1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Inflation und Lieferengpässe: Diana Schumacher baut trotzdem in Bad Hersfeld

Erstellt:

Kommentare

Das Bild zeigt Bauherrin Diana Schumacher auf dem Balkon ihres Hauses Am Schieferstein. Im Dachgeschoss ist neben Schlafzimmern auch ein Arbeitszimmer mit Panoramafenster geplant.
Vorfreude auf das Traumhaus im Grünen: Bauherrin Diana Schumacher auf dem Balkon ihres Hauses Am Schieferstein. Im Dachgeschoss ist neben Schlafzimmern auch ein Arbeitszimmer mit Panoramafenster geplant. © Kai A. Struthoff

Inflation, steigende Baukosten und Handwerkermangel: Wer heute ein Haus bauen will, der braucht gute Nerven und finanziell einen langen Atem.

Bad Hersfeld- Diana Schumacher hat es trotzdem gewagt. Im Neubaugebiet „Am Schieferstein“ in Bad Hersfeld entsteht gerade ihr Traumhaus.

Diana Schumacher kommt aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, sie ist Anfang 40, arbeitet – meist aus dem Homeoffice – bei einem großen Energieversorger. Sie hat lange gespart, genau gerechnet und schließlich auch das passende Grundstück gefunden. „Mich hat die Lage direkt am Wald und dennoch in der Nähe der Stadt überzeugt.“

Jetzt steht Diana Schumacher im Rohbau ihres Hauses auf dem Balkon ihres künftigen Schlafzimmers. Von hier geht der Blick weit über Wald, Wiesen und Felder. Schon jetzt freut sie sich auf die Gartenarbeit.

Von Gärten ist freilich rundum noch nicht viel zu sehen. Die meisten Häuser im Neubaugebiet auf dem Frauenberg befinden sich in unterschiedlich Bauphasen. Alle Stilrichtungen sind vertreten. Baufahrzeuge, Gerüste, Dixie-Klos und schlammige Wege zeugen davon, dass hier viele Familien ihre Zukunft bauen.

Das Traumhaus von Diana Schumachers hat 200 Quadratmeter Grundfläche, ist einstöckig mit einem ausgebauten Dachgeschoss und steht auf einem 774 Quadratmeter großen Grundstück am Rande des Baugebiets. Hinter der Terrasse führt der Eisenbergsteig vorbei. Schon jetzt lassen die großen Fensteröffnungen und der offene Grundriss mit einer Galerie zum Obergeschoss erahnen, dass ihr Heim von viel Licht durchflutet sein wird.

Zusammen mit Architekt Thomas Rabe aus Rotenburg hat die Bauherrin geplant: „Wir haben uns die Lage und die Besonderheiten angeguckt und gemeinsam den Grundriss entworfen“, erzählt sie. Vor allem der Blick in die Natur und die Lichtführung waren ihr wichtig. Allein rund 100 000 Euro hat das Grundstück gekostet. Insgesamt dürfte das fertige Haus wohl mehr als eine halbe Million Euro kosten – kein ungewöhnlich hoher Preis für ein Eigenheim in unserer Region.

Diana Schumacher vor dem Rohbau ihres Hauses, hier mit Immobilienberaterin Claudia Eifler und Vorstandschef Reinhard Faulstich von der Sparkasse.
Baustellenbesuch: Diana Schumacher vor dem Rohbau ihres Hauses, hier mit Immobilienberaterin Claudia Eifler und Vorstandschef Reinhard Faulstich von der Sparkasse. © Kai A. Struthoff

Das bestätigt Claudia Eifler, Immobilienexpertin bei der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, die die Baufinanzierung von Diana Schumacher begleitet. „Unter 500 000 Euro neu zu bauen, ist schon schwierig, es kommt immer darauf an, wie viel Eigenleistung man erbringen kann und wo genau das Grundstück liegt.“ Viele Häuslebauer würden auf Bestandsimmobilien ausweichen, aber auch die sind rar. „Der Markt ist wie leer gefegt“, sagt Eifler. Nicht nur in den Städten, sondern auch in den Landgemeinden sei die Nachfrage hoch. Denn ein eigenes Haus gilt immer noch als perfekte Altersvorsorge – daran habe sich nichts geändert. „Wer ein Haus bauen will, sollte 20 Prozent Eigenkapital mitbringen“, rät Claudia Eifler.

Trotz solider Finanzierung haben Inflation und Baukostensteigerungen auch Bauherrin Diana Schumacher schon in der Planungsphase erwischt. „Ich wusste, was am Markt passiert, bevor der Bagger rollte“, erzählt Diana Schuhmacher, die unter anderem von vornherein aus Kostengründen auf einen Keller verzichtet hat. Am 21. Juli 2021 rollten dann die Bagger auf ihrem Grundstück am Waldrand. Wenn weiterhin alles glattgeht, will sie im 3. Quartal diesen Jahres einziehen und Weihnachten im eigenen Haus feiern. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Dennoch sagt die Bauherrin vom Schieferstein: „Ich habe es noch nicht bereut.“ (Kai A. Struthoff)

Kreditzinsen steigen wieder

Etwa 150 bis 200 Neubauvorhaben betreut allein die Sparkasse als größte Bank des Kreises pro Jahr. Hinzu kämen noch etwa 500 Baufinanzierungen für energetische Sanierungen oder Umbauten, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Reinhard Faulstich. Trotz Inflation, steigender Baukosten und Handwerkermangel hält er „den Traum vom eigenen Haus auch in Zukunft für erschwinglich“ – zumindest in unserer Region dank eines guten Baulandangebots und vertretbarer Preise. „Es gibt weiterhin gute Chancen in unserer Region, sich in der Lebensmitte ein eigenes Heim zu leisten und damit auch für das Alter vorzusorgen.“ Dennoch muss die finanzielle Belastung zu stemmen sein, betont Immobilienexpertin Claudia Eifler.

Eine Faustformel, wie hoch die Belastung sein darf, gebe es nicht, wohl aber verlässliche Berechnungsmodelle. Das aktuell noch niedrige Zinsniveau sei aber ein heikles Thema: Wenn nach Ablauf der Zinsbindung noch eine hohe Summe übrig ist, könne es bei steigenden Zinsen schwierig werden. „Wir rechnen deshalb mit einem Warnzinssatz, um die Finanzierung für beide Seite abzusichern.“ Dennoch hatte sie in fast 20 Jahren keinen Kunden, der seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte.

Alledings ändern sich derzeit die Rahmenbedingungen: Obwohl die Bauinvestitionen auch in der Corona-Zeit ohne Einbrüche weitergelaufen sind, blieben die Probleme durch Inflation, ein Überangebot an Geld, den Fachkräftemangel und lange Lieferketten weiter ein Thema, sagt Sparkassenchef Faulstich. Längst seien die Preise für Gebrauchtimmobilien im Landkreis um 15 bis 20 Prozent gestiegen. „Auch die Preise für Handwerkerleistung sind im selben Rahmen gestiegen – wenn man überhaupt welche bekommt“.

Er hofft darauf, dass auch die Löhne in allen Bereichen mittelfristig steigen werden und Preissteigerungen aufgefangen. Allerdings seien auch die Zinsen bereits gestiegen. „Baugeld wird teurer werden, wer bauen will, ist gut beraten, damit jetzt zu beginnen“, rät Faulstich.

Auch interessant

Kommentare