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Interview mit Feuermeister Klaus Otto zum Auftakt des Lullusfests

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Feuermeister Klaus Otto
Feuermeister Klaus Otto.jpg © TVReportage Peter Klein

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause beginnt heute wieder in Bad Hersfeld das Lullusfest. Darüber freut sich ganz besonders Feuermeister Klaus Otto, der zwei Jahre zur Untätigkeit verdammt war.

Bad Hersfeld – Über seine Vorfreude auf das älteste Volksfest Deutschland und die Möglichkeit einer Frau als Feuermeister sprach Kai A. Struthoff mit Klaus Otto.

Herr Otto, was macht ein Feuermeister ohne Lollsfeuer?

Viel Spaß hat das nicht gemacht in den letzten zwei Jahren. 2020 war das bitterste Jahr, weil es nicht mal ein Minifeuer gab, obwohl man durchaus etwas hätte machen können. Ich habe damals zwar eine Mini-Rede geschrieben, die auch online ausgestrahlt wurde. Aber da steht man dann als Feuermeister am Lollsmontag auf einem leeren Linggplatz und hat feuchte Augen. Aber wir hatten nun mal diese Pandemie, die Entscheidungen wurden von den Gremien und Behörden getroffen, und da hat man sich zu fügen.

Als Feuermeister sind Sie auch so eine Art Außenminister des Lullusfests und repräsentieren die Stadt bei Terminen auswärts. Gab es die überhaupt?

Nein, auch da ist ja alles ausgefallen. Es gab vereinzelte Kontakte zu den Schaustellern, wenn die mal hier in Bad Hersfeld waren. Alsfeld, in Fulda, der Hessentag, der Empfang beim Ministerpräsident in Wiesbaden – alles ausgefallen. Aber wir hatten Lolls im Herzen, mit einer kleinen Feuertonne, aber ansonsten war es sehr, sehr, sehr traurig.

Es wurde ja viel darüber diskutiert, dass das Lullusfest in seiner über 1000-jährigen Geschichte angeblich nie ausgefallen ist. Glauben Sie, dass die Zwangspause das Lullusfest beschädigt hat?

Schaden genommen hat unser Fest ohne Frage. Das Lullusfest kann man aber nicht mit dem Oktoberfest vergleichen. Wir haben hier das älteste Volksfest Deutschlands und niemand weiß so genau, ob es nicht auch früher schon einmal ausgefallen ist. Aber eins kann man schon jetzt sagen: Die Menschen freuen sich, sie sind sogar richtig heiß auf Lolls. Da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht ein richtig tolles Lullusfest feiern werden.

Für Sie hat sich ja auch privat in den vergangenen zwei Jahren einiges verändert: Was macht der Feuermeister, wenn er nicht Feuermeister ist?

Ich habe in diesem Jahr noch mal meinen Arbeitsplatz gewechselt und arbeite jetzt für eine andere Bäckerei als vorher. Ich wohne jetzt mit meiner Partnerin seit zwei Jahren in der Sternerstraße und fühle mich dort sauwohl. Wenn ich auf meinen Balkon gehe, dann sehe ich von dort beide Türme: die Stadtkirche und die Stiftsruine. Und jetzt sogar auch noch das Riesenrad. Was will man mehr?

Sie arbeiten ja im Verkauf und haben dadurch viel Kontakt zu den Menschen. Wie nehmen Sie die Stimmung zurzeit wahr?

Viele Menschen erkennen mich und sprechen mit an. Nach zwei Jahren Corona und angesichts des Kriegs und der Energiekrise sind viele Menschen verzweifelt, grimmig, böse. Aber der überwiegende Teil der Hersfelder steht hinter dem Fest und hinter der Stadt. Das macht schon warm ums Herz.

Alle Großveranstaltungen wie etwa die Festspiele, aber eben auch das Oktoberfest und andere Events haben Schwierigkeiten, an die Besucherzahlen von vor Corona anzuknüpfen. Was erwarten Sie für das Lullusfest?

Die Besucherzahl von 2019 werden wir wahrscheinlich in diesem Jahr nicht erreichen. Wir liegen ja normalerweise immer so zwischen 400 000 und 500 000 Gästen., je nach dem, wie das Wetter ist. Aber es gibt auch immer noch viele Menschen, die sehr vorsichtig sind. Das sieht man auch daran, dass viele wieder in den Innenräumen ihre Masken tragen. Sie meiden sicher eher große Menschenansammlungen. Die Angst spielt noch immer eine Rolle. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir ein gutes Lullusfest haben werden, und allen Vorhersagen nach, ist uns auch der Wettergott hold. Ich freue mich jedenfalls auf Montag und die ganze nächste Woche.

Vermutlich werden es am Montag aber auch einige wieder richtig krachen lassen und mit Alkohol über die Stränge schlagen. Wie macht das eigentlich der Feuermeister? Sie müssen doch überall mittrinken?

Es gibt einen kleinen Trick, der aber auch nicht immer funktioniert – da bin ich ehrlich. Ich muss natürlich das eine oder andere Lullusfeuer mittrinken, das gehört einfach dazu. Aber zwischendurch darf man dann kein Bier oder Sekt trinken, sonder nur Mineralwasser, eine Tasse Kaffee und vor allem muss man auch gut was essen. Wenn man das beherzigt, kommt man meist ganz gut über die Runden. Am Abend, wenn die Termine rum sind, dann trinke ich aber auch gern noch ein Bierchen.

Blicken wir noch mal in die Zukunft: Die Amtszeit des Feuermeisters ist ja nicht begrenzt, sondern darüber entscheidet der jeweilige Amtsinhaber. Wann geben Sie die Fackel weiter?

Das ist eine Herzensangelegenheit – das ging, glaube ich, jedem anderen Feuermeister vor mir genauso. Irgendwann haben alle gesagt: Es reicht. Dafür gibt es viele Gründe. Solange es aber noch Spaß macht, ist es für mich aber auch eine Ehre, dieses Amt zu bekleiden. Ich bin jedenfalls noch ganz fit und kräftig, mir macht es noch sehr viel Spaß.

Bad Hersfeld hat ja nun zum ersten Mal eine Bürgermeisterin. Wäre es da nicht auch Zeit für eine Feuermeisterin?

Wir haben ja schon eine kleine Kastanienmeisterin, die süße Miley, die ihre ersten Auftritte bereits ganz toll absolviert hat. Das ist der Gang der Dinge. Genauso wie sich Anke Hofmann klar durchgesetzt hat und jetzt unsere neue Bürgermeisterin wird. Das finde ich toll. Vielleicht bewirbt sich um das Amt ja auch demnächst eine Frau und dann steht irgendwann auch eine Feuermeisterin auf dem Podest und übergibt die Fackel.

Zur Person:

Klaus Otto (56) ist gebürtiger Hersfelder und gelernter Fleischermeister. Otto arbeitet als Bäckereifachverkäufer für eine große Bäckerei in Bad Hersfeld. Otto hat zwei erwachsene Töchter und lebt mit seiner Partnerin in der Sternerstraße in Bad Hersfeld. Seine große Leidenschaft ist das Lullusfest, in das er auch außerhalb der Lolls-Woche viel Zeit investiert. In seiner Freizeit geht Klaus Otto aber auch gern wandern und fährt viel Fahrrad. 

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