Jugendschöffengericht

18-Jähriger aus dem Werratal gesteht in 16 Anklagepunkten

Klares Geständnis, klare Strafe: Vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld konnte einvernehmlich verhandelt und geurteilt werden.

16 Anklagepunkte von der versuchten Brandstiftung bis zur gefährlichen Körperverletzung wurde einem jungen Mann aus dem Werratal vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld zur Last gelegt – und der 18-Jährige gestand jeden einzelnen ohne Umschweife ein.

Damit überraschte er die Vorsitzende, Amtsgerichtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock und die beiden Schöffen genauso wie Staatsanwältin Lambiel. Denn die Aktenlage zeichnete das Bild eines Heranwachsenden, der sofort ausrastet, wenn ihm etwas gegen den Strich geht: Besagte Brandstiftung an einem Schulgebäude, Schläge und Tritte gegen einen Mitschüler, der dadurch einen Jochbeinbruch erlitt, eine Prügelei mit dem Vater, drei eingetretene Türen, eine eingeworfene Schaufensterscheibe und die Beleidigung eines Polizisten als „Drecksbulle“ waren verzeichnet. Dazu etliche Diebstähle bei Privatleuten und in Geschäften plus ein Hausfriedensbruch. Tatorte waren Bad Hersfeld, Rotenburg, Ludwigsau und der Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Doch die lange Liste der Straftaten war wohl dem Drogenkonsum, schlechtem Umgang und einer labilen Persönlichkeit geschuldet, Letztere möglicherweise die Folge einer Krankheit, die der junge Mann durch den übermäßigen Alkoholgenuss seiner Mutter schon als Ungeborener erlitt. Umso beeindruckender sein Auftreten vor Gericht: In ruhigem Ton, seit einem Jahr drogenfrei und stabilisiert durch eine feste Partnerin, stellte sich der Angeklagte mit Unterstützung seines Verteidigers Christian Kusche den Vorwürfen. Unterfüttert wurde seine Läuterung durch den Bericht der Jugendgerichtshilfe.

So kam der 18-Jährige am Ende mit zwei Wochen Dauerarrest, 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und drei Besuchen bei der Suchtberatung davon. Ein Anti-Aggressionstraining steht ebenfalls noch aus. Vom Vorwurf der Brandstiftung wurde er freigesprochen: Er hatte noch rechtzeitig einen Rückzieher gemacht. Das Urteil ist rechtskräftig. 

Hintergrund

Der Angeklagte aus dem Werratal ist Ende 2018 volljährig geworden, war also bei einem Teil der Taten Heranwachsender. Bis zum 21. Lebensjahr kann das Gericht je nach Reife der Person entscheiden, ob noch das mildere Jugend- oder schon das schärfere Erwachsenenrecht angewendet wird. Im Jugendrecht steht im Übrigen der Erziehungsgedanke über der Bestrafung. Zuchtmittel wie Freizeit- (Wochenende) oder Dauerarreste sind Vorstufen einer Haftstrafe.

Quelle: Hersfelder Zeitung

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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