Weiterführende Schulen folgen

Künftig 7,25 zusätzliche Stellen: Sozialarbeit an zwei von drei Grundschulen

Hersfeld-Rotenburg. Sozialpädagogen mit insgesamt 7,25 Stellen – nicht wie ursprünglich angekündigt 5,5 – werden in den nächsten Wochen und Monaten ihre Arbeit an den Grundschulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg aufnehmen.

 Das erklärte auf Anfrage die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Anita Hofmann. In zwei Wochen erwartet sie die Zuweisung weiterer Stellen für weiterführende Schulen.

Aufgabe der neuen Kräfte ist die unterrichtsbegleitende Unterstützung, denn immer mehr Kinder mit Beeinträchtigungen besuchen die Regelschulen (Inklusion). Die Stellen werden vom Land Hessen finanziert. Das Geld steht bereits zur Verfügung, 13 Ausschreibungen mit Ausnahme der Schule am Rhäden in Obersuhl sind schon gelaufen.

An 14 Grundschulen sollen Sozialpädagogen unterstützend tätig werden. Es handelt sich jeweils um eine halbe Stelle, nur in Bebra soll eine Kraft mit voller Stundenzahl eingesetzt werden. An der Ernst-von-Harnack-Schule in Hersfeld gibt es eine Dreiviertel-Stelle. Gemeinsam für Weiterode und Breitenbach ist im Umfang einer halben Stelle eine Sozialarbeit geplant.

Bisher beschäftigt der Landkreis als Schulträger an neun von 29 Grundschulen insgesamt drei Schulsozialarbeiter, an den anderen Grundschulen habe man noch keine Sozialarbeit einrichten können, erklärte Dr. Andrea Fink-Jacob vom Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe. Diese drei sind über den Verein zur Integration von Arbeitskräften (VIA) angestellt. Diese Stellen werden vom Bund aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets finanziert. Das teilte Kreispressesprecher Pelle Faust mit.

„Grundsätzlich wäre es wünschenswert, an allen Grund- und weiterführenden Schulen Sozialarbeit anbieten zu können“, erklärt die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz. Im Bereich der Grundschulen erwartet sie steigenden Bedarf. 

Hintergrund:

Das Land Hessen hat im Doppelhaushalt 2018/19 54 Mio. Euro für 700 Soziapädagogen bis zum Schuljahreswechsel eingeplant, 400 davon an Grundschulen, 7,25 Stellen sind dies an Grundschulen in Hersfeld-Rotenburg. Sie gehen auf den „Erlass zur Umsetzung der unterrichtsbegleitenden Unterstützung durch sozialpädagogische Fachkräfte (UBUS) zur Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages an Grundschulen in Hessen“ zurück. 

Drei Sozialarbeiter des Kreises als Schulträger sind bereits an der Ernst-von-Harnack-, der Wilhelm-Neuhaus- und der Linggschule Bad Hersfeld, in Rotenburg, Lispenhausen, Alheim, Neuenstein, Kirchheim und in Breitenbach/H. im Einsatz. 

Die Aufgaben der Schulsozialarbeiter:

Ein Kriterium für die Aufteilung der neuen Sozialpädagogenstellen des Landes Hessen auf die Grundschulen ist neben der Schulgröße und dem Sozialindex der Anteil der inklusiv beschulten Schülerinnen und Schüler, erklärt die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Anita Hofmann. Damit trage das Kultusministerium den immer stärker erweiterten Aufgaben an den Grundschulen Rechnung. 

Die Inklusion etwa von sozial oder emotional verhaltensauffälligen Kindern erfordere mehr Zeit und Zuwendung. Hier gebe es künftig eine neue Qualität und regelhafte Präsenz. Unter Berücksichtigung der drei Sozialarbeiter des Kreises, die an neun Schulen tätig sind, bleiben nach Besetzung der Stellen noch zehn Grundschulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg ohne sozialpädagogische Unterstützung. Dies sind in Bad Hersfeld die Kolibri- und die Solztalschule, die Schulen in Hauneck, Haunetal, in Philippsthal, Friedewald, Ronshausen, Cornberg, Nentershausen und Wildeck-Hönebach. 

