Intendanten ist Fehlings Wunschkandidat

Wedel kündigt Neustart für die Festspiele an - Kein Kommentar von Freytag

Erst Gast, dann Chef: 2012 und 2013 besuchte Dieter Wedel die Bad Hersfelder Festspiele – als Zuschauer. Jetzt kehrt er als Intendant zurück. Foto: Archiv/Hanisch

Bad Hersfeld. Als seinen „absoluten Wunschkandidaten“ bezeichnet Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling den neuen Festspiel-Intendanten Dieter Wedel. „Ich freue mich sehr darüber, dass er unser Angebot angenommen hat. Das ist die beste Voraussetzung für große Festspiele in der Zukunft“, erklärte Fehling am Montagabend.

Da hatte der Magistrat der Stadt die brisante Personalangelegenheit gerade beschlossen.

Denn nicht nur die Trennung vom früheren Intendanten Holk Freytag hatte in den vergangenen Wochen für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, sondern auch Wedels Verpflichtung. Denn die war - wie eine versehentlich zu früh versandte Pressemitteilung verriet - offenbar beschlossene Sache, bevor der eigentliche Beschluss gefasst worden war.

Vorausgegangenen waren „mehrere Gespräche“ und „intesive Verhandlungen“, die Fehling mit Wedel im Auftrag des Magistrats geführt hatte. Wedel selbst erklärte nach seiner Zusage: „Ich freue mich auf die Aufgabe, die Festspiele wieder in ruhiges Fahrwasser zu lenken. Es wird natürlich einen Neustart geben. Und ich hoffe, dass mir in Bad Hersfeld gelingt, was mir zuvor ja schon sowohl bei meinen Fernsehfilmen als auch am Theater oft gelungen ist, nämlich den Spagat zu schaffen zwischen Anspruch, Qualität und Popularität. Die Bad Hersfelder und die Besucher von außerhalb dürfen gespannt sein!“ Konkreter wird sich der neue Intendant am Freitag dieser Woche bei einer Pressekonferenz in Bad Hersfeld äußern.

Bürgermeister Fehling hatte bei mehreren Gelegenheiten den Anspruch der Bad Hersfelder Festspiele als eine der bedeutendsten Freilichtbühnen Deutschlands untermauert. „Für diese Aufgabe ist Dieter Wedel die Nr. 1. Ich bin mir sicher: Mit der ihm eigenen Intensität wird er uns den notwendigen Schwung und die Begeisterung vermitteln, die wir alle für die Neuausrichtung der Festspiele brau-chen!“

Holk Freytag, der im Sommer entlassene Vorgänger Wedels, wollte die Personalie des neuen Intendanten gestern nicht kommentieren. „Was soll ich dazu sagen? Das wäre nicht dienlich“, erklärte Freytag gestern, der bereits arbeitsrechtliche Schritte gegen die Stadt eingeleitet hat. „Das geht jetzt seinen juristischen Gang.“

Thomas Fehling

Zur Verpflichtung von Dieter Wedel als neuem Intendanten der Bad Hersfelder Festspielen erklärte Helgo Hahn, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine: „Den muss man so nehmen, wie er ist. Aber man muss ihm auch eine Chance geben.“

Der Förderverein hatte sich zuletzt kritisch zum Event-Charakter der viele Jahr von Wedel geleiteten Nibelungenfestspiele in Worms geäußert. Für Bad Hersfeld äußerte Hahn die Hoffnung, „dass Wedel hält, was man sich von ihm verspricht.“

Klar sei jedoch, dass die Gesellschaft nicht den Intendanten aussuche und dass sie mit Wedels Vorgängern stets gut zusammengearbeitet habe. Hahn stellte rückblickend fest, dass die Art und Weise, wie die Stadt mit dem entlassenen Intendanten Holk Freytag umgegangen sei, „nicht richtig war“.

Vier Jahre Aufbauarbeit würden nun per Handstreich vernichtet, befürchtet der Schauspieler Stephan Ullrich, einer der Sprecher des bisherigen Ensembles der Festspiele.

Ullrich ist einer von etwa 40 Mitwirkenden, die von Holk Freytag noch mit sogenannten vorvertraglichen Vereinbarungen für die kommende Spielzeit ausgestattet wurden und die diese Beschäftigungsverhältnisse jetzt einklagen wollen.

Obwohl bei jedem „Neustart“ eines Intendanten der komplette Wechsel des Ensembles üblich sei, müsse sich Dieter Wedel nun mit diesen Vorverträgen auseinander setzen, erläuterte Ullrich.

Sollten diese Anhörungsgespräche ergebnislos verlaufen, müsse das Bühnenschiedsgericht angerufen werden. Ullrich hat das Ensemble mittlerweile über den neuen Sachstand informiert.

Nun wolle man abwarten, was der neue Intendant bei seinem ersten Auftritt in Bad Hersfeld erkläre, sagte Ullrich und fügte hinzu: „Dieter Wedels Verpflichtung ist nicht das Ende der Fahnenstange, sondern der Anfang, weil nun die Juristen das Wort haben.“

Von Karl Schönholtz

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