Leder, Leim und Leisten: Schuhmacher Josef Klein betreibt traditionelles Handwerk

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Passender Schnitt: Der Schuhmacher Josef Klein aus Eiterfeld bearbeitet eine Schuhsohle, die er gerade neu angeklebt hat.

Eiterfeld. „Kommen Sie rein, aber erschrecken Sie nicht – hier riecht es nach Arbeit.“ Damit hat er nicht unrecht: In der Werkstatt von Schuhmacher Josef Klein hängt ein feiner Duft nach Leder, nur leicht überlagert von den Gerüchen nach beißendem Kleber und nach dem Öl hydraulischer Maschinen.

Wer den Keller des hell geklinkerten Hauses in Eiterfeld betritt weiß: Hier wird noch Handwerk betrieben. Eines betont er direkt zu Beginn: „Ein Schuhmacher ist jemand, der das Schuhhandwerk von der Pieke auf gelernt hat.“ Heute mache er zwar auch viele Reparaturen. „Aber man muss das Schuhemachen von Grund auf gelernt haben, um zu wissen, welche Reparatur wo sinnvoll ist.“

50 Jahre im Geschäft

Seit über 50 Jahren ist der Eiterfelder jetzt schon im Geschäft. Dabei hat der Schuhmacher viel erlebt – und immer weiter dazu gelernt. Als Heimatvertriebener kam er mit seinen Eltern aus dem Sudetenland. Sein Vater war der sechste Schuhmacher, der damals in Hünfeld einen Laden eröffnete. Nach einer Lehre und der Meisterprüfung übernahm Klein später das Geschäft seines Vaters. Danach war er 23 Jahre lang in der Schuhmacherwerkstatt der Grenzschutzverwaltungsstelle in Hünfeld tätig. „Da haben wir zwar auch Schuhe hergestellt, aber eher zu Ausbildungszwecken“, erklärt der 71-Jährige.

Arbeitsbasis: Ungezählte Leisten von Einzelanfertigungen und in speziellen Passformen lagern in einem Regal bei Schuhmachermeister Josef Klein in Eiterfeld.

Drei Auszubildende hat er angelernt und zur Prüfung begleitet. Einer wurde sogar Landessieger beim Leistungswettbewerb der Handwerksjugend. Ansonsten gehörten überwiegend Reparaturen zum Arbeitsalltag: eingerissene Schutzausrüstung, gesplitterte Knieschützer oder eben die vielen unterschiedlichen Schuhe der Beamten, die repariert werden mussten. „Man hat viel gelernt und aus vielen Bereichen etwas mitbekommen“, schildert Klein. „Und das ist auch wichtig: Man muss immer am Ball bleiben und über neueste Tipps und Kniffe Bescheid wissen, um weiter bestehen zu können.“

In seiner Werkstatt bearbeitet er mittlerweile überwiegend Spezialanfertigungen oder Reparaturaufträge. Auf einem Regal über seiner Schleifmaschine stehen neben einem Paar Damenschuhe mit neuem Absatz ein Paar Halbschuhe, von dem ein Schuh eine extra hohe Sohle hat. Die Kundin habe nach einer Hüftoperation diese Anpassung gebraucht, um weiterhin gerade gehen zu können. Die Reiterstiefel daneben zieht er vom Regal. „Hier musste ein neuer Reißverschluss eingenäht werden“, erklärt er. „Das geht natürlich nicht mehr mit Pechfäden wie früher, sondern mit deutlich stabileren Kunststofffäden.“

Auf Mittelaltermärkten

Der Umgang mit Pechfaden und altem Werkzeug ist dem Schuhmacher allerdings auch vertraut: Seit fast 20 Jahren fährt der Pensionär mit einem Stand auf Mittelalterbasare und Märkte, um zu zeigen, wie früher Schuhe hergestellt wurden. „Die jungen Leute heute gehen in den Laden und freuen sich, wenn sie ein passendes Paar Schuhe finden“, schildert er. „Die schauen dann immer ganz erstaunt, wenn man ihnen mal das Handwerk zeigt.“ Dieses Weitergeben der Tradition mache ihm fast am meisten Spaß – ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

„Ich werde manchmal gefragt, wie lange ich das noch machen will“, erzählt Klein. „Dann antworte ich: Ich kann es doch jetzt erst richtig und habe gerade etwas Neues gelernt, warum sollte ich dann aufhören?“

Von Linda Hopius

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