Die Aufgaben, die die Sozialpädagogen des Landes Hessen wahrnehmen sollen, werden den Aufgaben der drei schon tätigen Schulsozialarbeiter/innen sehr ähnlich sein, so heißt es von Dr. Andrea Fink-Jacob vom Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe. Zum Beispiel geht es um Gewaltprävention und Konfliktbewältigung, Förderung von Teamfähigkeit, Kommunikationskompetenz und regelkonformen Verhaltens. In Kleingruppen sollen Angebote zur Stärkung des Selbstwertgefühls gemacht, Konflikte aufgearbeitet und Empathie aufgebaut werden. Weitere Tätigkeitsfelder sind die Einzelförderung im Sozial- und Arbeitsverhalten sowie in Bezug auf Konzentration und Aufmerksamkeit, aber auch Krisenintervention, Streitschlichterprogramme, Beratung und Begleitung von Eltern und natürlich die Kooperation mit Lehrkräften, die Teilnahme an Konferenzen sowie Netzwerkarbeit mit allen anderen in diesem Bereich tätigen Institutionen. 

Jugendhilfe ist kommunal 

Laut Kultusminister Alexander Lorz geht es darum, mit den Sozialpädagogen die Lehrkräfte neben dem Bildungs- auch beim Erziehungsauftrag von Schule zu unterstützen. Schulsozialarbeit sei und bleibe vor allem Teil der Jugendhilfe und damit kommunale Aufgabe, erklärt Lorz. Das bedeute jedoch nicht, dass man unkoordiniert nebeneinander her arbeite. Im Gegenteil: „Alle an Schule Beteiligten und dort Tätigen sollen und müssen natürlich an einem Strang ziehen“, sagte Lorz bei der Vorstellung des Programms. Die Stellen für die sozialpädagogischen Fachkräfte werden von den einzelnen Schulen auf dem Portal des Kultusministeriums ausgeschrieben, die Bewerber mit Unterstützung des Staatlichen Schulamts von den Schulen selbst ausgewählt. Es gebe zwischen ein und sieben Interessenten für die unbefristeten Stellen, sagte Anita Hofmann, auch Initiativbewerbungen gab es bereits.

Das sagt Landrat Dr. Michael Koch:

Fraglich ist die Möglichkeit der Weiterfinanzierung von Sozialarbeiterstellen mithilfe des Bildungs- und Teilhabepakets des Bundes. Drei Sozialarbeiterstellen rechnet der Kreis Hersfeld-Rotenburg darüber ab. Auf die Frage, wie die Stellen künftig finanziert werden sollen, erklärte Landrat Dr. Michael Koch: „Für den Rest dieses Jahres ist die derzeitige kommunale Schulsozialarbeit gesichert.“ 

Im Landkreis werde hier sehr gute Arbeit geleistet. Dank der Initiative der Landesregierung könne die Schulsozialarbeit weiter ausgebaut werden, wobei die landesfinanzierten Stellen die kommunal organisierte Schulsozialarbeit nicht ersetzen könnten. „Unser Ziel ist es, künftig beide Ansätze zu verzahnen und allen Grundschulen im Landkreis ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten. Das kostet aber Geld und steht daher unter dem Vorbehalt der Haushalte der kommenden Jahre. Zudem hätte die kommunal finanzierte Schulsozialarbeit Auswirkungen auf die Schulumlage des Landkreises, die durch die Städte und Gemeinden zu tragen ist. 

Daher werden Frau Künholz und ich auch mit den 20 Bürgermeistern des Kreises das Vorgehen erörtern, bevor wir Vorschläge im kommenden Doppelhaushalt vorlegen.“

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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