Weitere Blutspuren?

Kirchheimer Messerstecher-Prozess: Bekleidung des Opfers wird untersucht

Bad Hersfeld. Im Prozess um die tödlich verlaufene Messerstecherei in einer Kirchheimer Asylantenunterkunft wird nun auch die Kleidung des Opfers auf Blutspuren untersucht. 

Das Fuldaer Schwurgericht ist zum Ende der Beweisaufnahme hin sichtlich bemüht, letzte Lücken zu schließen. Auf Antrag der Verteidigung wird nun auch die sichergestellte Bekleidung des 35-jährigen Somali auf Blutspuren untersucht, der am Abend des 3. September vergangenen Jahres seinen schweren Verletzungen erlegen war.

Die entscheidende Frage ist dabei, ob sich im Textil nicht neben dem Blut des Getöteten weitere Spuren finden: So ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt, ob es nicht auch eine Auseinandersetzung mit einem 25-jährigen Mitbewohner gab, der bislang lediglich als zweites Opfer des Angeklagten aus Eritrea galt. So hatte es der 39-Jährige noch vor dem Haftrichter ausgesagt. Später vor Gericht war der Eritreer allerdings geständig gewesen, beiden Somali nach einem Angriff des Älteren Messerstiche zugefügt zu haben. Der Überlebende leidet noch heute unter den Folgen der Attacke, er kann zum Beispiel seine rechte Hand wegen durchtrennter Sehnen so gut wie nicht gebrauchen.

Dem ebenfalls von Verteidiger Christian Kusche beantragten Ortstermin in Kirchheim hatte die Kammer zwar stattgeben wollen, doch konnte eine Besichtigung von Tatort und einer Nachbarwohnung aus juristischen Gründen nicht stattfinden. Eine Zeugin, die aus ihrem Küchenfenster beobachtet haben wollte, wie der Angeklagte und der ältere Somali miteinander kämpften, wollte nur den Verfahrenbeteiligten, aber nicht dem Eritreer Zugang zu ihrer Wohnung gewähren.

Eine Abwesenheit des Angeklagten wäre in diesem Fall jedoch nicht zulässig gewesen, führte Richter Josef Richter aus. Um die gewünschten Informationen dennoch zu erhalten, bat das Gericht die Polizei um Amtshilfe. Sie soll nun feststellen, ob und was man aus dem Erdgeschoss mit Blickrichtung auf das im ersten Stock befindliche Fenster der Asylantenwohnung sehen konnte.

Sowohl diese Erkenntnisse wie auch die Untersuchungsergebnisse des Landeskriminalamtes in Sachen Bekleidung sollen bereits in der kommenden Woche vorliegen und vorgetragen werden.

In einem weiteren Punkt hatte ein Sachverständiger entstandene Zweifel an der Aussagetüchtigkeit des jüngeren Somali ausgeräumt. Dessen zeitweilig befremdlich anmutendes Verhalten bezeichnete der Facharzt für Psychiatrie als typisch für die Opfer derartiger Gewalttaten. Die Glaubwürdigkeit der Angaben des jungen Mannes war allerdings nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen.

Ein Bekannter der jüngeren Somali sagte aus, diese habe Angst vor dem Älteren gehabt und bei seiner Betreuerin wegen einer Verlegung in eine andere Unterkunft vorgesprochen.

Mit dem noch ausstehenden Gutachten des Rechtsmediziners könnte die Beweisaufnahme in diesem Prozess in der kommenden Woche abgeschlossen werden. Ein Urteil fiele dann in der Woche darauf.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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