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Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg startet neues Projekt mit Republik Moldau

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Von: Laura Hellwig

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Das Bild entstand beim Besuch im Ministerium in Chisinau. Dort trafen sich im vergangenen Sommer alle Beteiligten, um das neue Projekt der Kreishandwerkschaft Hersfeld-Rotenburg mit der Republik Moldau zu besprechen. Es zeigt mehrere Personen an einem Tisch, im Hintergrund eine Fahne und ein Wappen.
Zu Besuch im Ministerium: In Chisinau trafen sich im vergangenen Sommer alle Beteiligten, um das neue Projekt der Kreishandwerkschaft Hersfeld-Rotenburg mit der Republik Moldau zu besprechen. © Hans Wilhelm Saal

Seit zehn Jahren pflegt die Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg eine Berufsbildungspartnerschaft mit dem osteuropäischen Moldau. Im Sommer startet ein neues Projekt.

Bad Hersfeld/Chisinau – Die Republik Moldau ist eines der ärmsten Länder in Europa. Die Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg pflegt seit zehn Jahren eine Berufsbildungspartnerschaft mit der osteuropäischen Nation, um dort ein hochwertigeres Ausbildungssystem für den Bereich Handwerk aufzubauen. In einem ersten Projekt wurden seit 2012 75 Lehrkräfte in den Bereichen Tischlern, Innenausbau, Bauwesen und Metallbau weitergebildet.

Ähnliche Partnerschaften gab und gibt es zudem in Marokko, Jordanien, Iran und Ruanda.

Im Sommer geht ein zweites, neues Projekt an den Start, bei dem sich nun den Bereichen Heizungs-, Sanitär-, Klima- und Bautechnik gewidmet werden soll. Das Oberziel des Projektes soll überdies sein, die duale, handwerkliche Ausbildung im Bereich Green Economy (deutsch: nachhaltige Wirtschaft) zu stärken, sodass Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen und die gesamtwirtschaftliche und nachhaltige Entwicklung Moldaus verbessert werden kann.

Die Projektleitung liegt bei Hans Wilhelm Saal, dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Bad Hersfeld. Die Realisierung der Projekte sei maßgeblich auch Michael Roth, dem damaligen Staatsminister für Europa, zu verdanken, freut sich Saal.

Das neue, für vorerst drei Jahre angesetzte Programm wird in Zusammenarbeit mit der sequa gGmbH umgesetzt, einer weltweit tätigen Entwicklungsorganisation, und umfasst ein Investitionsvolumen von etwa einer Millionen Euro. Die Kreishandwerkerschaft deckt den fachlichen Bereich ab, sequa den administrativen, erklärt Saal, der zuletzt im vergangenen Sommer sowie Ende vergangenen Jahres für die Planung des Projektes in Chisinau, Moldaus Hauptstadt, zu Besuch war.

In den Straßen von Chisinau: Im linken Gebäude sitzt die Industrie- und Handelskammer der Republik Moldau, rechts daneben die russische Botschaft.
In den Straßen von Chisinau: Im linken Gebäude sitzt die Industrie- und Handelskammer der Republik Moldau, rechts daneben die russische Botschaft. © Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg

Für die Laufzeit des Projektes werde es einen Langzeit-Experten vor Ort geben sowie kürzere Besuche von Mitarbeitern der Kreishandwerkerschaft aus Bad Hersfeld, sogenannten Kurzzeit-Experten. Außerdem reisen die moldauischen Kollegen demnächst für abschließende Planungsgespräche nach Deutschland. Nach Vorgabe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet die Kreishandwerkerschaft in Moldau mit der Chamber of Commerce and Industrie (CCI), dem Pendant zur Industrie- und Handelskammer, zusammen.

Jedes Jahr würden in Moldau 400 bis 500 neue Auszubildende ihre Lehre beginnen. Man wolle diesen Menschen eine fachlich gut qualifizierte Ausbildung bieten können, sodass das Land eigene Fachkräfte hervorbringen und die politische Stabilität fördern könne, erklärt Saal.

Die Republik Moldau ist an der nördlichen, östlichen und südlichen Landesgrenze von der Ukraine umgeben. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine Ende Februar hat die Republik bereits Tausende Geflüchtete aufgenommen, die Einheimischen selbst sorgen sich ebenfalls vor einem Angriff Russlands. „Die Menschen haben teilweise einen gepackten Koffer im Auto“, berichtet Hans Wilhelm Saal. Dennoch gehe man derzeit nicht von dem schlimmsten Fall aus, auch das Projekt werde nicht zurückgezogen, so der Geschäftsführer und Projektleiter.

Unter den Geflüchteten befänden sich neben Schülern und Berufstätigen auch junge Menschen, die noch in der Ausbildung sind. Diesen Menschen möchte die Kreishandwerkerschaft eine Perspektive bieten und macht deshalb das Angebot, dass im Handwerk tätige Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Ausbildung in Deutschland beenden können. „Das Handwerk hilft sich gegenseitig“, stellt Saal fest. Und weiter: „Die, die kommen, sind auch herzlich willkommen.“ Die Vermittlung von interessierten Ukrainerinnen und Ukrainern zur Kreishandwerkerschaft laufe zentral über das Landratsamt. (Laura Hellwig)

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