Immer weniger Menschen glauben an Pech und Unglück

Ein Tag wie jeder andere: Freitag, der 13.

Der Schrecken lässt nach: Immer weniger Menschen glauben an Pleiten, Pech und Pannen an Freitag, dem 13. Foto: dpa Archiv

Bad Hersfeld. Menschen, die an Paraskavedekatriaphobie leiden, haben es heute schwer. Das Wortungetüm bezeichnet die Angst vor Freitag, dem 13., und leitet sich aus dem Griechischen ab (paraskeue=Freitag; dekatria=13; phobos=Angst). Im Landkreis scheint die Furcht allerdings nicht weit verbreitet zu sein.

Freitag, der 13., wird im Volksaberglauben mit Unglück und Missgeschicken in Verbindung gebracht. An diesem Tag scheint bei Betroffenen alles schief zu gehen. Dabei kann man in diesen Fällen höchstens von selbsterfüllenden Prophezeiungen sprechen. Das bedeutet, dass Betroffene sich so verhalten, dass sich die Erwartung zwangsläufig bewahrheitet. Auch werden Missgeschicke, die an anderen Tagen keine Bedeutung gehabt hätten, an einem Freitag, den 13., auf erhöhtes Pech zurückgeführt.

Nadine Johansson

Dabei passieren statistisch gesehen an besagten Freitagen nicht mehr Unfälle als an jedem anderen Tag auch. Das ergab eine Schadens-Statistik der Zurich Gruppe Deutschland. Das Gegenteil sei der Fall: An Freitagen, die auf einen 13. fallen, werden zehn Prozent weniger Schäden gemeldet als an allen anderen Tagen. Dabei ist der Freitag, wenn er nicht auf einen 13. fällt, durchschnittlich sogar der schadensreichste Tag der Woche.

Den Aberglauben an den Unglückstag gibt es noch gar nicht so lange. Er wurde im 20. Jahrhundert vor allem durch Filme, Bücher und die Medien und weniger durch tatsächlich schlimme Ereignisse populär. Allerdings ist der Glaube an das datierte Pech in den vergangenen Jahren immer seltener anzutreffen.

Das bestätigt auch Henri Begoin, Geschäftsführer des Dachdeckerbetriebes Begoin. In seinem Betrieb gebe es keinen Dachdecker, der an einem Freitag, den 13., mit mulmigem Gefühl aufs Dach steige. Auch habe es noch nie Kunden gegeben, die an diesem Tag ihr Dach nicht gedeckt haben wollten. „In meiner Lehrzeit war es aber schon noch ein Thema“, berichtet der Geschäftsführer.

Dass Freitag, der 13., heutzutage für fast alle wieder ein ganz normaler Tag ist, denkt auch Nadine Johansson aus Bad Hersfeld. „Früher habe ich diesem Datum noch etwas besorgter entgegengesehen, aber mittlerweile ist es ein Tag wie jeder andere“, berichtet die 36-Jährige. Auch für Wernhild Bär gibt es kein Datum, das man fürchten müsse. Auch in ihrem Umfeld gebe es niemanden, der dem Tag mit gemischten Gefühlen entgegensehe, erzählt die 72-Jährige.

Wernhild Bär

Freitage fallen auf keinen anderen Monatstag häufiger als auf den 13., davon gibt es in 400 Jahren – solange dauert eine Periode unseres gregorianischen Kalenders – genau 688 Stück. Die seltenste Kombination ist übrigens Mittwoch, der 31., die gibt es nur 398-mal innerhalb von 400 Jahren. Außerdem gibt es in jedem Kalenderjahr höchstens drei und mindestens einen Freitag, der auf einen 13. fällt.

Paraskavedekatriaphobikern helfen aber auch die positiven Statistiken nicht viel, um ihre Angst zu überwinden. Trotzdem haben sie bei einer Sache heute am Freitag, den 13., schonmal Glück gehabt, denn bis zum nächsten besagten Tag des Unglücks dauert es noch 283 Tage.

Von Lisa-Marie Seifert

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