„Kinderstationen laufen voll“

Infektionswelle mit dem RS-Virus: Sorge in der Kinderklinik in Bad Hersfeld

ARCHIV - Eine Kinderärztin untersucht ein vierjähriges Mädchen.
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Der Druck in der Kinderstation wächst: In den vergangenen zwei Monaten wurden 100 mit dem RS-Virus infizierte Kinder im Klinikum Bad Hersfeld behandelt. Die Zahl der stationär aufgenommenen kleinen Patienten nimmt zu. (Symbolbild)

Eine Infektionswelle durch das sogenannte RS-Virus bereitet auch der Kinderklinik in Bad Hersfeld sorgen. Bis zu 75 Prozent der jungen Patienten sind betroffen.

Hersfeld-Rotenburg – Fast zwei Jahre lang bestimmt nun das Coronavirus das Infektionsgeschehen weltweit. Seit diesem Frühherbst kommt es aber außerdem vermehrt und früher als üblich zu Infektionen durch das RS-Virus (Respiratorische Synzitial-Virus) – auch im Kreis. In den vergangenen zwei Monaten wurden 100 betroffene Kinder im Klinikum Bad Hersfeld behandelt. 50 bis 75 Prozent aller Patienten der Kinderklinik sind aktuell mit RSV infiziert. Die Welle sei in vollem Gange, die Kinderstationen liefen voll, teilt Klinikumsprecher Werner Hampe mit. 

Dr. Carmen Knöppel, Chefärztin der Kinderklinik in Bad Hersfeld, zeigt sich besorgt über die steigende Anzahl stationär aufgenommener Kinder. Beim RSV handelt es sich laut Knöppel um ein seit den 1950er-Jahren bekanntes Virus, das Infektionen in den Atemwegen auslösen kann. Ähnlich wie das Coronavirus kann es über die Tröpfcheninfektion weitergegeben werden. „Erste Anzeichen sind bekannte Symptome wie Schnupfen, Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen“, so die Kinderfachärztin.

Keine Behandlung der RSV-Infektion möglich

Dr. Knöppel berichtet, dass es bisher keine kausale Therapie für die RSV-Infektion gebe, sondern Kinder symptomatisch mit Nasentropfen, Inhalationen, Infusionen und zusätzlicher Sauerstoffgabe behandelt werden. Eine antibiotische Therapie sei nicht sinnvoll, weil virale Erkrankungen nicht mit Antibiotika behandelt werden könnten. Auch die Impfung gegen Corona sei für die RSV-Infektion nicht zielführend, weil das Virus zu einer anderen Virusgruppe gehört.

Dass momentan so viele Kinder erkranken, ist laut Knöppel eine Auswirkung der Pandemie. Während sich in den Jahren vor Corona bekanntermaßen vor allem in den Wintermonaten von November bis Februar die Fälle häuften, seien nun mehr Kinder und diese deutlich früher betroffen. So seien die Kinder im Winter 2020 aufgrund des Lockdowns deutlich weniger häufig in Kontakt mit Erregern gekommen und konnten ihr Immunsystem weniger stark „trainieren“.

Fachärztin: Eltern sollten ihren Kindern Hygieneregeln vermitteln

„Bei ehemaligen Frühgeborenen, Neugeborenen oder Kindern mit Herzfehlern oder Erkrankungen des Immunsystems kann es beim RSV auch zu schweren Verläufen kommen.“ Diese Kinder müssten häufig auf einer pädiatrischen Intensivstation beatmet und komplex betreut werden. In seltenen Fällen sterben Kinder auch.

Weiter appelliert die Fachärztin an Eltern, ihren Kindern Hygieneregeln zu vermitteln. „Hierzu gehören regelmäßiges Händewaschen, hygienisches Husten und Niesen, Kontaktvermeidung sowie die Reinigung eventuell kontaminierter Gegenstände wie Spielsachen.“ (Carolin Eberth)

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