Zwei Wochen Arrest

Jugendschöffengericht verwarnt 19-Jährigen aus Bad Hersfeld nach Prügelattacke

Symbolbild zum Thema Randgruppen bzw. gewaltbereite Jugendliche, Gewalt bei Jugendlichen, Gerangel bei Jugendlichen: Zwei 14-jährige Jugendliche während einer Rangelei (Zoomeffekt)
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Symbolbild zum Thema Gewalt.

Zwei Wochen Dauerarrest erwarten einen heute 19-Jährigen aus Bad Hersfeld, der zugab, einen Bekannten mehrfach geschlagen und bedroht zu haben.

Bad Hersfeld- Der 19-Jährige wurde jetzt wegen versuchter räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung, Körperverletzung und einem Verstoß gegen das Waffengesetz vom Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld verwarnt. Außerdem muss der junge Mann, der offenbar aus sehr problematischen Familienverhältnissen kommt, ein Anti-Aggressionstraining absolvieren.

Der vor Gericht wortkarg und schüchtern auftretende Angeklagte galt zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher beziehungsweise Heranwachsender.

Gleich drei Anklagen hatte die Staatsanwältin zu Beginn der Verhandlung zu verlesen, die Schwerwiegendste: Am 24. September 2019 soll der junge Mann in Bad Hersfeld einen guten Bekannten quasi aus dem Bett geklingelt und aufgefordert haben, vor die Tür zu kommen, wo es sogleich Faustschläge setzte. Zudem forderte er das Opfer auf, ihm 5000 Euro aus einem Motorradverkauf auszuhändigen und drohte, ihn zu „stechen“ und ihm einen Finger abzuschneiden. Der inzwischen 20-Jährige erlitt nicht unerhebliche Verletzungen am Auge, an der Lippe und an den Händen, bevor er zu einem Nachbarn flüchten konnte.

Grund für die Attacke seien Gerüchte gewesen, die der Geschädigte verbreitet haben soll, was dieser als Zeuge vor Gericht allerdings zurückwies. Er gab zudem an, noch immer unter dem Erlebten zu leiden und nachts nicht mehr unbeschwert rausgehen zu können.

Darüber hinaus musste sich der Angeklagte wegen dreier Ohrfeigen und Bedrohung verantworten. Dieser Vorfall hatte sich bereits am 31. Oktober 2018 in der Schule ereignet, wo es Streit um einen Sitzplatz gab. Richtig wehgetan hätten die Schläge mit der flachen Hand allerdings nicht, winkte der in diesem Fall Geschädigte nun ab, der auch freimütig einräumte, den Angeklagten bewusst provoziert zu haben.

Bei einer Durchsuchung der Polizei war am 4. Dezember 2019 außerdem ein verbotenes Butterflymesser unter der Matratze des 19-Jährigen gefunden worden.

Über seinen Anwalt Artak Gaspar, dem er laut Gericht viel zu verdanken habe, gab der Bad Hersfelder alle Vorwürfe vollumfänglich zu. Dass er einem ersten Gerichtstermin und einem Gesprächstermin bei der Jugendgerichtshilfe unentschuldigt ferngeblieben war, begründeten sie mit einem nicht gemeldeten Wohnsitzwechsel innerhalb der Familie, in der die Post wohl nicht weitergereicht werde. „Mein Mandant ist kein übler Mensch, er muss eher geführt als bestraft werden“, so der Verteidiger.

In der Urteilsbegründung zeigte Richterin Michaela Kilian-Bock dann auch durchaus Verständnis für die Situation des 19-Jährigen. Aber: „Bei so einer brutalen Aktion kann es nicht beim Anti-Aggressionstraining bleiben, da muss eine spürbare Strafe folgen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Nadine Maaz)

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