ZWISCHEN DEN ZEILEN

Kultursommer: „Geschmäckle“, Premieren und Unterstützung

Karl Schönholtz
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Karl Schönholtz

Rund um die Kultur in Bad Hersfeld dreht sich diesmal unsere Wochenkolumne „Zwischen den Zeilen von Karl Schönholtz.

Die Bad Hersfelder Stadtverwaltung verabschiedet demnächst Reinhold Schott, einen verdienten Mitarbeiter, der „immer da war“, wenn es um das Museum, das Theater in der Stadthalle oder die Ausstellungen in der Galerie im Stift ging. Die Stelle für Schotts Nachfolge ist bereits ausgeschrieben. Merkwürdigerweise ist sie jedoch nicht mehr in ihrer natürlichen Umgebung innerhalb des Fachbereichs Kultur angesiedelt, sondern ist künftig direkt dem Bürgermeister unterstellt. Das kann dieser kraft Amtes tun und braucht sich dafür auch kein Votum irgendeines Gremiums einzuholen

Wenn man nun aber einen Blick in den Ausstellungskalender des kommenden Jahres wirft und dann feststellt, dass der begehrte Kapitelsaal während der gesamten vorgesehenen Festspielzeit vom 25. Juni bis zum 5. September (!) für die landschaftsmalende Bürgermeistersgattin Gabriele Schäfer reserviert ist, könnte man ein „Geschmäckle“ empfinden. Nicht zuletzt deshalb, weil Thomas Fehling ja keine Gelegenheit auslässt, die Arbeit seiner Frau zu protegieren. Fairerweise muss jedoch angemerkt werden, dass diese „Nutzungsvereinbarung“ schon vor der neuen Zuordnung der Stelle getroffen wurde.

Die Bad Hersfelder Festspiele müssen in diesem Jahr zwar ausfallen, doch Intendant Joern Hinkel und sein Team haben für den „anderen Sommer“ ein den Umständen angepasstes Mammutprogramm auf die Beine gestellt, das wieder so richtig Lust auf Kultur macht. Und weil sich Bad Hersfeld damit etwas traut, woran sich andere aktuell nicht wagen, kommt die Festspielstadt in den Genuss von Veranstaltungen, die eigentlich für ganz andere Gelegenheiten und in anderen Dimensionen geplant waren. So etwa der ganz frisch geschriebene „Liederabend“ von Ilja Richter, der nun in Bad Hersfeld seine Premiere feiern wird.

Ein anderer Festspiel-Star meldet sich nach der Corona-Pause ebenfalls zurück: André Eisermann, der in der „Hexenjagd“ und bei den „Sommernachtsträumereien“ mitwirkte, zeigt am 25. Juli in Wetzlar, also am Original-Schauplatz, seine „Spoken word performance“ von Goethes Werther.

Bad Hersfeld ist uns freilich näher. Und deswegen hat das Sommerprogramm der Festspiele neben der Unterhaltung auch eine weitere Komponente, die an dieser Stelle in den Fokus gerückt werden soll: Viele Veranstaltungen finden rund um den Linggplatz und an anderen Orten der Innenstadt statt. Hier geht es neben der Kultur auch um die Unterstützung von Gastronomie und Einzelhandel. Markus Heide vom Stadtmarketing hat sich bei der Zusammenstellung des Programms besonders um diesen Bereich gekümmert.

Das Bad Hersfelder Amtsgericht ist mir journalistisch ja schon seit vielen Jahren zur zweiten Heimat geworden. Immer noch fasziniert mich der Umstand, dass auch in der vermeintlich heilen Provinz das Verbrechen nebenan wohnt. In letzter Zeit bin ich jedoch genervt von vielen Verfahren, in denen sich die Justiz mit Sachverhalten beschäftigen muss, die aus Nichtigkeiten entstanden sind. Das harmlose „Hi“ eines jungen Mannes an ein Mädchen kulminierte in einer Schlägerei mit etlichen Beteiligten, und in einem anderen Prozess wurde mittels eines vorgetäuschten Drogendeals versucht, einem übereifrigen Polizisten eins auszuwischen. Und immer waren dabei Handys im Spiel: Die ebenso schnell wie unbedacht eingetippte Botschaft oder Beleidigung als Auslöser. Wie gesagt: Nerv.

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