MONTAGSINTERVIEW

Heide Aust zu Red Castle Run und Lollslauf: „Alternative ist immer besser als Absage“

Das Bild zeigt Heide Aust auf einer Bank im Schilde-Park.
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„Eine Alternative ist immer besser als eine Absage“, sagt Heide Aust, Inhaberin der Sportagentur Speed, mit Blick auf den Red Castle Run und den Lollslauf unter Corona-Bedingungen.

Ob Red Castle Run oder Lollslauf: Eine coronagerechte Alternative ist immer besser als eine Absage, hat Heide Aust von der Sportagentur Speed schon 2020 festgestellt.

Rotenburg/Bad Hersfeld – In Rotenburg steht der Hindernislauf Red Castle Run am 29. August kurz bevor. In Bad Hersfeld soll der Lollslauf an den ersten beiden Oktober-Wochenenden stattfinden. Wir haben mit Heide Aust über die Organisation solcher Sportveranstaltungen unter Corona-Bedingungen gesprochen. Aust ist Inhaberin der Sportagentur Speed, die den Red Castle Run veranstaltet und beim Lollslauf den Skiclub Neuenstein als Veranstalter unterstützt.

Der Red Castle Run wurde 2020 abgesagt. Aber der Lollslauf hat „mal anders“ stattgefunden. Welche Erfahrungen haben Sie mit Corona-Veranstaltungen bisher gemacht?

Wir haben grundsätzlich sehr positive Erfahrungen mit jeglicher Form von anderen Veranstaltungen gemacht. Viele sind einfach froh, wenn überhaupt etwas stattfindet und jede Alternativveranstaltung wird freundlicher und positiver aufgenommen als eine Absage. Das kann man ganz klar so sagen. Für das abgewandelte Lollslaufkonzept gab es letztes Jahr sehr viel Lob, zumal rundherum alle anderen ähnlichen Veranstaltungen abgesagt wurden. Großes Lob gilt deshalb auch dem Skiclub Neuenstein – für die Helferrekrutierung und den Mut, es anzugehen.

In all den Jahren zuvor wurde man zwar positiv in der Presse wahrgenommen, von den Teilnehmern hörte man allerdings nur selten etwas. Nach dem „Lollslauf mal anders“ haben wir plötzlich auch von Teilnehmern ganz viele nette Anrufe und Dankesbriefe bekommen. Das hat uns schon überrascht und natürlich auch gefreut, denn in der Regel melden sich ja eher diejenigen, die etwas zu kritisieren haben. Das gibt Schub und Motivation für weitere Alternativkonzepte.

Der Red Castle Run konnte 2020 leider nicht kurzfristig umgeplant werden, da wir alle Hindernisse coronagerecht hätten umbauen müssen, sodass diese ohne fremde Hilfe bewältigt werden können. Außerdem waren zu dem Zeitpunkt keine Veranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern erlaubt. Umso mehr freut es uns, dass es dieses Jahr klappt.

Beide Veranstaltungen sind sicher nicht mit den Olympischen Spielen oder der Fußball-EM zu vergleichen. Trotzdem kann man sich fragen: Muss das sein?

Nichts muss sein, das ist klar. Aber gerade die Kinder und Jugendlichen sind überhaupt nicht mehr an sportliche Aktivitäten gewöhnt und müssen aufgefordert werden, sich zu bewegen. Sonst wird uns die Corona-Pandemie noch in 20 Jahren richtig beschäftigen, wenn wir nämlich noch mehr übergewichtige Menschen haben als ohnehin schon. Wir brauchen den Mut, sportliche Bewegung anzuregen. Es muss also nicht sein, aber es kann sein. Wir sind an der frischen Luft, richten uns nach jeglichem Regelwerk und lassen Vorsicht walten. Das Risiko kann und muss dann jeder Einzelne für sich abschätzen und entscheiden, ob er teilnimmt oder nicht. Wir bieten etwas an.

Was treibt Sie als Veranstalterin an, solche Events trotz strenger Auflagen und fehlender Planungssicherheit auszurichten?

