Schläger mit kurzer Lunte

Jugendschöffengericht: Prozess wegen Gewalt ohne Anlass

Symbolbild Gericht HNA
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Vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld mussten sich zwei Minderjährige verantworten. Es ging um Gewalttaten ohne nachvollziehbaren Anlass.

Der Angeklagte habe „eine ganz kurze Lunte“, sagte Frank Müller, Jugendsachbearbeiter bei der Polizei Bad Hersfeld, in einem Prozess vor dem örtlichen Jugendschöffengericht, in dem es wie häufig in den vergangenen Wochen um Gewalttaten ohne nachvollziehbaren Anlass ging.

Verantworten mussten sich zwei 17 und 16 Jahre alte Jugendliche, die im April vergangenen Jahres in der Breitenstraße in Bad Hersfeld einen weiteren jungen Mann mit Fäusten traktiert und getreten hatte. Aggressor war dabei der Ältere, der vor Gericht allen Ernstes aussagte, der andere habe ihn nach vorausgegangenen Beleidigungen „angegrinst“. Als dann die Fäuste flogen, kam der 16-Jährige zufällig des Weges und wollte seinem Kumpan „helfen“, in dem er auch mal zutrat.

„Es bringt nichts, wenn ich einen auf die Nase haue, und keiner hat’s gesehen“, beschrieb Polizist Müller im Zeugenstand das Motiv der Schläger, die eigene Reputation als Bösewicht zu verteidigen oder auszubauen.

Mitte Mai 2019 kam es dann zu einem weiteren Vorfall im Jahnpark, bei dem der 17-Jährige einen zwei Jahre jüngeren Jugendlichen zunächst verwechselte, ihm dann aber mit seinem Tretroller zweimal absichtlich über die Füße und in die Hacken fuhr. Als der Jüngere flüchtete, ging der Schläger hinterher, brachte sein Opfer zu Fall und verpasste ihm zwei Faustschläge an den Kopf.

Auch ein dritter Tatkomplex betraf alleine den 17-jährigen Hersfelder, der demnächst eine Berufsausbildung beginnen möchte. Im Verlauf des Jahres 2018 hatte er laut Anklage von Staatsanwältin Natalia Fuchs an einer Schule in Wabern bei vier Gelegenheiten ein Mädchen sexuell belästigt. Untermauert wurde der Vorwurf durch ein von ihm selbst gedrehtes Handyvideo, auf dem sein Finger über der Kleidung im Schritt der Mitschülerin zu sehen ist.

Die Zeugin war allerdings trotz Ladung nicht zum Prozesstermin nach Bad Hersfeld gekommen. Auch der Verprügelte im Fall Breitenstraße fehlte, außerdem mehrere weitere Zeugen – nur ein Teil davon entschuldigt. Nach kurzer Beratung mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung verkündte Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock, dass das Verfahren gegen den 17-Jährigen abgetrennt und zu einem späteren Zeitpunkt neu und zusammen mit einer weiteren Anklage verhandelt wird.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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