11.000 bis 12.000 Menschen mit Migrationshintergrund

Welt kommt nach Waldhessen: Integration ist ein großes Thema im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Das Bild zeigt einen Globus.
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Zwischen 11.000 und 12.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Sie kommen aus ganz vielen Ländern der Welt.

Die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft ist schon seit Jahren ein großes Thema im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg - Etwa 11 000 bis 12 000 Menschen mit Migrationshintergrund leben hier. Sie kommen sowohl aus europäischen Staaten als auch aus praktisch allen Ländern der Welt. Viele sind hier schon heimisch geworden, andere haben noch Probleme mit Sprache und Lebensart in Deutschland.

Grundsätzlich zuständig für alle Fragen zum Thema Migration und Integration ist der Landkreis mit dem Fachdienst Migration. Dessen Leiter Frank Hildebrand nennt weitere Zahlen. Von den genannten Ausländern beziehen 1800 Personen Leistungen des Landkreises. 280 Geflüchtete leben noch in vom Kreis angemieteten Unterkünften.

Mit zahlreichen Programmen und Maßnahmen arbeitet der Fachdienst Migration daran, die Neuankömmlinge, vor allem geflüchtete Menschen, hier gut aufzunehmen und unterzubringen. Dazu gehören Integrationskurse, bei denen nicht nur deutsche Sprachkenntnisse vermittelt werden, sondern auch Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland. Diese Kurse finden allerdings in Vollzeit statt. Die Teilnahme ist deshalb sowohl für Mütter mit Kindern als auch für diejenigen, die Arbeit gefunden haben, schwierig. Der Kreis plant deshalb einen eigenen Kurs für Berufstätige und bietet auch Kurse für Frauen mit Kinderbetreuung an.

Manuela Kleinwächter, Integrationsbeauftragte in Bad Hersfeld.

Solche Kurse gibt es auch in Bad Hersfeld. Denn gerade die Städte Bad Hersfeld, Bebra und Rotenburg haben eigene Programme und Projekte auf die Beine gestellt, um die Integration zu fördern. In Bad Hersfeld gibt es mit Manuela Kleinwächter eine hauptamtliche Integrationsbeauftragte, demnächst wird im Stadtteil Hohe Luft ein Quartiermanager angestellt werden, der sich um die Gemeinwesenarbeit kümmert.

In Bebra und Rotenburg wurden nach der Kommunalwahl Integrationskommissionen ins Leben gerufen, die sowohl mit Migranten als auch mit ehrenamtlich Aktiven besetzt sind.

Integrationskommission statt Ausländerbeirat

Da es sich als zunehmend schwierig erwies, für Ausländerbeiräte ausreichend Kandidaten zu finden, hat das Land Hessen den Integrationsbeirat ins Leben gerufen. Damit soll die politische Teilhabe von ausländischen Einwohnern in der Kommunalpolitik verbessert werden. Die Kommission wird in Kommunen mit mehr als 1000 Ausländern eingerichtet und besteht je zur Hälfte aus sachkundigen Einwohnern, die auf Vorschlag der Interessenvertretungen der Migranten gewählt werden.

Stadt und Landkreis arbeiten zusammen

Die Kreisstadt Bad Hersfeld engagiert sich schon seit Jahren für die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Derzeit erarbeitet der Fachbereich Generationen unter der Federführung der Fachbereichsleitung Jutta Hendler ein Konzept für Integration und Vielfalt, um die Akteure, die sich mit Sprachkursen, Beratungscafés, Sport und Schwimmkursen, Kulturangeboten und anderem mehr beteiligen, noch mehr zu vernetzen und die Zusammenarbeit mit dem Kreis zu vertiefen. Gefördert wird dieses Projekt von der Hessischen Landesregierung, die noch bis zum Jahresende Prozessbegleiterin Gesa Niggemann-Kazosi finanziert. Sie erarbeitet ein Handlungskonzept als Grundlage für die zukünftige Arbeit.

Intensiviert werden soll auch wieder die Gemeinwesenarbeit im Stadtteil Hohe Luft. Auch hier fördert das Land Hessen mit 90 Prozent der Kosten über einen Zeitraum von fünf Jahren, erklärt Jutta Hendler. Ein Quartiersmanager ist bereits gefunden, der demnächst in einer angemieteten Wohnung seine Arbeit aufnehmen soll. In dem Stadtteil gab es in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrere Projekte mit dem Ziel, die Bewohner und die kulturelle Vielfalt zu fördern. Die Projekte schliefen jeweils nach Ablaufen des Förderzeitraums wieder ein. Jutta Hendler dagegen legt großen Wert auf „Nachhaltigkeit statt Projektitis“ und darauf, dass die neu Angekommenen sich mit ihren Vorstellungen und Ideen einbringen können.

