Nie Dienst nach Vorschrift

Kriminalhauptkommissar Eike Barth hat einen „explosiven“ Job

Hat tagtäglich mit Waffen und Munition zu tun: Kriminalhauptkommissar Eike Barth von der Kriminalinspektion Bad Hersfeld ist spezialisierter und geprüfter Sprengstoffermittlungsbeamter. Für das
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Hat tagtäglich mit Waffen und Munition zu tun: Kriminalhauptkommissar Eike Barth von der Kriminalinspektion Bad Hersfeld ist spezialisierter und geprüfter Sprengstoffermittlungsbeamter. Für das Foto hat er eine Patrone in ihre Einzelteile zerlegt. Das komplette Foto sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Immer wenn es im Dienst der Polizei um Waffen, Sprengstoff oder Brände geht, kommt Kriminalhauptkommissar Eike Barth ins Spiel.

Hersfeld-Rotenburg - Egal, ob die Streifendienst-Kollegen bei einer Personenkontrolle Munition finden, jemand bei der Polizei eine Waffe aus Opas geerbtem Häuschen abgeben möchte, ein Geld- oder Zigarettenautomat gesprengt oder ein Mensch erschossen wird: Solche Fälle landen fast immer bei Eike Barth. Der Kriminalhauptkommissar ist bei der Kriminalinspektion Bad Hersfeld beschäftigt und gemeinsam mit seinen Kollegen vom „K 10“ für sogenannte Kapitaldelikte zuständig, also besonders schwere Verbrechen. In ihren Tätigkeitsbereich fallen Todesermittlungen, Kriminal- und Tötungsdelikte. Sie haben mit Mord und Totschlag, schwerem Raub, Erpressung und sexualisierter Gewalt zu tun. Barth hat sich darüber hinaus auf Waffen, Sprengstoff und Brände spezialisiert.

Der gebürtige Weiteröder ist voll ausgebildeter und fachgeprüfter Sprengstoffermittlungsbeamter, kurz: SEB. Diese werden örtlich vorgehalten und sind in den Polizeidirektionen angesiedelt. Bei Tötungsdelikten beziehungsweise Schwerkriminalität werden in der Regel Experten des Landes- oder Bundeskriminalamts eingeschaltet, zu tun hat der 50-Jährige trotzdem stets genug. Regelmäßig präsentiert er seine Ermittlungsergebnisse auch als Zeuge im Gerichtssaal, und auch dorthin nimmt er gern Exponate zur Veranschaulichung mit.

Wenn Barth Laien seine Arbeit, den Aufbau einer Patrone oder Weltkriegsbombe erläutert, ist er spürbar in seinem Element. Dass er mitunter nachts aus dem Bett geholt wird, stört ihn nur wenig. „Dienst nach Vorschrift geht hier nicht“, sagt er und lacht. Alle im Team seien Idealisten und Spezialisten. „Mein Beruf ist meine Passion, auch wenn es abgedroschen klingt“, betont Barth fast entschuldigend.

Der 50-Jährige arbeitet viel mit der Waffenbehörde beim Landkreis zusammen, etwa wenn legale oder illegale Waffen gefunden oder abgegeben werden, für deren Prüfung, Bewertung und Entsorgung er dann zuständig ist. Wenn im Landkreis Überbleibsel aus dem Krieg entdeckt werden, ist er in der Regel ebenfalls erster Ansprechpartner, der dann über die weiteren Schritte entscheidet und zum Beispiel den Kampfmittelräumdienst alarmiert. Was alte Kriegsmittel betrifft, appelliert Barth, der beim Joggen in besonders belasteten Gebieten immer wieder Sondengänger antrifft, an die Vernunft. Wer Zünder, Bomben oder Minen finde, sollte in jedem Fall die Polizei rufen, die Funde nicht anfassen oder gar mitnehmen. Denn von vielen gehe tatsächlich immer noch eine erhebliche Gefahr aus. „Die Zünder sind oft versifft, aber äußerst sensibel“, warnt der Experte, der sich natürlich auch mit Silvesterböllern auskennt.

Bei denen komme es vor allem auf den Inhalt an. Während die in Deutschland zertifizierten und erlaubten Knaller Schwarzpulver enthielten, das nur leichte Verbrennungen verursache, seien andere Inhaltsstoffe, wie sie zum Beispiel in sogenannten Polenböllern vorkommen, weitaus gefährlicher, weil sie viel mehr Sprengkraft besitzen. „Da ist die Hand ab!“

Bei Sprengungen reicht oft schon ein Blick, um zu erkennen, wie sie ausgelöst wurden. Seine Arbeit erledigt Barth wenn nicht direkt am Tatort teils in Spezialräumen oder im Labor. In seinem Büro gesellen sich zu diversen Aktenordnern – ungefährliche – Minen, Granaten und andere Anschauungsobjekte, mit denen die meisten Menschen wohl eher selten in Kontakt kommen. Neben Fahndungsplakaten hängen aber auch Fotos mit Fußballstars wie Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack, denn als Polizist ist Barth durchaus herumgekommen.

Und nicht nur mit Munition, Waffen und Sprengstoff hat Barth aktuell zu tun. Als Brandursachenermittler geht er auch zunächst unklaren Feuern auf den Grund. Ist der Entstehungsort erst mal lokalisiert, könne die Ursache nur in seltenen Fällen nicht bestimmt werden. Ein Ventil, um von der mitunter belastenden Arbeit abzuschalten, ist für Barth der Sport. Denn der 50-Jährige wird nicht nur mit Verbrechen und Verbrechern konfrontiert, sondern eben auch mit deren Opfern.

Zur Person: Eike Barth (50) kommt aus Bebra-Weiterode. Nach dem Abitur ging es für ihn zunächst zur Bundeswehr, bevor er seine Ausbildung bei der Polizei begann, wo die Bereitschaftspolizei seine erste Station war. Sein Ziel war jedoch schnell die Kripo beziehungsweise die Kriminalitätsbekämpfung, wie er selbst sagt. Unter anderem war er schließlich in Frankfurt im Bahnhofsgebiet (4. Polizeirevier) sowie später im Flughafen-Revier und beim Kriminaldauerdienst tätig. Als Polizist begleitete Barth den Besuch von US-Präsident Bush 2005 und die Fußball-WM 2006. Viele Weiterbildungen prägten seine Laufbahn. Ende 2009 kehrte er mit seinem Wechsel zur Kriminalinspektion Bad Hersfeld schließlich in die Heimat zurück.

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