Die Tourist-Infos im Landkreis hatten bis zuletzt geöffnet – ein Blick ins Innere

Keine Zeit für Stillstand im Tourismus

Annika Burghardt von der Tourist-Info hat Besuchern bis zum harten Lockdown persönlich oder telefonisch weitergeholfen, der Alltag mit vollem Besucherraum fehlt ihr aber trotzdem.
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Annika Burghardt von der Tourist-Info hat Besuchern bis zum harten Lockdown persönlich oder telefonisch weitergeholfen, der Alltag mit vollem Besucherraum fehlt ihr aber trotzdem.

Was tut eine Tourist-Information, wenn keine Touristen kommen? Wir haben in Bad Hersfeld und Rotenburg nachgefragt.

Hersfeld-Rotenburg – Die Coronakrise wütet, Hotels dürfen keine Touristen beherbergen, Theater und Museen bleiben leer, nur die Tourist-Informationen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hatten bis zuletzt geöffnet. Für welche Projekte im Lockdown light endlich einmal Zeit war, und was die Mitarbeiter am meisten vermissen, haben sie uns erzählt.

„Jetzt hatten wir mal Zeit, das Hersfeld-kompakt-Heft zu aktualisieren“, sagt Katja Kegel. Die Mitarbeiterin der Tourist-Info in Bad Hersfeld sitzt hinter einer hohen Plexiglasscheibe, neben ihr sind Prospekte mit Ausflugstipps aus der Region aufgereiht. Die Tür ist nicht verschlossen und einzelne Besucher folgen dem Einbahnstraßensystem, das mit Klebeband den Weg weist. „Die ersten Radtouristen haben schon für nächstes Jahr angefragt“, berichtet Kegel fröhlich. Stadtführungen seien bei den Gästen besonders beliebt und werden schon jetzt vorgebucht, weiß die Touristinfo-Mitarbeiterin.

Dass sie oft lediglich mit ihren Kunden telefoniert und der persönliche Kontakt seit der Pandemie weniger geworden ist, bedauert Katja Kegel. Wenn dann doch ein Besucher die Tourist-Info ansteuert, nehmen sich die Mitarbeiter besonders viel Zeit. „Jetzt hat man eben auch mal die Möglichkeit zum Plaudern, gestern war sogar eine Tagestouristin da“, erzählt Kegel. Die 41-Jährige ist froh, dass bis jetzt zumindest ein eingeschränkter Kontakt mit den Kunden möglich war. „Als im ersten Lockdown die Türen ganz zu waren, das war gespenstisch“, sagt Kegel nachdenklich.

In der zweiten Corona-Welle konnten die Besucher zwar bis jetzt in die Tourist-Info, aber Kegel und ihre Kollegen mussten mit Distanz beraten und auch manches Buch musste hinter eine Scheibe umziehen. „Normalerweise liegt das Wimmelbuch im Besucherraum aus, jetzt darf nicht mehr darin geblättert werden“, sagt die gebürtige Rotenburgerin.

Katja Kegel plant schon jetzt Radtouren für Touristen, die Bad Hersfeld im nächsten Jahr besuchen möchten.

Vor dem Tresen von Katja Kegel blättert eine Hersfelderin in den Prospekten. „Ich schaue schon einmal nach Aktivitäten für meine Kinder“, sagt die gelernte Physikerin und nimmt ein Heft über das Mathematikum Gießen aus dem Regal.

Durchgangsverkehr wie in Bad Hersfeld gab es in der Rotenburger Tourist-Info zwar nicht, die Besucher kamen aber trotzdem zu Tourist-Info-Leitern Annika Burghardt und ihren Kolleginnen. „Bei uns klingeln die Gäste“, sagt Burghardt. Neben den vereinzelten Besuchern vor Ort komme sie aber auch mal zu langfristigen Projekten, wie dem Auftritt Rotenburgs auf der Internetseite der Deutschen Märchenstraße, erklärt die 25-Jährige, als die Türklingel schrillt. Ein Neuzugezogener steht vor der Tourist-Info, Annika Burghardt gibt eine Willkommenstüte heraus. „Da sind Infos rund um die Region drin“, erklärt sie. Dass sie den Gästen seit der Pandemie die Infos zwischen Tür und Angel erklären muss oder am Telefon, bedauert die gelernte Hotelmanagerin. „Die Touristen fehlen, denn es macht ja Spaß, Interessierte an die schönsten Orte ringsherum zu schicken“, so Burghardt.

Bis zum harten Lockdown kamen nur vereinzelt Kunden in den Vorraum der Tourist-Info, wie Burghardt berichtet, als es wieder an der Tür klingelt. Ein Besucher aus Frankfurt möchte Postkarten kaufen. „Die verschicke ich zu Weihnachten in die ganze Welt“, erklärt er. Das freut auch Annika Burghardt. „Man lernt hier im Gespräch mit den Besuchern immer etwas Neues und trifft viele Menschen“, sagt die 25-Jährige ein wenig wehmütig.

Weil Corona wütet, sind Burghardt und ihre Kollegen in Kurzarbeit. Und so zieht die 25-Jährige schon um 16 Uhr die Tür hinter sich zu und schließt die Tourist-Info.

Von Kim Hornickel

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