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„Lichtaffäre“ um Bad Hersfelds neue Fuldabrücke: Bürgermeister ist sauer auf Behörde

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Das Bild zeigt die neue beleuchtete Fuldabrücke in Bad Hersfeld bei Dunkelheit.
Beleuchtung im Handlauf: Dieses Bild der s-förmigen neuen Brücke in Bad Hersfeld gelang mit Langzeitbelichtung. © Steffen Sennewald

In Sachen fehlender Genehmigung für die Beleuchtung der neuen Fuldabrücke äußert sich nun auch Bad Hersfelds Bürgermeister. Thomas Fehling kritisiert die Obere Naturschutzbehörde.

Bad Hersfeld – Weil eine Genehmigung und Untersuchungen zu möglichen Auswirkungen auf verschiedene Tiere fehlen sollen, muss die Beleuchtung an der neuen Fuldabrücke in Bad Hersfeld auf Geheiß der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel seit Kurzem ausgeschaltet bleiben (wir berichteten). Jetzt äußert sich die Stadt in einer ausführlichen Stellungnahme dazu – und übt ihrerseits Kritik am Handeln der Behörde.

Hier die Pressemitteilung der Stadt im Wortlaut:

„Schildbürgerstreich“ schallte es fortan in den sozialen Medien und in Leserbriefen, an Gründen für die „Peinlichkeit“ war kein Mangel. Sehr fix war die Community auch mit einem Schuldigen an der Hand: „Die Stadt“ war es, hat die Genehmigung der Beleuchtung schlicht vergessen oder die gesetzlichen Anforderungen an Tierwohl oder Landschaftsschutz bei der Beleuchtung in den Fuldaauen einfach nicht beachtet. Krone der Vorwürfe: „Das Scheitern eines 2-Millionen-Projektes“ – was denn doch wohl die Tatsache außer Acht lässt, das der Hauptzweck einer Brücke nicht ist, zu leuchten, sondern über Hindernisse hinweg einen Bereich mit dem anderen zu verbinden. Und das tut die Fuldabrücke im tollen Design jetzt für lange Jahrzehnte.

Was ist passiert? Die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel hat in einem Schreiben an die Stadt verfügt, dass die Beleuchtung bis auf weiteres nicht betrieben werden darf. Es geht inhaltlich um mögliche Beeinträchtigungen des Lichts auf Arten wie z.B. Vögel, Fledermäuse, Fische oder Insekten, die nun von der Stadt geprüft werden sollen. Garniert wurden diese Auflagen sogar noch mit der Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen die Stadt.

Anlass für das Schreiben war unseres Wissens die lokale Berichterstattung in der Presse. Die war unter anderem mit ausdruckstarken Fotos versehen, die die beleuchtete Brücke besonders in Szene gesetzt haben – zum Teil allerdings ergänzt durch einige digitale Effekte.

Fachbereichsleiter Johannes van Horrick, bei der Stadt für den Brückenbau verantwortlich, dazu: „Nach diesem Schreiben aus heiterem Himmel haben wir die Anordnung der Naturschutzbehörde befolgt und das Licht ausgeschaltet. Um dann sofort unsere eigenen Unterlagen nochmals sorgfältig durchzusehen. Das Ergebnis war natürlich das, was wir schon wussten: Die Beschreibung der Beleuchtung ist sehr wohl Teil unserer Antragsunterlagen zur Genehmigung der Fuldabrücke! Da ist nichts vergessen worden.“

Van Horrick ergänzt: „Wir haben extra eine Licht-Designerin eingesetzt. Für die besondere Lage im Schutzgebiet wurde eine Beleuchtung mit einem sehr niedrigen Lichtniveau gewählt, um den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten, bei gleichzeitiger Gewährleistung der notwendigen Verkehrssicherheit.

Zum Einsatz kommen dabei LED-Einzelleuchten mit Optik, die eine Abstrahlung auf die Gehfläche gewährleisten und Streulicht in die Umgebung weitestgehend vermeiden. Lediglich ein leichtes Lichtabbild zeichnet sich auf dem Netz des Geländers ab, das die Wahrnehmung aus der Ferne erleichtert und auf der Brücke den Wegeverlauf zeichnet. Beides unterstützt eine gute Orientierung und gefühlte Sicherheit der Nutzer. Die Lichtfarbe beträgt ca. 3.000 K und ist insektenfreundlich (Warm-Orange).

Aus der minimalen Handlaufbeleuchtung gibt es unter der Brücke kein Licht; auf eine Effektbeleuchtung der Masten oder eine Anstrahlung der Bäume in der Brückennachbarschaft wurde von vornherein bewusst verzichtet.“

Bürgermeister Thomas Fehling stärkt seinem Projektleiter den Rücken: „Die Beleuchtung ist in unseren Antragsunterlagen nicht nur erwähnt, sondern in einem eigenen Kapitel wird ausführlich dargelegt, was wir diesbezüglich zu tun gedenken. Genau dies ist Basis der späteren Genehmigung. Das jetzt nach Wochen des Schweigens Verantwortliche der Genehmigungsbehörde überrascht und verwundert feststellen, das genau die Brücke gebaut wurde, die sie genehmigt haben, will mich einfach nur sehr befremden.“

Doch das ist aus Fehling Sicht noch nicht alles. „Bislang sind wir davon ausgegangen, dass eine Genehmigung eine Genehmigung ist. Wir sind auch nach wie vor der Ansicht, dass es nicht ausreicht, wenn jemand im fernen Kassel nach Ansicht einiger bunter Bilder meint, nach dem Motto „Ich habe es mir anders überlegt“ eine solche Entscheidung einfach wieder einkassieren zu können.“

Vollends „sauer“ ist Fehling über die völlig fehlende Kommunikation nach der Brückeneröffnung. „Statt zum Telefonhörer zu greifen, um vermeintlich neue Aspekte mit uns auf der Arbeitsebene zu klären, sich gemeinsam vielleicht auch mal ein eigenes Bild vor Ort zu machen, wird gleich mit schwerem Geschütz losgelegt. Zudem wurde durch das Verhalten einzelner Personen in anderen Behörden billigend in Kauf genommen, dass wir vor Ort in den Generalverdacht der Inkompetenz und schlechter Planung geraten sind. Beides ist nicht richtig.“

Was bleibt? Kopfschütteln der Behördenleitung über diesen Paradefall schlechter Zusammenarbeit, der ein gelungenes Bauprojekt ohne jede Not buchstäblich in „ein schlechtes Licht“ gerückt hat. Wobei nach Fehlings Eindruck das Kopfschütteln der Behördenleitung derzeit wohl nicht nur in Bad Hersfeld, sondern auch in Kassel stattfindet…

Fehling abschließend: „Wir sind in Kontakt mit der Naturschutzbehörde. Dem Vorwurf eines rechtswidrigen Verhaltens treten wir entgegen. Wir haben die Beleuchtung nicht ohne Abstimmung oder an zuständigen Behörden vorbei installiert, sondern sind von der Rechtmäßigkeit der Genehmigung ausgegangen. Wenn noch weitere fachliche Anforderungen zu erfüllen sind, die in der Genehmigung nicht genannt wurden, stellen wir uns dem. Unser Ziel bleibt das, was wir schon längst erreicht zu haben glaubten - eine rechtskonforme und zugleich attraktive Beleuchtung der Fuldabrücke.“

Lesen Sie auch: Fehlende Genehmigung - Fuldabrücke muss dunkel bleiben

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