Landwirte rechnen mit Ernteeinbußen

Trockenheit bringt Bauern in Bedrängnis

Hersfeld-Rotenburg. Die Trockenheit macht sich auf den Feldern im Landkreis bemerkbar. Die Landwirte rechnen mit deutlichen Ernteeinbußen. Auch Vieh-Futter wird knapp. 

Bei der Gerste, mit der die Getreideernte beginnt, sei die Region mit einem blauen Auge davongekommen, erklärt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Hersfeld-Rotenburg, Anke Roß. Noch geringer falle der Ertrag wohl bei Weizen und Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) aus, die der Trockenheit noch länger ausgesetzt gewesen seien. Beim durch Wetterstress und Käferbefall ohnehin vorgeschädigten Raps wisse sie von einem Betrieb, der die Pflanzen zu Silage für die Biogasanlage verarbeitet habe. „Der Einsatz des Mähdreschers hat sich nicht gelohnt“, erklärt Anke Roß.

Insbesondere die Rinderhalter seien in Sorge, dass durch die Trockenheit das Futter knapp wird. Weil nicht genügend Gras nachwachse, hätten die Wiesen vielerorts nur einmal gemäht werden können. „Einige Betriebe verfüttern bereits Heu oder Silage, die eigentlich als Vorrat für den Winter vorgesehen waren“, berichtet die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands. Als Notmaßnahme sei das Mähen ökologischer Stilllegungsflächen erlaubt worden, wenngleich das dort gewonnene Futter nur von geringer Qualität sei.

Niedriges Wachstum und kleine oder gar nicht vorhandene Kolben zeugen davon, dass die Trockenheit auch vielen Maisfeldern zugesetzt hat – auch hier zeichne sich eine unterdurchschnittliche Ernte ab. Dabei sind jedoch starke regionale Unterschiede zu erwarten: In den Talauen habe der Wassermangel den Pflanzen weniger stark zugesetzt als auf den kargen Höhenzügen. „Jeder Bodenpunkt macht sich bemerkbar“, verdeutlicht Anke Roß. Auch finanziell mache die Trockenheit den Landwirten inzwischen zu schaffen. 

Hintergrund: Zu wenig Regen

Von einem außergewöhnlich trockenen Sommer spricht auch Philipp Pfister von der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft mit Sitz in Rotenburg. Mit 40 beziehungsweise 65 Litern pro Quadratmeter habe die AGLW-Wetterstation in Alheim-Niedergude im April und Mai zwar noch Werte verzeichnet, die nah am Durchschnitt seit 1990 von 45 beziehungsweise 67 Litern pro Quadratmeter liegen. Diese Niederschlagsmenge resultiere vor allem aus Platzregen und Gewitterschauern. „Der Boden kann die Niederschlagsmenge so schnell nicht aufnehmen, sodass die Feuchtigkeit nicht für die Pflanzen verfügbar war“, erklärt Pfister. Mit rund 18 Litern pro Quadratmeter liege die Niederschlagsmenge im Juni deutlich unter dem Durchschnitt von 63 Litern. Im Juli fallen durchschnittlich 90,7 Liter Regen – „bislang waren es nur 12,2“, verdeutlicht Pfister.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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