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Im E-Mobil zum Klinikum? Autonome Fahrzeuge sollen nach Erweiterung Stau verhindern

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Von: Nadine Meier-Maaz

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So sehen die selbstfahrenden elektrisch betriebenen Fahrzeuge aus: Ein Fahrzeug für Personentransporte. Die Idee, solche Fahrzeuge nach der vorgesehenen Erweiterung für den Weg zum und vom Klinikum in Bad Hersfeld einzusetzen, wurde jetzt im Ausschuss für Stadtplanung vorgestellt.
So sehen die selbstfahrenden elektrisch betriebenen Fahrzeuge aus: Ein Fahrzeug für Personentransporte. Die Idee, solche Fahrzeuge nach der vorgesehenen Erweiterung für den Weg zum und vom Klinikum in Bad Hersfeld einzusetzen, wurde jetzt im Ausschuss für Stadtplanung vorgestellt. © Dromos/AG/NH

Nach der geplanten Erweiterung des Klinikums in Bad Hersfeld sollen autonome Fahrzeuge Stau im Umfeld verhindern - davon jedenfalls träumt Bürgermeister Thomas Fehling.

Bad Hersfeld – Weil mit der geplanten Erweiterung des Klinikums in Bad Hersfeld im Zuge der Neustrukturierung samt Verlagerung des Rotenburger Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) noch mehr Verkehr erwartet wird, macht sich Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling Gedanken über die künftige Verkehrssituation.

Schon jetzt komme es auf den Straßen zum und vom Klinikum in bestimmten Zeiten zu Stau und Behinderungen, so Fehling, der mit Blick in die Zukunft von einer noch größeren Herausforderung spricht. Abhilfe schaffen könnten elektrisch betriebene und per App steuerbare kleine Fahrzeuge für bis zu vier Personen, die autonom im Umkreis des Klinikums unterwegs sein sollen. Das ist zumindest die Idee beziehungsweise ein Vorschlag der Dromos AG mit Sitz in München.

Vorgestellt wurde sie jetzt von Technikvorstand Dr. Martin Dürr im Ausschuss für Stadtplanung, Umwelt und Klima. Dürr geht davon aus, dass der Verkehr nach einer Erweiterung des Klinikums um fast 40 Prozent zunimmt, unter anderem bedingt durch die Bettenanzahl, mehr pendelnde Mitarbeiter und das Schichtsystem. Ebenfalls zunehmen würde damit die Lärm-, CO2- und Feinstaubbelastung, so Dürr, was die eigentliche Aufgabe eines Krankenhauses konterkarieren würde, nämlich für Gesundheit zu sorgen. Zudem beeinträchtige „Dauerstau“ nicht nur die Anwohner, Mitarbeiter und Besucher, er behindere auch die schnelle Durchfahrt von Rettungswagen und Notarztfahrzeugen.

Die Verkehrssituation in der Innenstadt grundsätzlich neu zu überdenken, sei eine historische Chance, warb der Dromos-Vertreter für die autonomen Fahrzeuge, deren Einsatz sich Bürgermeister Fehling schon länger wünscht. Ihre Berechnungen und Computersimulationen habe die Dromos AG aber auf eigene Initiative hin und kostenfrei für die Stadt erstellt, betonte Dürr. Bau- und verkehrsrechtlich geprüft ist das Ganze indes bisher nicht.

Landkreis und Klinikum planen mit einem Baustart für den Erweiterungsbau im Jahr 2023, sofern das benötigte Fördergeld für den Umbau fließt.

Geförderte Teststrecke im Schilde-Park

Die Dromos Technologies AG (München) will mit autonomen ÖPNV-Systemen den Stadtverkehr im 21. Jahrhundert optimieren. Eine „Demonstrationsanlage“ ist im Bad Hersfelder Schilde-Park geplant – auf einen beim Bundesverkehrsministerium gestellten Förderantrag habe man inzwischen das Ok für den Maßnahmenbeginn erhalten. Sobald wie möglich soll nun begonnen werden. Vorstandsmitglied Dr. Martin Dürr hofft, dass Ende 2022/Anfang 2023 die ersten Fahrzeuge rollen.

Individuell unterwegs zum Klinikum: Fragen und Antworten zu den autonomen Fahrzeugen in Bad Hersfeld

Woher kommt die Idee überhaupt?