Wichtig ist ihr auch die Zusammenarbeit mit dem Kreis und innerhalb des Kreises. Dazu gehört zum Beispiel die Integreat-App, die allen Menschen Informationen über Vereine, Schulen, Verwaltungen, über Ausbildung und Arbeit, Wohnen, Veranstaltungen, Gesundheit, Mobilität und mehr bietet.

Gemeinsam mit dem Kreis wird eine Interkulturelle Woche vom 27. September bis zum 2. Oktober vorbereitet, die in Zusammenarbeit mit den Kirchen und Vereinen in diesem Jahr erstmals dezentral an mehreren Orten stattfinden und das frühere Internationale Freundschaftsfest ersetzen soll. Gruppen oder Einzelpersonen, die sich mit Aktivitäten beteiligen wollen, können sich noch bis zum 20. August anmelden, entweder beim Kreis (antonia.roesner@hef-rof.de) oder bei der Stadt (manuela.kleinwaechter@bad-hersfeld.de, Telefon 06621/201-762).

Ehrenamtliche, die dazu beitragen wollen, dass Menschen verschiedener Herkunft sich besser verstehen, sind jedenfalls überall willkommen. Dazu gehören auch diejenigen, die mehrere Sprachen sprechen und bereit sind, bei Behördenterminen oder Arztbesuchen zu übersetzen. Sprachpools gibt es in Bad Hersfeld und beim Kreis.

Verstärkt eingebunden werden sollen auch Sportvereine, weil Sport eine unkomplizierte Möglichkeit ist, miteinander in Kontakt zu kommen. Das sei bereits seit 2016 sehr erfolgreich gelaufen, durch Corona aber ausgebremst worden, erklärt Antonia Rösner, beim Kreis zuständig für interkulturelle Öffnung. Hier sind Fortbildungen zur interkulturellen Sensibilisierung geplant.

Auch beim Kreis werden zahlreiche Förderprogramme des Landes und auch des Europäischen Sozialfonds genutzt, um zum Beispiel Menschen bei der Eingliederung ins Erwerbsleben zu helfen, um Vielfalt zu fördern oder – ganz neu – Frauen mit den Grundzügen der digitalen Welt vertraut zu machen.

Neubürger als Chance für die Stadt sehen

Die Stadt Bebra hat eine lange Tradition, wenn es um das Zusammenleben von Einheimischen und Migranten geht. Uli Rathmann, Leiter des Fachdienstes Generationen bei der Stadt Bebra, sieht den Zuzug von Menschen, die sich hier niederlassen, arbeiten und etwas erreichen wollen, als Chance für die Stadt.

Wissenschaftlich begleitet wird das mit dem Projekt Migra-Chance, das eben diese positiven Wirkungen herausarbeitet.

Positive Effekte erwartet Rathmann sich auch von der neuen Integrationskommission, die zwar noch nicht getagt hat, in der aber mehrere Gruppen von Migranten vertreten sind. Aufgabe der Kommission sei es, Stellung zu nehmen zu allen Themen, die das Leben von Ausländern in Bebra betreffen.

Einige Integrationsbemühungen seien durch Corona gebremst worden, bedauert Rathmann, zum Beispiel die bereits fertiggestellte Bildungs- und Begegnungsstätte im Gebäude der Kita Tabalugaland. Die Räume würden zudem inzwischen als Notgruppe gebraucht. Ein neues Programm ermögliche aber nun immerhin Elternarbeit.

Sehr aktiv war die ebenfalls neue Integrationskommission in Rotenburg. Sie hat sich bereits zweimal getroffen und Ziele erarbeitet, die im September vorgestellt werden sollen, berichtet David Kiefer, Koordinator für Gemeinwesenarbeit in Rotenburg. Als erfolgreiche Integrationsprojekte nennt Kiefer zudem das Café International als Treffpunkt für Einheimische und neu Zugezogene und zahlreiche private Kontakte zwischen Rotenburgern und Geflüchteten. (Christine Zacharias)

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