Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Eine Ruine, ein Ruhestand und ein Trauerspiel

In seiner Kolumne „Zwischen den Zeilen" beschäftigt sich Karl Schönholtz unter anderem mit der Klosterschänke und der Kripochefin.

Karl Schönholtz

Wer bislang glaubte, die Brandruine der Klosterschänke auf dem Johannesberg schliefe seit dem schrecklichen Feuer vom Januar 2013 den Dornröschenschlaf, der lag nicht ganz falsch. Die Vorstellungen von potenziellen Investoren und der städtischen Bauverwaltung klafften mitunter himmelweit auseinander. Denn an historischer Stätte Einfamilienhäuser oder auf den verbliebenen Grundmauern eine moderne Kiste zu errichten, das kam auch unter dem Blickwinkel des Denkmalschutzes nicht in Frage.

Vergessen ist die zum Teil überwucherte Ruine dennoch nicht. Der Eigentümer, eine örtliche Immobilienfirma, zeige durchaus Interesse an einer Neubebauung und man sei darüber im Gespräch, teilte Bauamtschef Johannes van Horrick auf Anfrage mit. Konkret sei zwar noch nichts, doch bei einer gemeinsamen Besichtigung mit Vertretern des Landesdenkmalamts habe man Denkbares und Auszuschließendes abstecken können. Das ist doch schon mal besser als nichts.

Sie nimmt sich selbst nicht so wichtig, und doch dazu hat Corona dafür gesorgt, dass aus ihrem Abschied kein großes Tamtam gemacht wurde: So haben auch wir erst mit Verspätung davon erfahren, dass die Bad Hersfelder Kripochefin Gabriele Kühlewind seit dem 1. Juni im Ruhestand ist. Über „Gabi K.“ haben wir schon berichtet, als sie vor langer, langer Zeit als erste Frau zur örtlichen Kriminalpolizei stieß, und zuletzt, als sie vor gut zwei Jahren die Leitung der „Regionalen Kriminalitätsinspektion“ übernommen hat. Noch fühle sich der Ruhestand wie Urlaub an, hat sie uns lachend am Telefon erzählt. Das klingt doch gut, und wir wünschen ihr dafür alles Gute.

Unter dem Strich ist es leider ein Trauerspiel: Die Tage, an denen im Bad Hersfelder Bahnhof einmal alles so funktioniert, wie es soll, lassen sich übers Jahr an den Händen abzählen. Aktuell war mal wieder eine der elektronischen Übersichtstafeln ausgefallen, zwei Aufzüge hatten den Dienst versagt, und in der Unterführung ist seit Wochen eine Baustelle eingerichtet. Von dem seit Jahren geschlossenen Shop ganz zu schweigen. Irgendwie ist mir das zu wenig, wenn auf der anderen Seite vom Bemühen um den ICE-Halt auf der neuen Strecke Fulda-Gerstungen geredet wird. Denn für viele Besucher ist der Bahnhof die erste Adresse in der Stadt – und die ist in Bad Hersfeld alles andere als ein Aushängeschild.

Ich habe ihn nicht gekannt, aber ich wusste natürlich, wer er war: Jürgen Wolff, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter im Bad Hersfelder Stadtarchiv, ist gestorben. Einer von denen, die ohne Aufhebens der Gemeinschaft einen großen Dienst erweisen. Sein Fehlen führt uns vor Augen, dass ohne Menschen wie ihn Vieles nicht mehr funktionieren würde. Sein Tod ist ein Verlust.

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © Ludger Konopka

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