Vorgestellt wurde die Idee von Dr. Martin Dürr, Technikvorstand der Dromos AG mit Sitz in München. Diese will eigenen Angaben nach mit autonomen ÖPNV-Systemen den Stadtverkehr im 21. Jahrhundert optimieren und verspricht hochfrequenten Personen- und Güterverkehr bei halben Kosten, Flächen sowie Zeitbedarf und gleichzeitig höchster Bequemlichkeit für die Nutzer. Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling beschäftigt sich schon länger mit Dromos und dem Thema, auch um den einst geplanten neuen Kaufland-Standort auf dem Schlachthofgelände besser an die Innenstadt anzubinden, waren Dromos und derartige autonome Fahrzeuge schon im Gespräch.

Mit Blick auf die im Zuge des Radikalumbaus geplante Erweiterung des Klinikums in Bad Hersfeld und die Verlagerung der akutmedizinischen Abteilungen des Klinikverbundes, zudem seit 2016 auch das Rotenburger HKZ gehört, an den Standort in Bad Hersfeld, sei Dromos nun von sich aus an die Stadt herangetreten, um verschiedene Verkehrsszenarien zu erarbeiten und den Einsatz von autonomen Fahrzeuge ins Spiel zu bringen, um sowohl den Verkehr, als auch Lärm, CO2 und Feinstaub zu reduzieren.

Wie und wo sollen die Fahrzeuge fahren?

Die Fahrzeuge, die eher einem Pkw als einem Bus ähneln, aber bewusst nicht als Autos bezeichnet werden, sind laut Dürr einen Meter breit und 2,50 Meter lang. Sie bieten Platz für bis zu vier Personen, sollen aber individuell und nicht gemeinsam wie ein Bus genutzt werden. Sie sollen „on demand“, also auf Wunsch und bei Bedarf, per App wie ein Taxi angefordert beziehungsweise reserviert werden können und mehrere Stationen anfahren, weshalb nicht von einem klassischen Shuttle die Rede sein könne.

Die elektrisch betriebenen Fahrzeuge, die von einem Automobilzulieferer produziert und auch per App gesteuert werden, würden auf der Straße eine eigene ungefähr 1,2 Meter breite Spur benötigen, ähnlich einer Radspur. Eine normale Straße sei dafür in der Regel breit genug, wenn man zum Beispiel den Fußweg auf nur einer Seite verlaufen ließe, sagt Dr. Martin Dürr. Die Dromos-Spuren zum und vom Klinikum müssten quasi großräumig und teils im Einbahnstraßensystem auf kleineren Nebenstraßen verlaufen, da der ohnehin schon beengte und belastete Seilerweg laut Dürr dafür nicht in Frage kommt. Eine Station auf dem Weg hin und zurück könnte zum Beispiel am Schilde-Park und/oder Bahnhof sein. 30 bis 50 autonome Fahrzeuge müssten laut Dürr in etwa eingesetzt werden, um alle Mitarbeiter, Besucher und sonstige Fahrgäste, die ins Klinikum wollen, flexibel und ohne lange Wartezeiten transportieren zu können. Im Übrigen kommen die Fahrzeuge nicht für den Personenverkehr, sondern auch für Güterverkehr in Frage. Dafür könne sogar eine Station im Klinikum eingerichtet werden.

Was soll das Ganze kosten?

So sehen die selbstfahrenden elektrisch betriebenen Fahrzeuge aus: Ein Fahrzeug für  für Pakettransporte.
So sehen die selbstfahrenden elektrisch betriebenen Fahrzeuge aus: Ein Fahrzeug für für Pakettransporte. © Dromos/AG/NH

Über konkrete Kosten wurde im Ausschuss nicht gesprochen. Da die Fahrzeuge aber laut Dürr als „Bahn besonderer Bauart“ gelten, würde für die Infrastruktur der Bund oder das Land aufkommen. Dürr führt hier auch das sogenannte Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) an, über das der Bund Finanzhilfen für Investitionen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Kommunen gewährt. Die Kosten für den Betrieb der Fahrzeuge seien gering, sagt der Dromos-Vorstand. Diese seien über Tickets mit Preisen wie im Bus finanzierbar.

Ist der Einsatz schon erprobt?

Noch handelt es sich um ein innovatives Mobilitätssystem, aktuell in Planung ist aber ohnehin eine Art Teststrecke im Bad Hersfelder Schilde-Park. Dieses Vorhaben soll nun so schnell wie möglich umgesetzt werden und wäre dann nicht nur ein erster Schritt Richtung Klinikumseinsatz, sondern zumindest in Deutschland auch das erste seiner Art. (Nadine Meier-Maaz)

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