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Krieg in der Ukraine: Unternehmen in Hersfeld-Rotenburg blicken besorgt nach Osteuropa

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Das Foto zeigt Arbeiten Untertage von Düngemittelkonzern K+S. Zu sehen ist ein Mitarbeiter in blauer Arbeitsmontur, der mit einer großen Fernbedienung schweres Gerät bewegt.
Mit wachsamen Augen: Der Düngemittelkonzern K+S liefert nur ganz geringe Mengen seiner Produkte in die Ukraine. Dennoch beobachtet man die Entwicklung angesichts der Sanktionen aufmerksam. © Heiko Meyer, K+S/nh

Mit Sorge schauen Unternehmen in Hersfeld-Rotenburg auf den eskalierenden Ukraine-Konflikt. Einige der heimischen Firmen pflegen enge Wirtschaftsbeziehungen mit Osteuropa.

Hersfeld-Rotenburg – Die Trox Group beispielsweise hat 34 Tochtergesellschaften in 29 Ländern, die die Geschäfte in den jeweiligen Ländern selbstständig steuern, berichtet Geschäftsführer Udo Jung. „Mit Trox Russland, Sitz Moskau, haben wir auch in Russland eine Tochtergesellschaft. Grundsätzlich verfolgen wir die Strategie, in unseren Tochtergesellschaften nur einheimische Mitarbeiter zu beschäftigen. Aus diesem Grund müssen wir keine Mitarbeiter zurückholen, stehen jedoch im ständigen Kontakt zu unseren Kolleginnen und Kollegen und unterstützen diese auch, falls dies nötig werden sollte“, sagt Jung.

Die gesamte Klima- und Lüftungsindustrie und der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sei über den Ausbruch eines Krieges auf europäischem Boden fassungslos und besorgt. „Wir gehen davon aus, dass die angekündigten Sanktionen auch Auswirkungen auf unsere Branche haben werden, können deren Umfang aber zum momentanen Zeitpunkt noch nicht abschätzen“, berichtet Jung.

Der Düngemittelhersteller K+S hat in beiden Staaten keine eigenen Niederlassungen. „In die Ukraine liefern wir nur sehr geringe Mengen an Düngemitteln, die weniger als 1 Prozent unseres gesamten Absatzes im Düngemittelbereich ausmachen. Nach Russland liefern wir keine Produkte“, erklärt Unternehmenssprecher Michael Wudonig. Deutsche Mitarbeiter hat K+S nicht vor Ort.

Dennoch beobachtet man bei K+S die aktuelle Situation sehr aufmerksam, insbesondere im Hinblick auf angekündigte Sanktionen und deren Auswirkungen. „Im Moment hat die Situation keine direkten Auswirkungen“, sagt Wudonig.

Befürchtung: Projekte werden verzögert, angehalten oder gar nicht mehr bearbeitet

Auch die Firma Grenzebach ist seit vielen Jahren immer wieder mit Projekten in Russland aktiv. „Derzeit haben wir in Russland zwei laufende Projekte in unserem Kerngeschäftsfeldern Holz und Gips“, sagt Geschäftsführer Franz Wilbois. Auch das auf den Großanlagenbau spezialisierte Unternehmen beobachte die derzeitige Situation und die Entwicklungen. Allerdings könne man noch nicht genau abschätzen, welche Folgen ein mögliches Wirtschaftsembargo für die Firma hätte. „Wir gehen aber davon aus, dass sich alle Projekte, die sich in der Angebotsphase befinden, verzögern, angehalten oder gar nicht mehr bearbeitet werden“, vermutet der Geschäftsführer.

Grenzebach hat ein Büro in Moskau, das mit russischen Mitarbeitern besetzt ist, die bislang nur bedingt betroffen sind. Dennoch habe die politische Lage Auswirkungen auch für Grenzebach. „Militärische Auseinandersetzungen sind im ökonomischen Umfeld auch immer nachteilig für Investitionen in Maschinen und Produktionsanlagen. Die generelle Verfügbarkeit an Energie und Rohstoffen und deren steigenden Kosten haben dabei auch einen sehr viel größeren Einfluss auf die Auftragslage im Anlagenbau“, so Wilbois.

Logistiker GLS hat Versand in die Ukraine vorerst gestoppt

Auch die örtlichen Logistiker beobachten die Lage in der Ukraine mit Sorge, auch wenn viele nicht unmittelbar betroffen sind wie etwa GLS mit Sitz in Neuenstein. „GLS Germany ist weder in der Ukraine noch in Russland mit eigenen Niederlassungen vertreten. Der Versand in die genannten Länder ist grundsätzlich über GLS-Partnerunternehmen für Privat- und Geschäftskunden möglich, jedoch wurde der Versand in die Ukraine aufgrund der politischen Lage heute vorerst ausgesetzt“, berichtet Pressesprecher Pelle Faust. Die weiteren Entwicklungen beobachte man aufmerksam.

„Die Auswirkungen des Konflikts für GLS Germany lassen sich heute noch nicht im Detail beziffern, wir rechnen allerdings mit direkten Effekten etwa durch einen Anstieg der Energiekosten. Klar ist: Der Schutz der Mitarbeitenden von GLS Germany sowie derer Familien hat für uns höchste Priorität. Entsprechend werden wir handeln“, teilt Sprecher Pelle Faust mit. (Kai A. Struthoff)

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