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Interview im Riesenrad mit Intendant Joern Hinkel

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Joern Hinkel, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, bei der Fahrt im Riesenrad.
Joern Hinkel, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, bei der Fahrt im Riesenrad. © Kai A. Struthoff

In unserer Reihe „Eine Fahrt im Riesenrad mit ...“ sprach Kai A. Struthoff diesmal mit Festspiel-Intendant Joern Hinkel im „Movie-Star“ auf dem Lullusfest.

„Hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet groß und klein. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“ So hat Dichterfürst Goethe in seinem Osterspaziergang über Volksfeste geschrieben. Stimmen Sie ihm zu, Herr Hinkel?

Die Sonne scheint, man kann rausgehen und sich treffen. Es ist eine wundervolle Stimmung! Ich finde es vor allem schön, dass auch die Hersfelder, die nicht mehr hier wohnen, zu diesem Fest alle wieder zusammenkommen und sich wiedersehen.

Als frischvermählter Ehemann brauchen Sie vermutlich kein Riesenrad, um sich wie im 7. Himmel zu fühlen?

Nein, aber in der Tat war ich mit meiner Frau und ihrer Tochter in der vergangenen Woche im Riesenrad auf dem Marburger Elisabethmarkt. Aber hier ist es noch höher und die Aussicht auf die Stadtkirche und die Stiftsruine ist fantastisch!.

Sie haben kurz vor Ende einer herausfordernden Spielzeit hier in Bad Hersfeld geheiratet. Warum haben Sie ausgerechnet diesen Termin gewählt?

Weil wir uns lieben und weil wir unbedingt heiraten wollten – deshalb haben wir diesen Termin gewählt. Außerdem waren durch die Festspiele so viele Freunde und Kollegen in der Stadt. Meine Frau hat nach den Sommerferien eine Schulleitung übernommen. Deshalb war es der einzige Moment, der passte. Insgeheim hatte ich gehofft, dass alles etwas ruhiger ist, wenn die Festspiele erst mal laufen, aber dem war dann doch nicht so. Es war trotzdem ein zauberhaftes Fest.

Wohin fährt ein Intendant denn eigentlich in die Flitterwochen? Nach Salzburg, Bayreuth, Bregenz?

(lacht) Noch wissen wir das nicht so genau, aber wir holen die Flitterwochen auf jeden Fall nach – irgendwo, wo es kein Theater gibt.

Schauspieler und Schausteller – das klingt ja nicht nur ähnlich, sondern die Berufe sind ähnlich: Beide sind ständig auf Achse, um Menschen ein paar schöne Stunden zu bereiten.

Es gibt tatsächlich viele Gemeinsamkeiten. Bei meiner Hochzeit hat mein Vater eine Rede gehalten und erzählt, dass eines meiner ersten Erlebnisse ein Besuch im Zirkus war. Das ist ja auch ähnlich. Damals habe ich gesagt, das möchte ich auch mal machen. Wir alle bereiten Menschen Freude, beim Theater versuchen wir, vielleicht noch etwas mehr Inhalte zu vermitteln und Fragen zu stellen. Aber wir kommen aus einer ähnlichen Welt.

Corona hat in diesem Jahr nicht nur die Bad Hersfelder Festspiele vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Bundesweit gehen deutlich weniger Besucher zu Volksfesten, Festspielen, Festivals und ins Theater. Wie werden Sie darauf reagieren?

Wir können nicht den Kopf in den Sand stecken und diese Entwicklung verleugnen. Die Frage ist, wie lange das so bleibt. Aber natürlich werden wir mit dem Spielplan darauf reagieren. Genau darüber diskutiere ich zurzeit mit den Bad Hersfelder Stadtpolitikern. Trotzdem werden wir versuchen, eindrucksvolle Stücke auf die Bühne zu bringen. Wir haben ja den Vorteil, dass wir unter freiem Himmel spielen. Die geschlossenen Häuser sind sehr viel härter betroffen. Gemessen daran, können wir sehr zufrieden sein.

Wir hören, dass Sie darüber nachdenken, die Festspiele zeitlich zu verkürzen und auch weniger Stücke auf die Bühne zu bringen. Stimmt das?

Das sind alles Überlegungen. Es hängt viel davon ab, in welchem Umfang Bund, Land und Stadt bereit sind, uns finanziell unter die Arme zu greifen. Die Stadt trägt als Veranstalter natürlich das Risiko. Außerdem wird alles teurer: das Personal, das Material, die Energie. Und wir müssen davon ausgehen, dass weniger Zuschauer kommen, als vor der Pandemie. Deshalb müssen wir vielleicht das Angebot zurückschrauben, wir wollen aber auf keinen Fall an der Qualität sparen. Es gibt verschiedene Pläne, die letzte, nicht einfache Entscheidung liegt bei der Politik.

Ich weiß, dass Sie mir diese Frage nicht beantworten werden, trotzdem frage ich: Wie wird denn der Spielplan für die nächste Saison aussehen?

Er wird umwerfend sein. Wir werden in der Tat ein Stück aus dem klassischen Theaterkanon spielen, das hatte ich ohnehin vor, das war nach all den Jahren mit anderen Stücken jetzt auch mal wieder dran. Wir werden nicht den Jedermann spielen. Aber wir werden einen Spielplan haben, der den Hersfeldern sehr gefallen wird.

Sie versuchen normalerweise ja auch immer die politische Stimmung aufzugreifen ...

Die meisten klassischen Stücke zeichnen sich dadurch aus, dass sie zeitlos sind und wichtige Themen ansprechen. Wir haben jedenfalls ein Stück gewählt, was sehr gut in die Zeit passt.

Wie viele Runden Riesenrad müssen wir beide noch fahren, bevor Sie mir verraten, was gespielt wird und welche Darsteller kommen?

(lacht) Ungefähr 14 328 Runden! Aber im Ernst: Die beiden Hauptstücke stehen fest, was außenrum passiert, ist eine politische Entscheidung. Sobald die getroffen ist, werden wir sie auch veröffentlichen. Ich denke, dass wir Anfang bis Mitte November den Spielplan bekannt geben können.

Zur Person: Joern Hinkel

Joern Hinkel wurde 1970 in Berlin geboren. Er studierte an der Bayerischen Theaterakademie Opern- und Theaterregie bei August Everding und inszenierte zahlreiche Opern, Theaterstücke, aber auch Kurz- und Dokumentarfilme. Seit dem Jahr 2000 arbeitete er mit Regisseur Dieter Wedel zusammen, mit dem er auch nach Bad Hersfeld kam. Seit Wedels Rücktritt Ende Januar 2018 ist Joern Hinkel Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Joern Hinkel ist Vater eines Sohnes. In diesem Jahr hat Hinkel geheiratet.  (kai)

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