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Osthessens Polizeipräsident stellt Statistik vor: Zahl der Straftaten sinkt, Aufklärungsquote steigt

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Das Bild zeigt Polizeipräsident Günther Voß (Mitte) gemeinsam mit dem Leiter der Kriminaldirektion Martin Nickl (links) und dem Leiter des Präsidialbüros Thomas Herget, die an einem langen Tisch sitzen.
Seine letzte Bilanz: Polizeipräsident Günther Voß (Mitte) stellte gemeinsam mit dem Leiter der Kriminaldirektion Martin Nickl (links) und dem Leiter des Präsidialbüros Thomas Herget die Statistik vor. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken. © Kai A. Struthoff

Weniger Straftaten, höherer Aufklärungsquote: Die Kriminalstatistik 2021 fiel auch für den Kreis Hersfeld-Rotenburg positiv aus. Es gibt allerdings auch schlechte Nachrichten.

Hersfeld-Rotenburg – Die Zahl der Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Osthessen ist im Jahr 2021 um 7,3 Prozent (17 315 Straftaten) auf einen historischen Tiefstwert gesunken. Zugleich ist die Aufklärungsquote mit 70,6 Prozent auf den höchsten je gemessenen Wert gestiegen. Das ist im Kern die Bilanz der Polizeistatistik, die Polizeipräsident Günther Voß am Mittwoch gemeinsam mit dem Leiter der Kriminaldirektion, Martin Nickl, bei einer Pressekonferenz in Fulda vorstellte.

„An diesen Zahlen erkennt man, dass wir hier in einer sehr sicheren Region leben“, sagte Voß, für den es die letzte Pressekonferenz als Polizeipräsident war, bevor er in den Ruhestand geht.

Die Zahlen für den Kreis Hersfeld-Rotenburg differieren nur leicht von denen für ganz Osthessen. Besondere Ausreißer gibt es nicht, wie der Leiter der Polizeidirektion Bad Hersfeld, Christian Golomb, und der örtliche Kripochef Uwe Teichmann erklärten. Hier wurden 4649 Straftaten registriert, gut 500 weniger als im Vorjahr. Der größte Anteil dieser Straftaten waren Betrügereien.

Mehr Polizisten

Die insgesamt positive Entwicklung der Kriminalstatistik führte Polizeipräsident Voß auch auf 61 zusätzliche Mitarbeiter, neue Organisationsstrukturen und zahlreiche Präventionsprojekte zurück. Als „Meilenstein“ bezeichnete er unter anderem die Einführung des zentralen Kriminaldauerdienstes. Voß erwartet auch noch einen weiteren Stellenzuwachs und rechnet mit insgesamt 130 neuen Stellen bis 2025, darunter nicht nur Polizisten, sondern auch Computerfachleute, Politologen und sogar eine Journalistin.

Straßenkriminalität

Diebstahl, Sachbeschädigung, Körperverletzung und Raub – diese Delikte werden unter dem Begriff Straßenkriminalität zusammengefasst und „betreffen das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung nachhaltig“, weiß Martin Nickl. In diesem Bereich erfasst die Statistik einen Anstieg um 38 Fälle auf 2183 im Bereich Osthessen. Hier geht die Polizei davon aus, dass die coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens zwar Einfluss auf die Entwicklung hatten, wertet aber auch Maßnahmen wie eine „hohe sichtbare Polizeipräsenz“, verstärkte Kontrollen und – allerdings bislang nur im Kreis Fulda – auch die Videoüberwachung als erfolgreich.

Wohnungseinbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um 23,4 Prozent zurückgegangen. Die Polizei spricht hier von einem „historischen Rückgang“. Ein Grund dafür dürfte allerdings auch sein, dass die Menschen coronabedingt mehr zuhause waren.

Rauschgift

Allein in Hersfeld-Rotenburg wurden im Jahr 2021 rund 50 Kilogramm Rauschgift sichergestellt. Trotzdem bewegten sich die Zahlen auf Vorjahresniveau, erklärte Martin Nickl. „Der Kontrolldruck durch die Polizei wird weiter hochgehalten“, sagte er. Die meisten Fälle betreffen Cannabis und Amphetamine.

Häusliche Gewalt

Eine Schattenseite von Corona ist der Anstieg der häuslichen Gewalt, weil die Menschen mehr in ihren Wohnungen sind. Die Zahl der Fälle ist um 43 auf 676 angestiegen. Besonders besorgniserregend: 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Allerdings führt die Polizei diesen Anstieg auch auf eine erhöhte Aufmerksamkeit und daraus resultierend auch mehr Anzeigen zurück.

Corona-Delikte

Rund 1000 Ordnungswidrigkeiten wegen Verstößen gegen Corona-Regeln wurden 2021 registriert. Hinzu kamen im vergangenen Jahr etwa 150 Einsätze bei Versammlungen mit Corona-Bezug. Diese hätten 2022 noch spürbar zugenommen. „Wir schützen das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung“, betonte Polizeipräsident Voß mit Blick auf die sogenannten Montagsspaziergänge. Man erwarte aber, dass sich auch die „Spaziergänger“ an die Regeln halten.

Extremismus

In diesem Kontext steht auch ein enormer Anstieg im Bereich der politisch motivierten Kriminalität, bei der keine eindeutige Zuordnung in links- oder rechtsextreme Gewalt möglich ist. Hier registriert die Polizei eine Zunahme von 343 Prozent und sieht mit Sorge, dass sich unter die Montagsspaziergänger auch Extremisten, wie etwa Reichsbürger, mischen.

Gewalt gegen Polizei

462 Polizisten wurde Opfer eines Angriffs – sei es tätlicher oder verbaler Art. Besonders viele Übergriffe gab es bei den Demonstrationen im Dannenröder Forst. Das bittere Resümee von Günther Voß: „Gewalt und Respektlosigkeit gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte nimmt jedes Jahr zu. Das macht mir Sorge.“ (Kai A. Struthoff)

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