Kolumne

Zwischen den Zeilen: Corona, Krieg und banges Warten

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Befasst sich in der aktuellen HZ-Kolumne mit Corona und dem Einmarsch der amerikanischen Truppen vor 75 Jahren in Hersfeld:  Redaktionsleiter Kai A. Struthoff. 

"Irgendwie, irgendwo, irgendwann" von Nena lieferte bereits 1985 das Lied zur Corona-Krise und einsame Tage im Homeoffice, schreibt Kai A. Strutthoff in der aktuellen HZ-Kolumne.

Die Stimme von Nena hat mich „irgendwie, irgendwo, irgendwann“ in dieser Woche zu einem langen, einsamen Tag im Homeoffice geweckt. Das Lied ist aus dem Jahr 1985 und doch klingt es wie für die Corona-Krise geschrieben: Im Sturz durch Raum und Zeit, Richtung Unendlichkeit. Im Moment scheint vieles zusammenzustürzen, die Unsicherheit ist unendlich groß, die Verzweiflung wächst.

Ausgerechnet in diesen Tagen gedenken wir der Befreiung Hersfelds durch den Einmarsch der amerikanischen Truppen und der mutigen Übergabe der Stadt durch einige besonnene Bürger vor 75 Jahren. Es ist besonders tragisch, dass nun vor allem jene älteren Mitbürger, die mit Fleiß und Mut unser Land damals wieder aufgebaut haben, besonders vom tückischen Coronavirus bedroht sind. 

Wir Jüngeren indes, die Jahrzehnte des Friedens, Wachstums und Wohlstands erlebt haben, bekommen eine vage Ahnung von Unsicherheit, Angst und Entbehrung, die unsere Eltern und Großeltern erlebt haben. Immer wieder wird die Corona-Krise als größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Die Betonung liegt auf seit. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Land in Schutt und Asche. Im Unterschied dazu müssen wir nur – irgendwie, irgendwo, irgendwann – die Maschinen wieder hochfahren, in die Hände spucken und anpacken – so wie einst unsere Eltern und Großeltern. Das gibt Hoffnung.

Quälend langes Warten auf das Testergebnis

Für Verwirrung sorgen in diesen Tagen die Zahlen über Corona-Infizierte, Genesene und leider auch Tote. Johns Hopkins Universität, RKI, Gesundheitsministerium – alle verbreiten ihre Erkenntnisse und oft widersprechen sich diese Zahlen und sorgen für Verunsicherung, weil teilweise unterschiedliche Zählweisen oder Fristen zugrunde liegen.

Wir bei der HZ stehen in direktem Kontakt zum Landratsamt und dem Gesundheitsamt und bekommen täglich um 16 Uhr von dort die aktuellsten Zahlen für den Kreis. Dabei ist auch klar, dass die Dunkelziffer hoch ist, weil viele Menschen gar nicht getestet werden und die Labore überlastet sind. Wir kennen eine junge Frau, die schon quälende elf Tage in Unsicherheit auf ihr Testergebnis wartet. Das trägt nicht zur Beruhigung bei.

Nicht leicht machen wir uns die Abwägung, ob und wie wir berichten sollen – zum Beispiel über die Todesfälle im Kreisaltenheim in Niederaula. Uns ist bewusst, wie schmerzhaft es für die Angehörigen ist, darüber in der Zeitung zu lesen. Es ist auch nicht klar, ob die Menschen an Covid-19 oder an altersbedingten Vorerkrankungen verstorben sind.

Andererseits müssen Journalisten gerade jetzt ihren Job machen und seriös informieren, um Fakten gegen Fake News, und Besonnenheit gegen Panikmache zu stellen. Darum bemühen wir uns jedenfalls nach besten Kräften.

Das bange Warten auf eine Entscheidung über die Festspiele

Tja, und dann ist da noch das bange Warten auf die Entscheidung über die Festspiele. Vor allem für Handel und Gastronomie steht viel auf dem Spiel. Ein Sommer ohne unser Ruinen-Theater ist auch für mich schwer vorstellbar – aber leider wahrscheinlich. Im Moment fahren wir irgendwie alle auf Feuerrädern Richtung Zukunft durch die Nacht ...

Bleiben Sie gesund!

Quelle: Hersfelder Zeitung

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