Schauspielerin zeigt sich als kritischer Geist

Judy Winter im Musical "Cabaret" bei den Bad Hersfelder Festspielen

Hat jetzt schon Heimweh: Judy Winter, die bei den Bad Hersfelder Festspielen 2015 im Musical „Cabaret“ die Zimmerwirtin Fräulein Schneider spielt, in ihrer Berliner Wohnung am Kaiserdamm. Foto: Schönholtz

Berlin. Judy Winter gehört zum Ensemble der diesjährigen Bad Hersfelder Festspiele. Mit unserer Zeitung sprach sie über ihr Engagement und ihre Rolle im Musical "Cabaret".

Wenn Judy Winter über ihr Engagement bei den Bad Hersfelder Festspielen spricht, dann zeigt sie sich als kritischer Geist. Denn das „rechte Hersfeld“ der 80er Jahre, jenes unwürdige Kapitel Festspiel-Vergangenheit, das in der zeitweiligen Verbannung der Schauspielerin Eva Renzi gipfelte, das ist in Künstler-Kreisen nicht vergessen. „Ich wusste schon, warum ich bisher keine besondere Sehnsucht nach Bad Hersfeld hatte“, erinnert Winter an die damaligen SS-Treffen und die Auseinandersetzungen mit dem Ensemble.

Winter, die im Festspielsommer 2015 im Musical „Cabaret“ die Rolle der Zimmerwirtin Fräulein Schneider singen und spielen wird, ist jedoch nicht unversöhnlich: „Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen.“

Sich selbst überzeugen muss sie mit ihrem ersten Bühnenauftritt unter freiem Himmel. Open Air, das ist neu für Judy Winter, die den Tipp mit der Thermo-Unterwäsche für die Proben in kalten Mai-Nächten gern annimmt.

Auf die Stadt und ihre Festspiele wird sie sich einlassen und ab Mai ein festes Quartier unweit der Stiftsruine beziehen. „Heimweh nach Berlin habe ich aber schon jetzt“, bekennt sie mit einem Lächeln und nimmt dankbar zur Kenntnis, dass die Bahnverbindungen in die Hauptstadt exzellent sind.

Was ihre Rolle angeht, ist Judy Winter zurzeit noch ein wenig im Ungewissen. Mit Regisseur Gil Mehmert hat sie noch nicht zusammengearbeitet. Zwar hat sie bereits eine Vorstellung entwickelt, wie „ihr“ Fräulein Schneider angelegt sein könnte – „Nicht so eindimensional“ – , aber sie ist überzeugt: „Wir werden uns finden.“ Mit Christoph Wohlleben, dem musikalischen Leiter des Musicals, hat sie sich kurz vor Ostern bereits verständigen können: „Wir haben uns gar nicht gesucht, sondern gleich gefunden.“

Judy Winter, die sich selbst als „Jazz-Freak“ bezeichnet, ist als kritischer Geist auch eine Verfechterin gewisser Qualitätsansprüche. Dass sich auch in ihrer Branche die Grenzen ständig nach unten verschieben und im Fernsehen – wie sie kürzlich vom Krankenlager leidvoll erfahren musste – stundenlang Flachsinn verbreitet wird, das lässt sie „fassungslos“ staunen. Den Glauben hat sie dennoch nicht verloren: „Qualität setzt sich durch.“

Sie selbst würde gerne etwas weniger arbeiten, räumt jedoch mit einem Schmunzeln ein: „Aber ich kann es nicht. Ich habe Angebote und es gibt Rollen“, sagt sie und verweist nicht zuletzt auf die Aussage von Festspielintendant Dieter Wedel, der sie schon seit Längerem verpflichten wollte. „Jetzt hat’s geklappt“, sagt Judy Winter.

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