Das ist eine gute Frage. Wenn man eine Veranstaltung, die man 2019 organisiert hat, mit einer in 2020 vergleicht, muss man für die gleiche Teilnehmerzahl die doppelte Arbeit aufwenden. Man kann heute keine Veranstaltung nur mit einer Möglichkeit A planen, man muss mindestens Alternative B immer schon mit planen. Das kostet mehr Zeit und Geld. Aber ich brenne einfach für solche Veranstaltungen und dafür, den Menschen positive Erlebnisse zu verschaffen und sie aus der Corona-Lethargie herauszuholen. Und das möchte ich auch weiterhin tun. Sonst könnten wir das auch nicht weitermachen und müssten aufgeben. Denn leicht ist es für die Veranstaltungsbranche gerade nicht.

Der Red Castle Run konnte kurzfristig von 650 auf 1000 Teilnehmer aufgestockt werden, weitere Änderungen etwa zur Testpflicht sind jederzeit möglich. Wie viel aufwendiger ist die Planung in Corona-Zeiten?

Man muss tatsächlich vom doppelten Aufwand beziehungsweise doppelter Arbeitszeit ausgehen. Für den Red Castle Run 2021 haben wir schon im vergangenen August kurz nach der Absage für 2020 angefangen, die Hindernisse umzuplanen und das Anmeldewesen umzuprogrammieren, um Starts in Wellen zu ermöglichen. Und parallel zur aktuellen Planung muss man eben immer auch eine Alternative im Kopf haben, man muss die aktuelle Situation beobachten und auf jede Änderung reagieren können. Das sind Denkprozesse, die man so vorher nicht hatte. Es ist wesentlich mehr permanente Arbeit und es müssen mehr und immer wieder neue Entscheidungen getroffen werden.

Für den Lollslauf haben wir beispielsweise schon mit einer Testpflicht geplant, da er erst im Herbst stattfindet. Für den Red Castle Run ist ein Nachweis über die 3 G bisher nicht nötig. Da die aktuelle Verordnung aber nur bis 19. August gilt, könnte es jedoch sein, dass sich das kurzfristig doch ändert. Dafür wären wir vorbereitet. Dann würden alle Teilnehmer vorab informiert und wir hätten auch Testmöglichkeiten vor Ort.

Wie unterscheiden sich beide Events in der Vorbereitung?

Der Red Castle Run ist in der Vorplanung insofern deutlich aufwendiger, als dass wir mit viel mehr Behörden und Ämtern zu tun haben, da der Lauf in die Natur eingreift, wenn die Starter querfeldein und durch Wasser und Schlamm unterwegs sind. Außerdem müssen die Hindernisse gebaut und aufgebaut werden. Das alles entfällt bei einem Straßenlauf wie dem Lollslauf. Beim Lollslauf haben wir natürlich auch sehr viel mehr Routine, da dieser nun schon zum 22. Mal stattfindet. Der Red Castle Run hat erst ein Mal stattgefunden.

Gerade der Red Castle Run lebt eigentlich vom gemeinsamen Erlebnis, wenn sich die Teilnehmer gegenseitig über die Hindernisse helfen. Fehlt nun nicht der eigentliche Reiz?

Beim Red Castle Run geht es im Vergleich mit dem Lollslauf nicht um Zeiten und Sieger, sondern um das gemeinsame Erlebnis, das stimmt. Es fehlt in diesem Sinne sicher etwas. Das Teamerlebnis ist in diesem Jahr ein anderes, aber ich denke, es wird trotzdem noch als solches wahrgenommen, auch wenn man die Hindernisse allein überwindet. Beim Red Castle Run geht es in erster Linie darum, den Lauf gemeinsam zu schaffen und den inneren Schweinehund zu überwinden. Und das gilt so auch dieses Jahr. Aber natürlich wünschen wir uns, sobald wie möglich wieder zum Ursprung zurückkehren zu können.

Vor allem im Start-/Zielbereich war beim Lollslauf in Bad Hersfeld immer richtig viel los. Ein Wettbewerb ohne Zuschauer ist doch irgendwie öde, oder nicht?

