Planfeststellungsbeschluss unterzeichnet

Lärmschutz an A4: Bürgerinitiative unzufrieden

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Mehr Lärmschutz für die Anwohner der A 4: Über die Umsetzung der geplanten Maßnahmen wird noch immer heftig diskutiert. Foto: BI-Lärmschutz an der A4/NH

Anwohner am Eichhof, Kurpark und Johannesberg  sollen „deutlich besser“ vom Autobahn-Lärm abgeschirmt werden. Die Bürgerinitiative für mehr Lärmschutz an der A4 bezweifelt das.

Der Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat den Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau der A4 im Bereich Bad Hersfeld-West unterzeichnet. Damit sollen die Anwohner am Eichhof, Kurpark und Johannesberg nach Mitteilung des Ministeriums „deutlich besser“ vom Verkehrslärm der Autobahn abgeschirmt werden. Die Bürgerinitiative (BI) für mehr Lärmschutz an der A4 bezweifelt das.

„Für die direkt an der Autobahn liegenden Wohngebiete Eichhof und Johannesberg sind zehn Meter hohe Lärmschutzwände angeordnet, auf dem gesamten Abschnitt wird geräuschschluckender offenporiger Asphalt verlegt, der die Lärmbelastung im gesamten Stadtgebiet deutlich reduzieren wird“, erklärt Minister Al Wazir. Bei 80 Gebäuden seien zusätzlich passive Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen.

Der 3,9 Kilometer lange Autobahnabschnitt erhält eine neue Fahrbahn, Standstreifen und an den Steigungen zusätzliche Fahrstreifen. Die beiden Brücken über die B 62 und die Fulda werden erneuert, denn sie sind über 70 Jahre alt und nicht für die heutigen Verkehrsbelastungen ausgelegt, heißt es aus dem Ministerium. Die Gesamtkosten werden auf 96,4 Millionen Euro veranschlagt und vom Bund getragen. Sie umfassen auch Kompensationsmaßnahmen für die mit dem Bau verbundenen Eingriffe in die Natur, den Bau von Regenrückhaltebecken und den Neubau der Park- und WC-Anlage Johannesberg.

Ganz anders sieht das die Bürgerinitiative für mehr Lärmschutz an der A4. „Es wurde über die Stadt Bad Hersfeld und die Köpfe ihrer Bürger hinweg entschieden“, schimpfen die beiden Sprecher Dr. Joachim Dähn und Bernd Raacke. Sie kritisieren mangelnde Bürgerbeteiligung und Information. „Der Zeitpunkt des Beschlusses in den Weihnachtsferien und die verkürzte Zeit der Offenlegung der Planungsunterlagen von nur 14 Tagen in Verbindung mit dem Sofortvollzug lassen Schlimmes befürchten“, warnen die BI-Sprecher. Sie monieren „gravierende Mängel und Fehler“ in der vierten Planänderung, die ein Fachbüro im Auftrag der BI festgestellt hatte (wir berichteten ausführlich).

Dähn und Raake kritisieren, dass am Johannesberg nur für 80 Gebäude Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen seien. „Die Lobpreisungen aus Wiesbaden von einem umfassenden Lärmschutz sind blanker Hohn und werden die betroffenen Menschen, die nun hinter Lärmschutzfenstern weggesperrt werden sollen – die sie zum Teil noch selber finanzieren dürfen – wenig trösten.“ Die BI spricht von einer Zweiklassengesellschaft beim Lärmschutz, zumal das zu erwartende höhere Güterverkehraufkommen in den kommende Jahren die Situation weiter verschärfen werde.

Der Planfeststellungsbeschluss wird mit den zugehörigen Unterlagen von Freitag, 17. Januar, bis Freitag, 31. Januar, in Bad Hersfeld und Hauneck öffentlich ausgelegt. Danach beginnt eine einmonatige Frist zum Einlegen von Rechtsmitteln. Vorarbeiten wie Rodungen und Leitungsverlegungen sollen noch in diesem Jahr anlaufen. Die vollständige Umsetzung des Projekts soll voraussichtlich bis zum Jahr 2027 dauern.

Rathaus kündigt Stellungnahme an

Das Rathaus wollte sich auf Anfrage der Hersfelder Zeitung zunächst noch nicht zu dem Sachverhalt äußern. Stadtsprecher Meik Ebert verwies auf die Sitzung des Lärmschutzbeirates, die am Donnerstagabend stattgefunden hat und kündigte danach eine Stellungnahme des Bürgermeisters an. In einer ersten Reaktion sagte Ebert allerdings, man teile im Rathaus die Kritik der Bürgerinitiative an dem ungünstigen Zeitpunkt des Planfeststellungsbeschlusses und der dadurch sehr knappen Zeit für etwaige Einsprüche. kai

Quelle: Hersfelder Zeitung

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