Zeit. Mir war es wichtig, frühzeitig den Wechsel einzuleiten, damit sich auch die Unterbezirke einbringen können.

Als wir 2018 das letzte Interview führten, da kämpften die Jusos mit Kevin Kühnert an der Spitze dagegen, dass die SPD die Große Koalition fortsetzt. Jetzt stellt die SPD den Kanzler und Kühnert ist Generalsekretär. War die Verlockung der Macht also doch stärker?

Die SPD hat immer dafür gekämpft, stärkste Kraft zu werden und damit auch macht auszuüben. Das hat jetzt geklappt. Macht hat zu unrecht immer so einen anrüchigen Beigeschmack. Dabei wird in einer Demokratie macht immer auf Zeit verliehen und jeder kann sich darum bewerben. Da sehe ich keinen Widerspruch. Das zeigt, dass sich die SPD streiten, aber auch wieder vereinen kann. Deshalb ist es auch richtig, dass Kevin Kühnert jetzt Generalsekretär ist. 2018 hingegen waren wir Jusos der Meinung, dass die Große Koalition, das Land gelähmt hat ...

... und jetzt meinen viele, Olaf Scholz als Kanzler lähmt das Land?

Ich verstehe auch durchaus, woher dieses Gefühl kommt. Aber wir erleben zurzeit einen Angriffskrieg, wie er vor wenigen Monaten noch nicht vorstellbar war. Deshalb bin ich auch froh, dass Olaf Scholz jetzt nicht impulsiv handelt. Ich halte es daher auch für richtig, dass wir zunächst Verteidigungs- und jetzt schwere Waffen liefern.

In Ihrer Einladung zur Jusos Bezirkskonferenz haben Sie von der enttäuschten Hoffnung Ihrer Generation auf Frieden geschrieben und entschlossene Antworten auf den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine gefordert. Ist Frieden schaffen MIT Waffen nun also auch für Jusos das Gebot der Stunde?

Es gibt leider Situationen, in denen auch der Pazifismus an Grenzen stößt. Aus dieser Erfahrung heraus, war die SPD auch nie eine pazifistische Partei. Wir erleben jetzt einen Angriffskrieg eines diktatorisch geführten Landes gegen die westliche Idee von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten. Diese Situation kann es rechtfertigen, auch mit Waffengewalt unsere Werte zu verteidigen. Der Kampf der Ukraine, für den ich den größten Respekt habe, ist auch ein Kampf zur Verteidigung unserer Demokratie.

Militärisch wird sich in Deutschland viele ändern (müssen). Wie stehen die Jusos zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht, die ja gerade Ihre Generation betreffen würde?

Bei den Jusos Hessen-Nord gab es schon vor längerer Zeit Beschlüsse, gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Das wird auch bei uns neu diskutiert werden. Derzeit gibt es keine Anträge der Unterbezirke zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht. Ich sehe Vor- und Nachteile. Die Wehrpflicht kann die Akzeptanz der Bundeswehr wieder mehr steigern. Auch ein breiteres politisches und soziales Spektrum der Gesellschaft könnte so wieder in der Bundeswehr abgebildet werden. Andererseits müssen junge Menschen nach der Schule auch das Recht haben, frei zu entscheiden, was sie machen wollen. Die Diskussion über die Wehrpflicht wird kommen. Noch begrüßen die Jusos aber das Aussetzen der Wehrpflicht.

Sie selbst sind inzwischen aus Schenklengsfeld nach Bad Hersfeld gezogen, dabei geht es in Ihrer Heimatgemeinde politisch hoch her. Wollten Sie da nicht mehr mitmischen?

Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen und sie ist auch gar nicht politisch motiviert gewesen. Gemeinsam mit meiner Partnerin ging es uns darum, Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu können. Das Pendeln nach Homberg/Efze ist jetzt einfacher für mich.

In Bad Hersfeld unterstützen Sie jetzt aber Karsten Vollmar bei seiner Bürgermeisterkandidatur. Werden wir Sie also bald hier in der Stadtpolitik begrüßen können?

Ich werde mich natürlich weiter einbringen. Das tue ich ja auch für die SPD im Kreistag und habe auch noch ein paar andere Mandate innerhalb der Partei und bei den Jusos. Schauen wir jetzt mal, wie der Bürgermeisterwahlkampf ausgeht. Ich bleibe der Kommunalpolitik auf jeden Fall weiter verbunden und habe da weiterhin Lust drauf.

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