Beim Lollslauf 2020 durfte alle drei Minuten nur ein Teilnehmer starten, das war in der Tat kein richtiger Wettkampfcharakter. Und wir haben bewusst keine Werbung fürs Zuschauen an der Strecke gemacht. Dieses Jahr wird sicher entlang der Strecke wieder mehr los sein, gerade im Kurpark. Und auch der Start in Gruppen und der Mannschaftslauf sind wieder möglich. Die Atmosphäre wird sicher noch eine andere sein als sonst, wenn 2000 Leute auf dem Linggplatz versammelt waren. Aber mehr Wettkampfstimmung und Eventcharakter wird sicher aufkommen, und ein Mittelweg ist besser als nichts.

Wie viele Helfer benötigen die beiden Events – und ist es in Pandemie-Zeiten noch schwieriger Ehrenamtliche zu finden?

Beim Red Castle Run ist der Hindernisbau das Aufwändigste, dafür brauchen wir von der ersten Schraube bis zum Wegräumen zurück ins Lager rund 250 Helfer. Beim Lollslauf werden an vier Wettkampftagen unterschiedlich viele Helfer benötigt. Beim Bambinilauf sind es „nur“ 30, bei den fünf und zehn Kilometern ungefähr 80. Aber der Skiclub Neuenstein ist ein großer Verein, der viele Freunde in anderen Vereinen hat. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir wie im vergangenen Jahr alle Helferpositionen besetzen können und sich genug Freiwillige finden. Teilweise rufen uns sogar Wildfremde an, die gerne helfen möchten. Wir wünschen uns natürlich Getestete, Geimpfte und Genesene, um auf der sicheren Seite zu sein, werden aber auch allen Helfern kostenlose Coronatests anbieten können.

Und wie sieht es mit der Teilnehmerzahl aus, gibt es genug Anmeldungen?

Für den Red Castle Run haben sich knapp 900 Starter angemeldet, das freut uns sehr. Einige Anfragen haben uns auch nach dem Anmeldeschluss noch erreicht, Nachmeldungen sind aus organisatorischen Gründen jedoch leider nicht mehr möglich. Aber 900 ist eine gute, der Situation angemessene Größe. Damit sind wir sehr zufrieden. Da sich die 900 Starter auf verschiedene Zeiten und Gruppen verteilen, muss niemand Angst haben.

Für den Lollslauf liegen uns jetzt zu Beginn der Anmeldephase rund 800 Anmeldungen vor. 50 Prozent der Startplätze für den Zehn-Kilometer-Lauf sind bereits vergeben. Wir sind optimistisch, dass wir auf eine sehr gute Starterzahl kommen werden und rechnen gerade bei fünf und zehn Kilometern mit vollen Starterfeldern. Nur bei den Bambini werden es sicher etwas weniger Teilnehmer sein als sonst, da die Kinder noch nicht geimpft und die Eltern deshalb noch zurückhaltend sind.

Wo würden Sie selbst lieber mitmachen – beim Red Castle Run oder Lollslauf?

(lacht) Ich würde auf jeden Fall lieber beim Red Castle Run an den Start gehen. Ich bin trotz meiner leistungssportlichen Schwimmervergangenheit keine Läuferin, schon gar nicht auf Zeit. Hindernisläufe habe ich aber selbst schon mitgemacht. Das hat Spaß gemacht, seine Grenze auszutesten, zum Beispiel in der Höhe oder bei Kälte. Beim Lollslauf würde ich, wenn dann gemeinsam mit meinen Kollegen am Mannschaftslauf teilnehmen. Aber als Veranstalter ist es einem schlicht nicht möglich, selbst mitzumachen. Leider. (Nadine Meier-Maaz)

Zur Person

Heide Aust (50) lebt in Neuenstein-Gittersdorf und arbeitet seit inzwischen fast 20 Jahren als selbstständige Event-Managerin. Sie ist Gründerin und Inhaberin der Sportagentur Speed, die sich vor allem auf die professionelle Ausrichtung breitensportlicher Großveranstaltungen spezialisiert hat. Aust ist außerdem Geschäftsführerin des Vereins SMOG (Schule machen ohne Gewalt), des Hessischen Basketball-Verbands und des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg. Sie hat in Finnland Polarforschung sowie Geografie und Politik in Gießen studiert, sich aber auch schon immer für Sport interessiert. Schon mit 14 Jahren war sie als Zeitungsreporterin für den Lokalsport unterwegs. 

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