Hersfelder versteigert Autogramme holländischer Fußballer

Der Tod des niederländischen Fußballidols Johan Cruyff vor eineinhalb Wochen hat die Sportwelt getroffen - und in einem Bad Hersfelder Erinnerungen geweckt: Franz Reisinger lernte den Superstar und seine Nationalmannschaftskollegen 1974 kennen, als diese bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland in dem Hotel logierten, in dem Reisinger arbeitete.

Seitdem nennt Reisinger, passionierter Autogrammsammler, eine Karte mit den Unterschriften aller Teammitglieder sein Eigen, dazu von den Stars signierte Pressefotos. Für einen guten Zweck möchte er sie jetzt versteigern.

Wenn er an die WM 1974 denkt, kommen dem 70-Jährigen jede Menge Erlebnisse von damals in den Sinn. Reisinger kellnerte im einstigen Hotel Krautkrämer, einem sehr gehobenen Haus, in Hiltrup im Münsterland. Dort wohnte die Elftal während des gesamten Turniers: Bondscoach Rinus Michels, Flügelflitzer Rob Rensenbrink, Johan Neeskens, der die Holländer im Finale gegen Deutschland in Führung bringen sollte, Arie Haan, der 25 Jahre später den VfB Stuttgart trainieren sollte, Wim Suurbier (Reisinger: „Das war der Clown der Mannschaft, der hatte immer den Schalk im Nacken“) - und natürlich „König“ Johan.

„Cruyff war der absolute Star, er hatte immer doppelt so viele Journalisten um sich wie die anderen“, sagt Reisinger.

Zugänglich aber seien alle gewesen, um Autogramme mussten die Hotelangestellten nicht lange bitten. „Die hatten keine Allüren“, sagt Franz Reisinger, der den Stars das Frühstück servierte: „Sie aßen morgens auch schon mal ein Steak“, berichtet er. Der Tross hatte übrigens eigene Köche mitgebracht.

Der Start ins Turnier war für die Niederländer durchaus holprig; es gab auch Kritik. Mit der Berichterstattung eines Journalisten waren die Spieler gar nicht einverstanden; Reisinger erinnert sich, dass die Mannschaft ihm bei seinem nächsten Besuch anbot, Fotos mit den Kickern im Hotelschwimmbad zu machen. „Der Mann freute sich auf tolle Exklusiv-Bilder - stattdessen packten ihn vier Spieler, und er landete mitsamt Kameraausrüstung im Pool.“ Reisinger lacht: „Der hat nie wieder kritisch geschrieben.“

Dazu gab es im Turnierverlauf auch immer weniger Anlass: Die Holländer begeisterten ihre Fans, zu denen bald auch die Hotelangestellten gehörten. Franz Reisinger, in Österreich geboren, aber auch das deutsche Personal drückte der Mannschaft im Finale gegen Deutschland die Daumen, erinnert sich der 70-Jährige. Vergebens allerdings, weil Paul Breitner und Gerd Müller trafen - Fußball-Historie.

Kontakt nach dem WM-Turnier gab es nicht mehr, sagt Franz Reisinger. Doch die Autogramme blieben als Bestandteil seiner umfangreichen Sammlung.

Das Prunkstück dieser Sammlung, die Namenszüge aller Mitglieder des niederländischen WM-Aufgebots von '74, versteigert Reisinger nun zu einem Mindestgebot von 1000 Euro. Gebote können per E-Mail an: reisinger1@gmx.de abgegeben werden.

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