Bad Hersfelder Festspiele: Das Kinderstück gefiel den jungen Zuschauern

"Die Eule": Keine Angst vor Ungeheuern bei den Festspielen

Klarer Blick: Gretchen (Amelie Trümner) spielt gerne mit ihren Stofftieren und Puppen in der alten Scheune und entdeckt dort die Eule, der sie helfen möchte. Foto: Thomas Landsiedel

Bad Hersfeld. Ein wenig unheimlich ist es ja schon, das Kinderstück der Festspiele „Die Eule“, das jetzt mit kleiner Verspätung Premiere feierte. Und spannend ist es und ganz schön dramatisch und lustig und auch traurig – auf jeden Fall ist es toll, da sind sich die Kinder der Grundschule aus Schlitz einig, die die erste Vorstellung im Buchcafé besuchten.

Einfühlsam begleitet von Erzählerin Franziska Reichenbacher erleben sie sehr aufmerksam eine Geschichte, in der es um Wahrnehmung und Wahrheit geht, um Selbstdarstellung und die Macht der Einbildung, um Freundschaft und Mitgefühl, um Geschäftemacherei und auch darum, wie wir mit dem Fremden und Unbekannten umgehen.

All das wird nicht dick aufgetragen oder mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern eben spannend und lustig und sehr kindgerecht. Dass es zwischendrin ein paar Scherze gibt, die eher die Erwachsenen in Publikum verstehen, zeichnet ein gutes Kinderstück aus, an dem auch begleitende Eltern und Großeltern und Großeltern ihre Freude haben sollen.

Joern Hinkel und Markus Majowski bevölkern die Bühne mit einer ganzen Reihe skurriler Figuren. Und weil Kindertheater so viel Spaß macht, spielen sie auch selbst mit. Majowski zum Beispiel als Vater, der einerseits überbesorgt ist, andererseits aber weder zuhört noch sich Zeit nimmt für seine Tochter. „Den Vater kenn ich aus dem Fernsehen“, freut sich ein Mädchen nach der Vorstellung über den prominenten Darsteller.

Vielbeschäftigt und doch sehr liebevoll ist auch die von Ute Reiber gespielte Mutter. Victoria Spindler gibt eine österreichisch sprechende, sehr geschäftstüchtige Wirtin, Peter Englert ist Fitnesstrainer und stellvertretender Bürgermeister und außerdem noch ein – nicht ganz so – tapferer Ritter. Ein wunderbares Paar sind Joern Hinkel als Meister Mollig und Christopher Seban als ein Lehrling Fritz, beide faul, beide großmäulig und beide einer guten Mahlzeit sehr zugetan.

Die Stars der Aufführung sind aber die Darstellerinnen des „Gretchen“. Die Premiere spielte Amelie Trümner sehr anrührend. Voll Mitgefühl für Tiere, mutig und ängstlich zugleich und immer bemüht, für ihre Freundin, die Eule, einzutreten, zeigt sie sehr eindrucksvoll, dass das Wagnis, die Hauptrolle mit einem Kind zu besetzen, gut gegangen ist. Sie wechselt sich in den kommenden Vorstellungen ab mit Paula Waap und Pauline Noth. Alle drei Mädchen haben gemeinsam geprobt und zeigen viel darstellerisches Talent.

Das Bühnenbild hat Ella Späte mit wenigen, aber wirkungsvollen Requsiten gestaltet. Gretchens Welt in der Scheune wirkt durch einen durchsichtigen Vorhang hindurch ein wenig entrückt, die reale Welt ihrer Eltern und das Gasthaus wird durch rollbare Kisten dargestellt, die bei Bedarf an die Seite geschoben werden. Die Kostüme verweisen in die 50er Jahre, in eine nicht allzu ferne Vergangenheit. Auch hierfür zeichnet Ella Späte verantwortlich.

Als poetische Klammer zieht sich das Eulenlied von Joern Hinkel durch das ganze Stück.

Der Applaus ist, wie bei Kinderstücken üblich, kurz und heftig, doch die Begeisterung der Kinder groß.

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